Politik

UN-Vorsitzende? Baerbock soll Präsidentin der UN-Generalversammlung werden - Russland lehnt ab

Nach der Bundestagswahl hatte Außenministerin Annalena Baerbock angekündigt, sie wolle kürzertreten. Nun steht fest: Die Grünen-Politikerin beabsichtigt, eine bedeutende Position in New York anzutreten. Russland lehnt die Pläne Baerbocks ab - mit einem Nazi-Hinweis!
18.03.2025 18:28
Aktualisiert: 18.03.2025 18:28
Lesezeit: 3 min
UN-Vorsitzende? Baerbock soll Präsidentin der UN-Generalversammlung werden - Russland lehnt ab
Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen) spricht auf einer Pressekonferenz beim Berlin Energy Transition Dialogue (Foto: dpa). Foto: Hannes P Albert

Baerbock: Deutsche Kandidatin für den Vorsitz der UN-Generalversammlung

Außenministerin Annalena Baerbock soll nach ihrem Ausscheiden aus der Bundesregierung eine hochrangige Position bei den Vereinten Nationen in New York übernehmen. Die Bundesregierung möchte die Grünen-Politikerin laut Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Regierungskreisen in Berlin als deutsche Kandidatin für den Vorsitz der UN-Generalversammlung in der Sitzungsperiode 2025/26 benennen. Ein entsprechender Kabinettsbeschluss im Umlaufverfahren sei bereits eingeleitet worden.

Baerbock soll Anfang Juni von der UN-Generalversammlung gewählt werden und im September ihr einjähriges Amt antreten. Ihre Wahl wird in den internen Verhandlungen der Vereinten Nationen als Formsache betrachtet. Nach der Amtsübernahme wird Baerbock ihr Bundestagsmandat niederlegen, hieß es weiter. Das Amt der Präsidentin der Vollversammlung der Vereinten Nationen ist klar von dem Amt des UN-Generalsekretärs António Guterres zu unterscheiden.

Baerbock will ihr Arbeitsprogramm im Mai vorstellen

Die Aufgabe der Präsidentin ist es, die Sitzungen der UN-Generalversammlung zu organisieren und zu leiten. Vor der Wahl im Juni plant Baerbock, im Mai in New York ihr Arbeitsprogramm vorzustellen. Dieses Programm war ursprünglich von der als Kandidatin vorgesehenen deutschen Top-Diplomatin Helga Schmid erarbeitet worden. Schmid war im September 2024 von Deutschland als Kandidatin nominiert worden. Jetzt soll die Position politisch besetzt werden. Baerbock würde den ehemaligen Ministerpräsidenten von Kamerun, Philémon Yang, ablösen.

Mit ihrer Kandidatur unterstreicht Deutschland sein starkes Engagement für die Vereinten Nationen, hieß es in Regierungskreisen. Aufgrund der häufigen Blockaden im Sicherheitsrat hat die UN-Generalversammlung in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Eine starke politische Besetzung des Amtes durch Deutschland gilt als entscheidender Baustein für die deutsche Bewerbung um einen nichtständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat für die Jahre 2027/28.

Letzte deutsche Besetzung des UN-Amtes im Kalten Krieg

Das Amt der Präsidentin der UN-Generalversammlung ist laut internen UN-Absprachen für die kommende Sitzungsperiode der sogenannten Regionalgruppe „Westeuropäer und andere“ vorgesehen. Deutschland hat bereits vor einiger Zeit von dieser Gruppe das Besetzungsrecht für die nächste Sitzungsperiode erhalten, basierend auf seinem starken Engagement bei den UN.

Die Mehrheit der bisherigen Präsidenten der Vollversammlung war zuvor Außenminister. Die letzte deutsche Besetzung des Amtes geht auf den Kalten Krieg zurück: 1980 war der UN-Botschafter der damaligen Bundesrepublik, Rüdiger von Wechmar, Präsident der Generalversammlung, und 1987 hatte der ehemalige UN-Botschafter der DDR, Peter Florin, das Amt inne.

Baerbock verzichtete Anfang März auf eine Führungsrolle in der Grünen-Fraktion

Anfang März hatte Baerbock mitgeteilt, dass sie aus persönlichen Gründen keine Führungsrolle in der künftigen Grünen-Bundestagsfraktion übernehmen werde. Sie war zuvor als neue Co-Fraktionschefin gehandelt worden. „Nach Jahren auf Highspeed“ habe sie sich ein paar Tage Zeit genommen, um zu reflektieren, „was dieser Moment für meine Familie und mich bedeutet“, schrieb Baerbock damals an die Grünen-Bundestagsfraktion und den Grünen-Landesverband Brandenburg, dem sie angehört.

Die scheidende Außenministerin hatte ihre Partei 2021 als erste Kanzlerkandidatin in den Bundestagswahlkampf geführt. Im November hatten Baerbock und ihr Ehemann Daniel Holefleisch ihre Trennung bekanntgegeben. Baerbock hat zwei minderjährige Töchter.

Russland kritisiert Baerbocks UN-Kandidatur - mit Nazi-Verweis

Russland lehnt Baerbocks Kandidatur ab und verweist auf familiäre Hintergründe: „Es wäre befremdlich, 80 Jahre nach dem Sieg (im Zweiten Weltkrieg) die Enkelin eines Nazis als Präsidentin der Generalversammlung zu sehen, die stolz auf die 'Heldentaten ihres Großvaters' ist“, erklärte Maria Sacharowa, die Sprecherin des russischen Außenministeriums, laut der staatlichen Nachrichtenagentur Tass.

Die Bundesregierung plant, die Grünen-Politikerin als deutsche Kandidatin für den Vorsitz der UN-Generalversammlung zu nominieren, so Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Regierungskreisen in Berlin. Ein entsprechender Kabinettsbeschluss im Umlaufverfahren sei bereits eingeleitet worden. Baerbock soll Anfang Juni von der UN-Generalversammlung gewählt werden und ihr einjähriges Amt im September antreten. Das Amt der Präsidentin der UN-Generalversammlung ist nicht mit der Position des UN-Generalsekretärs António Guterres zu verwechseln.

Die Grünen-Politikerin äußert sich offen über die Vergangenheit ihres Großvaters, der als Wehrmachtsoffizier an der Ostfront im Einsatz war. Moskau hat dessen NS-Vergangenheit wiederholt aufgegriffen, um Baerbock öffentlich in Frage zu stellen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Ehegattensplitting vorm Aus? "Fiktives Realsplitting": Institution Ehe soll tiefgreifend verändert werden
05.04.2026

Beim Ehegattensplitting wird das Einkommen beider Ehe- oder Lebenspartner gemeinsam versteuert, was sich lohnt, wenn einer deutlich weniger...

DWN
Technologie
Technologie Chinas Vorherrschaft bei Batterien ist eine Tatsache. Was bleibt Europa noch?
05.04.2026

Europa erhält keine Energiespeicher höchster Qualität. Diese werden vom heimischen chinesischen Markt absorbiert, ähnlich verhält es...

DWN
Panorama
Panorama Klimawandel verändert Deutschlands Wälder und die Forstwirtschaft grundlegend
05.04.2026

Der Wald, wie wir ihn kennen, verschwindet langsam. Steigende Temperaturen, Wassermangel und Schädlingsbefall setzen ihm zu. Fachleute...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Emissionsfreie Baumaschinen in Europa: Hohe Kosten bremsen den Markt
05.04.2026

Die Umstellung auf emissionsfreie Baumaschinen gewinnt an Dynamik, bleibt aber durch hohe Kosten und strukturelle Hürden ausgebremst....

DWN
Finanzen
Finanzen Hebel-ETF-Boom: Der Trend, den Millionen handeln – aber kaum jemand versteht
05.04.2026

Hebel-ETFs versprechen schnelle Gewinne, doch ihre Mechanik bleibt für viele Anleger ein Rätsel. Die Produkte funktionieren völlig...

DWN
Finanzen
Finanzen Riester-Rente vor dem Aus: Das plant die Regierung mit dem Riester-Nachfolger
05.04.2026

Mit dem geplanten Riester-Nachfolger wollen Union und SPD die private Altersvorsorge neu aufstellen. Mehr Rendite, weniger Bürokratie und...

DWN
Immobilien
Immobilien Gebäudesanierung: Der unterschätzte Schlüssel zur Energieeffizienz
05.04.2026

Millionen Wohnungen in Europa stammen aus einer Zeit, in der Energieeffizienz kaum eine Rolle spielte. Heute zeigt sich: Wer Gebäude...

DWN
Finanzen
Finanzen Investoren im Wettbewerb mit KI: Wer steuert Risiken besser?
05.04.2026

Künstliche Intelligenz setzt die Softwarebranche unter Druck und verschiebt die Kräfteverhältnisse in der Technologieindustrie. Welche...