Politik

Rebellion im Inneren – Republikaner stellen sich gegen Trumps Handelskrieg

In der Republikanischen Partei gärt es: Immer mehr Abgeordnete und Senatoren wenden sich gegen Donald Trumps kompromisslose Handelspolitik. Ein neuer Gesetzesvorschlag soll dem Präsidenten die alleinige Entscheidungsgewalt über Zölle entziehen – das politische Risiko für Trump wächst.
11.04.2025 13:41
Lesezeit: 2 min
Rebellion im Inneren – Republikaner stellen sich gegen Trumps Handelskrieg
Rebellion der Republikaner: Trumps Kurs bringt Partei ins Wanken. (Foto: pixabay)

Donald Trumps protektionistische Wirtschaftspolitik sorgt nicht mehr nur außerhalb seiner Partei für Unmut. Nun regt sich offener Widerstand in den eigenen Reihen. Was noch vor wenigen Monaten undenkbar schien, nimmt nun erste Formen an: Ein parteiinterner Aufstand gegen die wirtschaftliche Alleinherrschaft des Ex-Präsidenten.

Senator Chuck Grassley aus dem Agrarstaat Iowa – ein Parteiveteran und in Washington bestens vernetzt – hat gemeinsam mit der Demokratin Maria Cantwell einen Gesetzesentwurf eingebracht, der dem Präsidenten die unilaterale Einführung von Zöllen künftig erschweren soll. Innerhalb von 48 Stunden müsste das Weiße Haus künftig den Kongress informieren, eine Zustimmung innerhalb von 60 Tagen wäre notwendig.

Zaghafte, aber bedeutsame Rebellion

Sieben republikanische Senatoren haben sich bereits öffentlich hinter den Vorschlag gestellt. Auf den ersten Blick scheint die Initiative chancenlos: Die notwendige 60-Stimmen-Mehrheit im Senat wird derzeit nicht erreicht. Doch der politische Symbolwert ist enorm – denn zum ersten Mal seit Trumps Aufstieg stellen sich konservative Schwergewichte öffentlich gegen den wirtschaftlichen Kurs ihres einstigen Hoffnungsträgers.

Unter den Unterstützern finden sich keine Leichtgewichte: Neben Grassley selbst zählen auch der frühere republikanische Mehrheitsführer Mitch McConnell und Senatoren aus traditionellen Trump-Hochburgen wie Alaska, Kansas oder North Carolina zu den Mitzeichnern.

Ein Präsident auf dem Alleingang

Trumps aggressive Zollpolitik, die jüngst Zölle von bis zu 104 Prozent auf chinesische Produkte vorsah, hat einen Sturm auf den Finanzmärkten ausgelöst und in der Realwirtschaft zu wachsender Nervosität geführt. Während Trump in seinen öffentlichen Auftritten betont, dass „Amerika keine Deals braucht“, wächst in der Wirtschaft und nun auch im Kongress die Angst vor einem Flächenbrand.

„Zölle sind nichts anderes als versteckte Steuern auf amerikanische Familien“, erklärte Mitch McConnell. „Sie treiben die Preise und belasten jene, die sich am wenigsten dagegen wehren können.“

Angst vor Rezession – und vor 2026

Selbst Senator Ted Cruz, der lange als fester Verbündeter Trumps galt, zeigt sich zunehmend besorgt. In einem Podcast warnt er vor steigender Arbeitslosigkeit, Inflation – und den politischen Folgen: „Wenn wir in eine Rezession geraten, könnte das Jahr 2026 für die Republikaner ein politisches Blutbad werden.“

Diese Worte sind nicht zufällig gewählt. Die Midterm-Wahlen stehen bereits am Horizont, und eine verschlechterte wirtschaftliche Lage könnte das politische Fundament der Republikaner empfindlich erschüttern. Die Partei droht in eine offene Richtungsdebatte zu stürzen – zwischen nationalkonservativem Protektionismus und wirtschaftsliberaler Marktöffnung.

Weißes Haus reagiert – mit Veto-Drohung

Das Weiße Haus ließ den Vorschlag nicht unbeantwortet. Ein internes Memo, das dem Nachrichtenportal Axios vorliegt, spricht von einem „gefährlichen Eingriff in die exekutive Autorität“. Man werde „keine Schwächung des Präsidenten in internationalen Wirtschaftsfragen hinnehmen“ – eine klare Kampfansage an den Kongress.

Hillary Clinton nutzte die Gelegenheit für eine öffentliche Breitseite. Auf der Plattform Bluesky veröffentlichte sie eine Grafik mit den jüngsten Börseneinbrüchen und schrieb: „Die Republikaner im Kongress können das jederzeit beenden.“

Der Anfang vom Ende der Gefolgschaft?

Noch dominiert im Repräsentantenhaus und Senat die Angst, sich zu weit von Trump zu distanzieren. Doch das politische Klima verändert sich spürbar. Der Republikaner Don Bacon kündigte im Fernsehen an, einen ähnlichen Gesetzesvorschlag im Repräsentantenhaus einzubringen. Er räumte ein, dass es derzeit an Stimmen fehle – doch mit weiterem wirtschaftlichem Druck werde sich das schnell ändern.

„Wenn der Aktienmarkt weiter fällt und die Inflation außer Kontrolle gerät, wird unser Vorschlag plötzlich ganz realistisch“, sagte Bacon in Face the Nation.

Fazit: Der Druck auf Trump steigt – die Partei ringt mit sich selbst

Die Rebellion in der Republikanischen Partei ist noch leise – aber sie ist real. Was sich derzeit in Senatsausschüssen und Hinterzimmern abzeichnet, ist nicht weniger als ein Machtkampf um die wirtschaftliche Ausrichtung der größten Volkswirtschaft der Welt. Trump sieht sich zum ersten Mal mit ernstzunehmender innerparteilicher Opposition konfrontiert.

Noch hält die Mehrheit – aus Furcht vor Trumps Einfluss. Doch mit jedem Tag wirtschaftlicher Turbulenz wächst das Risiko, dass die Mauer der Gefolgschaft Risse bekommt. Der Handelskrieg wird damit zunehmend auch zum parteiinternen Stellungskrieg.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Politik
Politik Iran-Krieg belastet Energiemarkt: EU reagiert mit Krisenpaket
23.04.2026

Die EU reagiert auf steigende Energiepreise infolge des Iran-Kriegs mit einem ersten Krisenpaket und bereitet sich auf politische...

DWN
Politik
Politik Kein Öl mehr aus Kasachstan: Russland stoppt Lieferung nach Deutschland
23.04.2026

Ab kommender Woche wird kein Öl aus Kasachstan mehr durch die Pipeline Druschba nach Deutschland und zur PCK-Raffinerie in Schwedt...

DWN
Politik
Politik Milliardenschwere Ukraine-Hilfe: EU bricht Blockade und verschärft Sanktionen
23.04.2026

Nach dem Ende des wochenlangen Widerstands aus Ungarn hat die Europäische Union den Weg für ein massives Unterstützungspaket...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie: Konzern drosselt China-Ziele – Fokus auf Rendite statt Volumen
23.04.2026

Der Volkswagen-Konzern zieht Konsequenzen aus dem schwierigen Marktumfeld in Fernost. Angesichts eines verschärften Preiskampfes und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stellenmarkt in Deutschland: Ghosting bei Bewerbungen nimmt zu
23.04.2026

Bewerber erhalten einer Umfrage zufolge oft nicht einmal eine Rückmeldung auf ihre Bewerbungen. Das führt zu Frust und dazu, dass...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Elektro-SUV Cupra Tavascan im Test: Viel Leistung, solide Reichweite und hoher Preis
23.04.2026

Der Cupra Tavascan positioniert sich als sportlicher Elektro-SUV mit viel Komfort und starker Reichweite. Doch trotz überzeugender Technik...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Der Mittelstand im Stresstest: Bleiben, verlagern oder aufgeben?
23.04.2026

Während der Hemdenhersteller Eterna insolvent geht und der Stihl-Konzern Investitionen ins Ausland verlagert, wächst der Maschinenbauer...

DWN
Politik
Politik Öffentliche Investitionen: Bundestag beschließt Reform für schnellere Auftragsvergabe
23.04.2026

Der Staat ist ein zentraler Akteur bei der Vergabe von Aufträgen. Es geht um viele Milliarden bei den Sondervermögen für Infrastruktur....