Unternehmen

Miele investiert 500 Millionen Euro in deutsche Standorte

Nach dem massiven Stellenabbau folgt jetzt ein klares Bekenntnis zum Standort Deutschland. Miele wird bis 2028 500 Mio. Euro hierzulande investieren. Was Miele plant.
08.03.2025 10:55
Lesezeit: 4 min
Miele investiert 500 Millionen Euro in deutsche Standorte
Die Miele & Cie. KG ist ein deutscher Hersteller von Haushalts- und Gewerbegeräten (Foto: dpa). Foto: Friso Gentsch

Gerade erst im vergangenen Jahr hat auch der Hausgerätehersteller Miele durch seinen geplanten Stellenabbau von 1400 Arbeitsplätzen für einen Aufschrei in Deutschland gesorgt. Die Befürchtung war groß, dass das deutsche Traditionsunternehmen ins Ausland abwandern könnte. Das war unbegründet, denn gerade erst hat Miele angekündigt, dass das Unternehmen sich in Deutschland für die Zukunft rüsten will und deshalb massiv in neue Produktinnovationen investieren werde. 500 Millionen Euro sollen dafür in die deutschen Standorte fließen. Das gab die Miele Geschäftsführung letzte Woche anlässlich der Bekanntgabe der Jahresergebnisse 2024 bekannt.

Das kam für viele Beobachter überraschend, denn Miele hatte gerade erst 2023 beschlossen, Teile der Produktion von Deutschland nach Polen zu verlagern und deshalb 1400 Arbeitsplätze in Deutschland abzubauen. Die Maßnahme wurde auch durchgeführt. Es waren allerdings keine betriebsbedingten Kündigungen notwendig, da Miele den Stellenabbau mit Abfindungs- und Ruhestandsregelungen lösen konnte.

Miele zeigt sich zufrieden mit dem Geschäftsjahresergebnis

Mit den Geschäftsergebnissen aus dem vergangenen Jahr zeigt sich Miele zufrieden. Der Umsatz im Geschäftsjahr 2024 ist mit einem Plus von 1,7 Prozent auf 5,04 Milliarden Euro gestiegen zum Vorjahr. Zwar seien die Stückzahlen rückläufig gewesen, insgesamt habe man sich aber in einem Marktumfeld von Kaufzurückhaltung, hohem Preisdruck und geoökonomischen Herausforderungen gut behaupten können. Zum Unternehmensergebnis äußert sich Miele grundsätzlich nicht, so auch dieses Mal. Man bestätigte aber aus Gesellschafterkreisen, dass es auch im vergangenen Jahr einen Gewinn gegeben hätte.

Auch bei Miele sind allerdings die Umsätze nicht mehr auf dem Spitzenniveau, das sie insbesondere während der Corona-Jahre erreicht hatten, als die deutschen Haushalte fleißig in ihr Heim investiert hatten. Da waren Miele Produkte besonders gefragt, und der Umsatz der Unternehmensgruppe stieg in dieser Zeit auf bis zu 5,5 Milliarden Euro. Aber auch Miele bekommt nun die allgemeine Kaufzurückhaltung zu spüren. Der Premiumanbieter im Haushaltsgerätebereich verzeichnet rückgängige Verkaufszahlen. Der Fachhandel führt dies darauf zurück, dass gerade im oberen Preissegment nicht notwendige Anschaffungen erst einmal verschoben werden und bei notwendigen Erneuerungen auch schon mal die Wahl auf einen preisgünstigeren Anbieter fällt.

500 Millionen Euro für deutsche Standorte

Die angekündigten Investitionen in Höhe von 500 Millionen Euro in deutsche Standorte sollen bis 2028 bereits getätigt werden. Der Investitionsplan sei auch schon bereits zur Hälfte abgearbeitet. Das Geld fließt dabei in verschiedene Bereiche des Unternehmens an unterschiedliche Standorte. Hohe Investitionen sind demnach in den Werken in Oelde und Gütersloh geplant sowie in die Erweiterung des Forschungs- und Entwicklungszentrums in Bünde. Neu entstehen soll auch ein Kundendienst-Schulungszentrum in Lehrte und am Stammsitz Gütersloh ein Prototyping-Center. Wie Markus Miele, geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmen, gegenüber der Welt mitteilte, will Miele damit auch ein ganz klares Zeichen für den Standort Deutschland setzen.

Produktinnovationen stehen auf dem Plan

Der aktuell etwas mauen Nachfrage will Miele mit Produktinnovationen entgegensteuern, die bei den Kunden neue Begehrlichkeiten wecken sollen. Dabei spielt auch die künstliche Intelligenz eine Rolle bei den Innovationen für die Küche. So soll beispielsweise eine „Smart Food ID“ auf den Markt kommen, bei der die neuen Backöfen dann mit Kamera und KI selbstständig erkennen, welche Zutaten sich in ihnen befinden und dann von alleine das passende Backprogramm auswählen und starten. Auch Innovationen im Bereich Waschmaschinen sind geplant, über das Infinity Care Programm sollen Waschmaschinen mit besonders schonenden Waschtrommeln auf den Markt gebracht werden, die die Textilien langlebiger machen sollen.

Auch Miele fordert bessere Rahmenbedingungen von der Politik

Trotz der hohen Investitionen auch in Produktinnovationen steht auch für Miele fest, dass auch die Politik gefordert ist, bessere Bedingungen für die Wirtschaft zu schaffen, um auch die Nachfrage wiederzubeleben. Neben einer schnellen und stabilen Regierungsbildung seien hierfür auch Maßnahmen zur Stärkung der Wirtschaft am Standort Deutschland notwendig. Wichtig seien Steuererleichterungen und Bürokratieabbau, ein Ausbau der digitalen Infrastruktur, Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur und auch die Wiederbelebung der Baukonjunktur.

Auch Miele leidet unter der seit Jahren schwachen Baukonjunktur mit dem Einbruch von Baugenehmigungen und Fertigstellungen am Bau, denn jedes neue Haus und jede neue Wohnung braucht auch eine Küche mit einer Vielzahl von Elektrogeräten. Außerdem löst jeder Umzug in eine neue Immobilie am Markt vier Folgeumzüge aus, wie ein Miele-Sprecher mitteilte.

Expansion in den USA ist bereits gestartet

Deutschland ist und bleibt der wichtigste Absatzmarkt für Miele, gefolgt von den USA. Dort wollen die westfälischen Unternehmer in den kommenden Jahren auch noch deutlich zulegen und haben eigens hierfür Ende vergangenen Jahres eine eigene Produktionsstätte in Betrieb genommen. In Alabama werden nun Backöfen und Herde für den amerikanischen Markt produziert, weitere Produkte sollen folgen. Miele spart sich durch die eigene Produktionsstätte in den USA lange Lieferzeiten und Transportkosten.

In den USA gelten andere Standardmaße für Öfen, hier wird in Zoll bemessen und nicht in Zentimetern. Die Geräte für die US-Nachfrage wurden bislang in Oelde produziert, wo nun andere Elektronikprodukte hergestellt werden sollen. Durch die eigene Produktion in den USA verspricht sich Miele auch größere Wachstumschancen im US-Markt.

Das Timing hätte auch nicht besser sein können, angesichts der von US-Präsident Trump angedrohten Zölle auf Metallwaren. Miele liefert allerdings nicht nur Herde und Backöfen in den USA, sondern praktisch das gesamte Sortiment. Falls die Zölle auf Importwaren tatsächlich noch kommen sollten, wird Miele dies wohl über die Preise an die Endkunden in den USA weitergeben müssen, da dies ansonsten das Ergebnis zu stark belasten würde. Ob die Zölle tatsächlich noch kommen, steht aktuell noch nicht fest. Deshalb will Miele auch keine abschließenden Aussagen zum Thema machen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Staatliche Datenkontrolle treibt Verbraucher in die digitale Schattenwirtschaft

Deutschland befindet sich im Jahr 2026 in einer paradoxen wirtschaftspolitischen Situation. Während die Bundesregierung versucht, durch...

 

DWN
Politik
Politik Energiepreise setzen Haushalte unter Druck: Wie die EU Stromkosten senken will
11.03.2026

Die EU-Kommission stellt einen neuen Energieplan vor, mit dem Haushalte in Europa spürbar bei den Stromkosten entlastet werden sollen....

DWN
Politik
Politik Steuerrecht: Ehegattensplitting vorm Aus? Mehr Arbeitszeit für Frauen nicht lukrativ
11.03.2026

Für viele Frauen lohnt es sich finanziell nicht, in den Job zurückzukehren oder ihre Teilzeit auszubauen, das Ehegattensplitting entpuppt...

DWN
Finanzen
Finanzen Gerresheimer-Aktie im freien Fall: Jahresabschluss verschoben, SDAX-Ausschluss droht – was der Bilanzskandal für Anleger bedeutet
11.03.2026

Für die Gerresheimer-Aktie reißen die schlechten Nachrichten nicht ab. Nach Bilanzfehlern und Untersuchungen der BaFin verzögert sich...

DWN
Politik
Politik EU-Rüstungsprogramm Safe: Polens Präsident lehnt EU-Rüstungskredite ab
11.03.2026

44 Milliarden für Polens Rüstung? Präsident Nawrocki blockiert ein EU-Programm und setzt auf eigene Ideen. Was steckt hinter dem...

DWN
Politik
Politik Abgelehnte Asylbewerber: Fast zwei Drittel aller Abschiebeversuche 2025 gescheitert
11.03.2026

Die schwarz-rote Bundesregierung hat sich vorgenommen, die Zahl der Abschiebungen deutlich zu steigern. Es dürfte ihr nicht gefallen, dass...

DWN
Politik
Politik IEA: Deutschland gibt wegen Iran-Kriegs Teil der Ölreserven frei
11.03.2026

Seit Beginn des Iran-Kriegs vor gut einer Woche schnellt der Ölpreis in die Höhe. Um dagegen anzugehen, wird jetzt ein seltenes...

DWN
Politik
Politik Spritpreise in Polen: Warum die Tankfüllung in Polen deutlich günstiger ist
11.03.2026

Die explodierenden Kraftstoffpreise treiben viele deutsche Autofahrer nach Polen, um deutlich günstiger Benzin oder Diesel zu tanken. Doch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft DIW: Iran-Krieg trifft deutsche Wirtschaft wenig - aber treibt Preise
11.03.2026

Mit dem Anstieg der Ölpreise wachsen die Sorgen um die Konjunktur in Deutschland. Das Institut der deutschen Wirtschaft ist eher...