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Deutlich Flagge zeigen: Flugzeugträger USS Harry S. Truman kreuzt durch die Nordsee

Die Nato hat nicht viel Aufhebens vom aktuellen Einsatz in der Nordsee gemacht. Doch dass die US-Navy zusammen mit der britischen Marine mit gleich zwei Flugzeugträgern zwischen Schottland und Norwegen „segeln“, wie es bei den Alliierten heißt, passiert nicht alle Tage. Dies soll seit langer Zeit mal wieder ein deutliches Zeichen an Russland aussenden, dass die Nato-Allianz zusammensteht, und das nicht nur für Übungszwecke.
31.10.2024 16:05
Lesezeit: 3 min
Deutlich Flagge zeigen: Flugzeugträger USS Harry S. Truman kreuzt durch die Nordsee
Das von der U.S. Navy veröffentlichte Foto zeigt Super Hornets und Rafale Jets, die über den Flugzeugträger USS Harry S. Truman der Nimitz-Klasse fliegen. Die Harry S. Truman Carrier Strike Group befindet sich derzeit auf einem planmäßigen Nato-Einsatz in der Nordsee, um die Interessen der USA, ihrer Verbündeten und Partner zu verteidigen. (Foto. dpa) Foto: U.S. Navy

Die USS Harry S. Truman und der britische Flugzeugträger HMS Prince of Wales, größtes Kriegsschiff der Royal Navy, nehmen derzeit in der Nordsee am Nato-Einsatz „Neptune Strike 2024“ teil. Es handelt sich um ein einwöchiges Marine-Manöver, das am 24. Oktober begann und am heutigen Donnerstag den Abschluss findet. Die mobile Luftwaffenbasis der Amerikaner hat damit „die komplexe Integration gemeinsamer hoch entwickelter maritimer Angriffsfähigkeiten demonstrier“. Die operative „Kontrolle über mehrere Flugzeugträger und Expeditionsstreitkräfte zur Unterstützung der Abschreckung und der Verteidigung des Bündnisses oblag der Nato“, heißt es in einer Mitteilung aus dem Hauptquartier in Brüssel.

Neben der USS Harry S. Truman zählen die Zerstörer USS Stout und USS Jason Dunham und der Lenkwaffenkreuzer USS Gettysburg zum Geleitzug der Carrier Strike Group. Die Schiffe sind mit einer Vielzahl an Waffensystemen ausgerüstet, auch sich selbst gegen Angriffe aus großer Entfernung verteidigen zu können. Die USS Gettysburg agiert als Luftverteidigungseinheit der Formation.

Nicht nur eine Übung, sondern eine Abschreckungs-Operation unter realen Bedingungen

Hauptziele waren die Aufrechterhaltung der Navigations- und Manövrierfreiheit im Nato-Einsatzgebiet. Außerdem die Sicherung strategischer maritimer Engpässe, die Durchführung von Abschreckungs- und Wachsamkeitsoperationen und die Verbesserung der Interoperabilität in operativen Bereichen (z. B. Luft-Land-Integration) sowie die Förderung der Nato-Fähigkeiten zur Durchführung weitreichender Operationen in mehreren Bereichen. Sehr viel präziser fallen die Nato-Informationen nicht aus, nicht mal die Route der beiden Flugzeugenträger war vorab bekanntgegeben worden. Immerhin ging es dem Vernehmen nach auch die Durchführung amphibischer Lande-Operationen, an der im Mittelmeer auch türkisches Militär beteiligt war.

Aus Kreisen der britischen Streitkräfte wurde derweil mitgeteilt, dass sich Kriegsschiffe der Royal Navy, Teile der königlichen Armee, der Royal Air Force zusammen mit Nato-Kriegsschiffe aus Norwegen, Dänemark, Belgien, Deutschland und Portugal beteiligt hätten. Die königliche Luftwaffe unterstützte die U-Boot-Abwehr des Flugzeugträgers durch Bereitstellung von Poseidon P-8-Seeüberwachungs-Flugzeugen. Andere Nato-Flugzeuge bildeten mit britischen F-35 einen Verbund zu Verteidigung gegen vermeintlich „angreifende“ Flugzeuge, die die Flotte bedrohten.

Der kommandierende Offizier der Briten, Captain Will Blackett, sagte, das Manöver sei harte Arbeit gewesen, aber alle hätten von der Ausbildung profitiert: „Wir haben enorme Fortschritte gemacht, von der Verbesserung unserer Fähigkeit, mit schiffsinternen Notfällen umzugehen, über die Verfeinerung der Verteidigungstaktiken der Einsatzgruppe bis hin zum präzisen Abfeuern scharfer Munition auf simulierte Ziele in Reichweite.“ Das Flaggschiff, HMS Prince of Wales, sei unterdessen bereits in den Marinestützpunkt Portsmouth zurückgekehrt, hieß es.

Soldaten aus 22 Staaten und über 15,000 Mann an Manöver beteiligt

Seitens der Marine wurde darauf hingewiesen, dass es im Gegensatz zu dem, was manchmal sogar von der Nato selbst fälschlich mitgeteilt wird, bei „Neptune Strike 2024“ nicht um eine Übung, sondern um eine „enhanced Vigilance Activity“ (eVA) handelte. Offiziell wird freilich stets das rein defensive Vorgehen betont, Verteidigung nur zu üben, das klingt weniger martialisch. Im Unterschied zu Übungen mit festem Ablaufplan und langer Vorbereitungszeit geht es bei den sogenannten Wachsamkeits-Aktivitäten der eVA um die Integration und Interaktion aller beteiligten Kräfte zum Zweck der allgemeinen Abschreckung. Die Bedingungen entsprechen in ihrer kurzfristigen Reaktionszeit damit durchaus militärischen Realbedingungen. Die Marine betont gar, dass die Aktion nichts mit der aktuellen Situation im Nahen Osten zu tun hat, selbst wenn auch das Mittelmeer zu den Einsatz-Standorten gehörte. 20 Kriegsschiffe und U-Boote, Streitkräfte aus 22 Staaten und über 15.000 Personen seien insgesamt beteiligt gewesen.

Schwedische und finnische Bomber üben, US-Atombombe ins Ziel zu tragen

Aus Brüssel ist aus internen Kreisen zu vernehmen, dass Russland erkennen müsse, dass das Nato-Bündnis mithilfe seiner Flugzeugträger in kürzester Zeit praktisch jeden Punkt auf der Welt erreichen könne. Das alles in derselben Sache, in der bekannt geworden ist, dass nordkoranische Truppen den Angriff der Russen auf die Ukraine unterstützen. Und nachdem vom 14. bis zum 24. Oktober über Nord- und Ostsee beim Manöver „Steadfast Noon“ Nato-Kampfjets geübt haben, wie sie US-Atombomben ans Ziel bringen – wobei erstmals auch die neuen finnischen und schwedischen Nato-Partner mit ihren Kampfjets teilgenommen haben.

Laut Presseberichten hatten auch US-Langstreckenbomber vom Typ B-52 und Tankflugzeuge teilgenommen, um die Koordination von Flugzeugen verschiedener Nationen zu proben. Die rivalisierenden Blöcke gehen in Stellung und scheinen tatsächlich inzwischen auf alles vorbereitet zu sein. Eisige Zeiten eines neuen Kalten Krieges, wie es scheint.

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Peter Schubert

Peter Schubert ist stellv. Chefredakteur und schreibt seit November 2023 bei den DWN über Politik, Wirtschaft und Immobilienthemen. Er hat in Berlin Publizistik, Amerikanistik und Rechtswissenschaften an der Freien Universität studiert, war lange Jahre im Axel-Springer-Verlag bei „Berliner Morgenpost“, „Die Welt“, „Welt am Sonntag“ sowie „Welt Kompakt“ tätig. 

Als Autor mit dem Konrad-Adenauer-Journalistenpreis ausgezeichnet und von der Bundes-Architektenkammer für seine Berichterstattung über den Hauptstadtbau prämiert, ist er als Mitbegründer des Netzwerks Recherche und der Gesellschaft Hackesche Höfe (und Herausgeber von Architekturbüchern) hervorgetreten. In den zurückliegenden Jahren berichtete er als USA-Korrespondent aus Los Angeles in Kalifornien und war in der Schweiz als Projektentwickler tätig.

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