Politik

Litauen vor Machtwechsel: Sozialdemokraten gewinnen Parlamentswahl

In Litauen setzen sich bei der Parlamentswahl die Sozialdemokraten durch. Für den Machtwechsel will deren Parteichefin nun ein Mitte-Links-Bündnis mit zwei anderen Oppositionsparteien eingehen.
28.10.2024 10:12
Lesezeit: 1 min
Litauen vor Machtwechsel: Sozialdemokraten gewinnen Parlamentswahl
Die Wahlsiegerin: Vilija Blinkeviciute, Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei von Litauen (LSDP), spricht während einer Veranstaltung nach den Wahlen zu den Medien und Anhängern. (Foto: dpa) Foto: Yauhen Yerchak

Das baltische EU- und Nato-Land Litauen steht vor einem Machtwechsel. Nach einem klaren Erfolg der oppositionellen Sozialdemokraten bei der Parlamentswahl will deren Parteichefin Vilija Blinkeviciute ein Mitte-Links-Bündnis bilden. "Wir, die Sozialdemokraten, haben einen historischen Sieg errungen", sagte Blinkeviciute am Montag.

Nach vorläufigen Ergebnissen der Wahlkommission in Vilnius holte ihre Partei in beiden Wahlrunden insgesamt 52 der 141 Sitze im Parlament - und damit 39 mehr als bei der vorherigen Wahl vor vier Jahren.

Gemeinsam mit der Partei Für Litauen (14 Sitze) und dem Bund der Bauern und Grünen (8 Sitze) wollen die Sozialdemokraten die bisherige Koalition der regierenden konservativen Vaterlandsunion von Ministerpräsidentin Ingrida Simonyte ablösen.

Ziel: Dreierbündnis als Mitte-Links-Koalition

Die geplante Dreier-Koalition würde auf eine knappe Mehrheit im Parlament kommen, in dem auch noch die neu gegründete populistische Partei Morgenröte von Nemunas (20 Sitze) vertreten ist. Zudem gelang auch noch mehreren kleineren Parteien und unabhängigen Kandidaten der Sprung in die Volksvertretung Seimas.

Kurs auf neue Innen- und Sozialpolitik

Ein Regierungswechsel würde in Litauen, das an die russische Ostsee-Exklave Kaliningrad und Moskaus Kriegsverbündeten Belarus grenzt, vor allem zu innen- und sozialpolitischen Veränderungen führen. Viele Litauer sind besorgt wegen stark gestiegener Lebenshaltungskosten. Dies machten die Sozialdemokraten zu ihrem Kernthema im Wahlkampf - sie wollen unter anderem die Renten erhöhen und Sozialleistungen verbessern.

Exponierte Lage an Nato-Ostflanke

Außen- und sicherheitspolitisch dürfte der Baltenstaat weiter klar auf EU- und Nato-Linie bleiben und an seiner entschlossenen Unterstützung der Ukraine festhalten. Für Sicherheit und Verteidigung müssten so viele Mittel bereitgestellt werden, wie benötigt werden, sagte Blinkeviciute. Die Militärausgaben sollen demnach weiterhin über 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen.

Litauen ist durch seine Lage an der Nato-Ostflanke in der geopolitischen Konfrontation mit Russland besonders exponiert und betrachtet Moskaus Angriffskrieg gegen die Ukraine auch als direkte Gefahr für seine eigene Sicherheit. Deutschland will deshalb eine gefechtsbereite Brigade mit bis zu 5.000 Bundeswehrsoldaten dauerhaft in Litauen stationieren.

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