Wirtschaft

Raumsonde übersteht nahen Vorbeiflug an der Sonne

"Die Sonnensonde hat nach Hause telefoniert!", schreibt die US-Raumfahrtbehörde Nasa aufgeregt. Das bedeutet: Der Hitzeschild hat die Sonde beim Vorbeiflug an der Sonne geschützt.
27.12.2024 17:26
Lesezeit: 2 min
Raumsonde übersteht nahen Vorbeiflug an der Sonne
Cape Canaveral: Eine Delta-IV-Trägerrakete mit der "Parker Solar Probe" an Bord startet im Kennedy Space Center. Mit einen Tag Verspätung hat die US-Raumfahrtbehörde Nasa erstmals eine Sonde gestartet, die in die Sonnenatmosphäre hineinfliegen soll. (Foto: dpa) Foto: John Raoux

Die Sonde "Parker Solar Probe" hat ein erstes Lebenszeichen von sich gegeben, nachdem sie der Sonne so nah gekommen war wie nie ein anderes menschengemachtes Objekt zuvor. Das empfangene Signal zeige an, dass die Sonde in einem guten Zustand sei und normal funktioniere, erklärte die US-Raumfahrtbehörde Nasa.

Die Raumsonde war am 24. Dezember tief in die Atmosphäre der Sonne geflogen und hatte damit bisher unerforschte Regionen erreicht. Berechnungen der Nasa zufolge kam ihre Sonde bis auf rund sechs Millionen Kilometer an die Oberfläche der Sonne heran. Ein dicker Hitzeschild schützte die Sonde und die darauf montierten Instrumente dabei.

Das Signal der Sonde wurde laut Nasa vom Johns Hopkins Applied Physics Laboratory (APL) in Laurel im US-Bundesstaat Maryland empfangen. Forschende sprachen im Vorfeld von einem kurzen autonomen Funksignal - vergleichbar mit dem Aufblinken eines Leuchtturms. Während der größten Annäherung an die Sonne hatten die Forschungsteams auf der Erde keinen Kontakt mit der Sonde.

Weitere Daten im Januar erwartet

Erste Daten dazu, ob die Sonde beim Vorbeiflug auch Messungen durchgeführt hat, werde es Anfang Januar geben, erläutert der Astrophysiker Volker Bothmer von der Universität Göttingen. Dann nämlich erreichten mehr Signale der Nebenantennen die Erde. Wissenschaftliche Daten würden dann Ende Januar erwartet, wenn die Hauptantenne der Sonde zur Erde zeige.

"Es wird aber einige Jahre dauern, bis wir alle Daten ausgewertet und verstanden haben", sagte Bothmer schon im Vorfeld. Er leitet die deutsche Beteiligung an der Mission und hat unter anderem ihr Konzept sowie eine Weitwinkelkamera mitentwickelt.

Erkenntnisse über die Sonnenwinde und Sonnenstürme

Die Forscher erwarten unter anderem Erkenntnisse darüber, warum die äußere Atmosphäre der Sonne um ein Vielfaches heißer ist als ihre Oberfläche. Das soll auch dabei helfen, die Funktionsweise der Atmosphären von anderen Sternen zu verstehen. Auch geht es um die Frage, wie die Sonnenströme in der Atmosphäre der Sonne erzeugt werden, und darum, wie Sonnenwind oder Sonnenstürme entstehen.

Die Raumsonde werde nun voraussichtlich erst einmal auf der gleichen elliptischen Bahn weiterfliegen und sich der Sonne am 22. März und 19. Juni erneut in sechs Millionen Kilometer Entfernung annähern, sagte Bothmer. Was danach geschehen soll, werde derzeit erörtert. "Wir hoffen, dass wir noch viele weitere Jahre mit der Sonde `Parker Solar Probe´ arbeiten können", sagte Bothmer.

Der Treibstoff reiche zwar noch 70 Jahre, doch der Strom der Batterie nur noch etwa sieben Jahre, "je nachdem, wie viele Manöver wir noch machen mit der Sonde". Die Solarzellen altern und die Linsen der Kamera können wegen der Staubteilchen im All mit der Zeit trübe werden.

Namensgeber der 2018 gestarteten Sonde ist der US-Astrophysiker Eugene Parker, der schon als junger Mann in den 1950er Jahren laut Nasa eine mathematische Theorie zur Existenz des Sonnenwindes präsentierte. Das ist ein Strom geladener Teilchen, den die Sonne permanent in den Weltraum sendet. Parker war 2022 im Alter von 94 Jahren gestorben. Nach Auskunft der Nasa war er der erste Mensch, der den Start einer Sonde miterlebte, die seinen Namen trägt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Aktienmarkt in Gefahr: Investoren warnen vor Eskalation im Iran-Konflikt
25.03.2026

Die Märkte geraten ins Wanken, während geopolitische Spannungen eskalieren. Investoren befürchten nach den Drohungen eines eskalierenden...

DWN
Politik
Politik Russlands Ölexport unter Beschuss: Energiekrieg erreicht neue Stufe
25.03.2026

Explosionen in russischen Ostseehäfen lassen den Ölfluss abrupt versiegen. Die Angriffe treffen Moskaus Energieinfrastruktur empfindlich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tarif-Durchbruch in der Chemie: Mehr Geld und Jobgarantie für 585.000 Beschäftigte
25.03.2026

Lohnplus trotz Krise: Die rund 585.000 Beschäftigten der deutschen Chemie- und Pharmabranche erhalten künftig deutlich mehr Geld. Nach...

DWN
Politik
Politik Turbo für die Verteidigung: EU plant Millionen-Spritze für Militär-Innovationen
25.03.2026

Die EU-Kommission will die militärische Schlagkraft Europas durch schnellere Innovationszyklen sichern. Ein neues Förderinstrument namens...

DWN
Politik
Politik Digitale Gewalt: Was die Regierung jetzt plant
25.03.2026

Deepfakes, Überwachung, intime Bilder – digitale Gewalt nimmt zu, und der politische Druck wächst. Die Bundesregierung arbeitet an...

DWN
Politik
Politik Recht auf Reparatur: So sparen Sie künftig Geld bei Handy, Waschmaschine & Co.
25.03.2026

Schluss mit der Wegwerf-Kultur: Das neue „Recht auf Reparatur“ soll die Lebensdauer von Haushaltsgeräten und Smartphones deutlich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft BASF-Aktie: Mega-Werk in China eröffnet – Wachstumschance oder riskante Wette?
25.03.2026

Der Chemieriese BASF setzt voll auf Expansion: Mit der offiziellen Eröffnung des neuen Verbundstandorts in Zhanjiang nimmt der...

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilien-Hammer 2026: Steigende Preise und Zins-Schock durch Iran-Krieg
25.03.2026

Immobilienkäufer stehen vor einer Doppelbelastung: Erstmals seit 2022 ziehen die Preise wieder an (+3,2 %), während der Iran-Krieg die...