Wirtschaft

Lateinamerika im Fokus: Chinas Milliardenoffensive gegen Washingtons Einfluss

Chinas Regierung sucht neue Verbündete – nicht aus Not, sondern mit Strategie. Während die USA auf Konfrontation setzen, stärkt Peking seine Position in Lateinamerika mit Milliardeninvestitionen und geopolitischem Kalkül. Welche Ziele China dabei verfolgt und warum die Region plötzlich zum globalen Zankapfel wird.
13.05.2025 17:04
Lesezeit: 2 min

Neue Wege im Zollstreit? Warum China um Lateinamerika wirbt

Der aufgeheizte Zollkonflikt zwischen China und den USA hat sich vorübergehend etwas entspannt. Doch Peking hält schon länger nach alternativen Handelspartnern Ausschau – etwa in Lateinamerika.

China baut Beziehungen zu CELAC-Staaten aus

Nach der zeitweisen Zollsenkung zwischen China und den USA kündigte Peking an, den Handel mit der Gemeinschaft Lateinamerikanischer und Karibischer Staaten (CELAC) weiter auszudehnen. Unabhängig davon, wie sich die Welt entwickle, werde China stets ein "guter Freund und Partner" der Region bleiben, erklärte Staats- und Parteichef Xi Jinping zur Eröffnung des China-CELAC-Forums in Peking.

Keine Gewinner im Zollkrieg

In Handelskonflikten gebe es keine Sieger, sagte Xi. Sein Land wolle angesichts wachsender Blockkonfrontation und Protektionismus in den Bereichen Infrastruktur, Rohstoffe und Nahrungsmittel sowie 5G-Technologie und Künstliche Intelligenz verstärkt mit Lateinamerika und der Karibik kooperieren.

Investitionen und neue Handelsströme

Xi sagte außerdem zu, die Einfuhren aus lateinamerikanischen und karibischen Ländern zu steigern und chinesische Unternehmen anzuweisen, in der Region zu investieren. Peking plant, für die Entwicklung der Region 66 Milliarden Yuan (rund 8,2 Milliarden Euro) bereitzustellen.

Warum der Handelskonflikt Lateinamerika betrifft

Insbesondere seit dem Zollstreit mit den USA bemüht sich China verstärkt, sich anderen Staaten als verlässlicher Handelspartner zu präsentieren. Zwar einigten sich Peking und Washington inzwischen darauf, ihre gegenseitigen Zölle für neunzig Tage deutlich zu reduzieren. Doch das gegenseitige Misstrauen bleibt groß.

Lateinamerika im Fokus der Großmächte

In den CELAC-Staaten wird der Wettbewerb der beiden größten Volkswirtschaften der Welt deutlich. Die USA sind wichtigster Handelspartner der Region, gefolgt von China. Im Jahr 2024 betrug das Handelsvolumen mit der Region laut Peking 518,4 Milliarden US-Dollar (heute rund 466,8 Milliarden Euro).

Was Peking in der Region anstrebt

Die Volksrepublik interessiert sich stark für die Rohstoffe Lateinamerikas. So erhöhte China kürzlich den Sojabohnenimport aus Brasilien, um sich auch bei Agrarprodukten unabhängiger von US-Lieferungen zu machen. Darüber hinaus verfügen die Länder der Region über zentrale Rohstoffe wie Lithium aus Chile, das in der Batterieproduktion besonders gefragt ist. Länder des Globalen Südens seien zentrale Akteure für Entwicklung, betonte Chiles Präsident Gabriel Boric.

Chinas Infrastruktur-Offensive

China will sich zudem Marktzugänge in Lateinamerika sichern und investiert im Rahmen seiner Initiative "Neue Seidenstraße" massiv in Infrastruktur. Nach chinesischen Angaben hat Peking über zweihundert Infrastrukturprojekte in der Region angestoßen.

Strategische Bedeutung lateinamerikanischer Häfen

Besondere Aufmerksamkeit erhielt im November Peru, als Präsidentin Dina Boluarte und Xi gemeinsam den Tiefwasserhafen Chancay einweihten. Dieser wird vom staatlichen chinesischen Schifffahrtskonzern Cosco betrieben.

Streit um den Panamakanal

Ein bedeutender Streitpunkt zwischen den USA und China in Lateinamerika ist auch der Panamakanal. US-Präsident Donald Trump behauptete, China kontrolliere die strategische Handelsroute, da der Hongkonger Konzern CK Hutchison an Häfen der Region beteiligt sei. Peking wies das zurück. Der geplante Verkauf der Hafensparte CK Hutchisons an die US-Investmentgesellschaft Blackrock rief jedoch zuletzt chinesische Behörden auf den Plan, die das Geschäft prüfen.

Unterschiedliche Präsenz beim Forum

Panama entsandte zum Forum in Peking lediglich seinen Botschafter als ranghöchsten Vertreter. Länder wie Chile, Brasilien und Kolumbien reisten hingegen mit hochrangigen Delegationen an.

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