Wirtschaft

Trump-Zölle: Welche Auswirkungen die umstrittene Zollpolitik auf Deutschland und die Welt hat

Der US-Präsident setzt seine umstrittene Zollpolitik um, doch weltweit regt sich Widerstand gegen die Maßnahmen. Zunächst hatte Donald Trump Importzölle gegen Mexiko und Kanada zurückgestellt, am Dienstag sind sie dann aber doch in Kraft getreten. Welche Folgen ergeben sich daraus für die betroffenen Staaten und Deutschland? Und welche weiteren Schritte sind zu erwarten?
08.03.2025 05:55
Lesezeit: 3 min

Welche Trump-Zölle wurden verhängt?

Seit Dienstag unterliegen Exporte aus Kanada und Mexiko in die USA Strafzöllen von 25 Prozent. US-Medien berichten darüber, doch eine offizielle Bestätigung steht noch aus. Zudem hat Trump erklärt, die im Februar festgelegten Importzölle auf Waren aus China ab Dienstag auf 20 Prozent zu verdoppeln.

Kanada reagierte prompt mit Gegenzöllen von 25 Prozent auf US-Produkte im Wert von 30 Milliarden US-Dollar. Innerhalb von 21 Tagen soll dieser Betrag auf insgesamt 155 Milliarden US-Dollar ansteigen. Auch China kündigte Vergeltungsmaßnahmen an, darunter Trump-Zölle auf Agrarprodukte. Ab dem 10. März werden 15 Prozent auf Hühnerfleisch, Weizen, Mais und Baumwolle aus den USA fällig, während Sojabohnen, Schweine- und Rindfleisch mit zehn Prozent belegt werden.

Welche Folgen haben die Trump-Zölle für Deutschland?

Deutschland ist zunächst nur indirekt betroffen. Laut Samina Sultan vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln könnte die Weltwirtschaft durch die Trump-Zölle um 0,4 Prozent schrumpfen. Deutschland müsste daher bis 2026 mit einem um 0,4 Prozent geringeren Bruttoinlandsprodukt rechnen. Besonders Stahl- und Aluminiumzölle sowie künftige Importzölle könnten die deutsche Wirtschaft weiter belasten.

Für die deutsche Automobilbranche haben die höheren Trump-Zölle auf mexikanische Exporte schwerwiegende Folgen. Viele deutsche Autobauer unterhalten Werke in Mexiko. "Autos und Autoteile überqueren teils mehrfach die Grenzen, bevor sie fertiggestellt sind. Diese Lieferketten stehen durch die Zollerhöhungen infrage", erklärt Sultan. Experten des Ifo-Instituts sehen aber auch mögliche Vorteile: Deutsche Firmen könnten profitieren, wenn US-Käufer auf europäische Anbieter umsteigen, weil die Konkurrenz aus Kanada, Mexiko und China durch die Trump-Zölle teurer wird. Das gilt jedoch nur, solange keine weiteren Importzölle auf europäische Waren verhängt werden.

Der Verband der Automobilindustrie VDA kritisiert die neuen Trump-Zölle scharf. Sie könnten nicht nur die US-Verbraucher belasten, sondern auch deutsche Unternehmen. Protektionismus und geopolitische Unsicherheiten zwängen Firmen dazu, ihre Märkte zunehmend lokal zu bedienen.

Welche Folgen haben die Trump-Zölle für die USA?

Dorothee Hillrichs vom Ifo-Institut geht davon aus, dass die Trump-Zölle die Inflation in den USA antreiben. Insbesondere Zwischenprodukte verteuern sich für amerikanische Hersteller, wodurch auch die Lebensmittelpreise steigen könnten. Dies würde vor allem einkommensschwache Haushalte treffen.

Laut Berechnungen des Ifo-Instituts sind Mexiko und Kanada wirtschaftlich stärker betroffen als die USA. Dennoch können auch die Vereinigten Staaten die negativen Auswirkungen nicht vermeiden. Sultan erwartet, dass Trump verstärkt auf eine Produktionsrückholung in die USA setzen wird. "Dass er dabei der US-Wirtschaft selbst erheblichen Schaden zufügt, scheint zweitrangig." Eine Verlagerung der Produktion würde durch höhere Kosten die Inflation antreiben und Produkte für Verbraucher verteuern.

Wie reagieren die betroffenen Staaten?

Kanada und China haben bereits Maßnahmen über Trump-Zölle hinaus angekündigt. Kanada erwägt, seine Öl-Exporte in die USA einzuschränken. China prüft Sanktionen gegen US-Unternehmen. Auch die EU-Kommission meldete sich zu Wort. Sie kritisierte die Trump-Zölle als Bedrohung für globale Lieferketten, Investitionen und die wirtschaftliche Stabilität auf beiden Seiten des Atlantiks.

Trump drohte mehrfach mit Importzöllen auf europäische Waren. Falls sie verhängt werden, hat die EU rasche Gegenmaßnahmen angekündigt. Während Trumps erster Amtszeit reagierte die EU auf Strafzölle für europäischen Stahl und Aluminium mit Sonderabgaben auf US-Produkte wie Bourbon-Whiskey, Harley-Davidson-Motorräder und Jeans. Die Stärke der EU-Reaktion wird davon abhängen, in welchem Umfang Trump neue Trump-Zölle einsetzt.

Laut Sultan zeigen die Beispiele Kanada und Mexiko, dass Verhandlungen mit Trump wenig Erfolg versprechen. Beide Länder hatten den USA zuvor Maßnahmen gegen illegale Migration und Drogenhandel zugesagt, doch die Trump-Zölle wurden dennoch eingeführt. Hillrichs hält es für möglich, dass die EU auf andere als zollpolitische Maßnahmen setzt. China drohte etwa mit reduziertem Engagement im Anti-Drogenkampf. Wichtig sei, keine lebenswichtigen Zwischenprodukte zu verteuern und keine Zölle auf Waren zu verhängen, für die es keine alternativen Lieferanten gibt.

Handelskrieg voraus: Droht eine weltweite Zollspirale?

Ob eine Eskalation eintritt, hängt von Trumps weiteren Schritten und den Reaktionen der betroffenen Länder ab. Sollte es zu einer Zollspirale kommen, würde dies laut Hillrichs die Inflation weltweit anheizen und die Weltwirtschaft belasten. Unternehmen stünden vor hoher Unsicherheit, was Investitionen ausbremsen könnte. Einige Unternehmen würden ihre Produktion in die USA verlagern, um Trump-Zölle zu vermeiden.

Die wirtschaftlichen Folgen würden für die USA umso gravierender, je mehr Länder mit Gegenmaßnahmen reagieren. Sultan warnt: "Ein umfassender Handelskrieg gegen den Rest der Welt wird die USA wirtschaftlich erheblich schwächen." Neben den direkten Einbußen drohe eine zunehmende Isolation. Handel sei nicht nur Warenaustausch, sondern auch Treiber für Wettbewerb und Innovation. Wenn die USA den Weltmarkt verlassen, stärkt dies andere Akteure wie China.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Pandora-Aktie: Die neue Chefin gibt ein ungewöhnliches Eingeständnis ab
12.06.2026

Pandora kämpft mit schwächerem Wachstum, steigenden Kosten und enttäuschenden Märkten. Die neue Chefin Berta de Pablos-Barbier sieht...

DWN
Politik
Politik EU-Stabilitätspakt: Irland erhält Flexibilität bei Energieausgaben
12.06.2026

Mehr Spielraum im Budget: Die EU erweitert die Ausnahme für Verteidigungsausgaben auf den Energiesektor. Damit reagiert Brüssel auf die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Infrastruktur-Finanzierung: Bauindustrie fordert neue Debatte über Pkw-Maut
12.06.2026

Die deutsche Bauindustrie schlägt zur dauerhaften Sanierung des Verkehrsnetzes die Einführung einer Pkw-Maut vor. Durch den Wechsel von...

DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX-Aktie: Jahrhundert-IPO zwischen Musk-Fans und Milliarden-Risiken
12.06.2026

Der gigantische SpaceX-Börsengang elektrisiert die Märkte. Während Institutionelle und Kleinanleger Schlange stehen, um ein Stück vom...

DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX-IPO: Was bedeutet das für ETF-Anleger?
12.06.2026

Mit SpaceX drängt eines der bekanntesten Technologieunternehmen der Welt an die Börse. Die Bewertung sorgt bereits für Diskussionen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Stahlkrise: Großproteste in Berlin und Völklingen gegen drohende Massenentlassungen
12.06.2026

Zehntausende Arbeitsplätze in der deutschen Stahlindustrie stehen auf dem Spiel. Mit großen Protestaktionen in Berlin und dem Saarland...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Krise bei den Agrarkosten: EU-Kommission plant höhere Vorschüsse für Düngemittel
12.06.2026

Um Landwirte angesichts drastisch gestiegener Preise für Düngemittel finanziell zu entlasten, schlägt die Europäische Kommission...

DWN
Technologie
Technologie Urteil in München: Google haftet für fehlerhafte KI-Ergebnisse
12.06.2026

Das Landgericht München I hat ein wegweisendes Urteil für das digitale Zeitalter gefällt: Der Suchmaschinenkonzern Google kann für...