Politik

Seltene Erden: China beschränkt Export in die USA - aufgrund militärischer Nutzung

China schränkt seine Exporte von seltenen Erden und kritischen Mineralien in die USA ein. Kann die Volksrepublik den massiven Einfuhrbeschränkungen der Amerikaner damit Paroli bieten?
11.01.2025 11:08
Lesezeit: 3 min
Seltene Erden: China beschränkt Export in die USA - aufgrund militärischer Nutzung
China stärkt seinen Einfluss auf kritische Mineralien weltweit und könnte den Westen vor große Herausforderungen stellen. (Foto: dpa) Foto: Str

China ist im Besitz kritischer Mineralien, darunter auch wichtige seltene Erden für die Produktion von Elektrofahrzeugen, Batterien und vielen elektronischen Produkten — sowohl für den zivilen als auch für den militärischen Gebrauch. Nicht nur fördert China diese Mineralien und Erden innerhalb der eigenen Landesgrenzen. Mittlerweile beschafft die Volksrepublik sie auch außerhalb, in Ländern wie Myanmar, Vietnam, Brasilien und dem Kongo.

Damit könnte Chinas Dominanz über die globalen Lieferketten kritischer Mineralien weiter wachsen. Bereits jetzt besitzt China etwa 60 Prozent der Produktion und 85 Prozent der Verarbeitungskapazitäten weltweit. Doch das Land beabsichtigt, diesen Vorsprung auszubauen und damit ein mächtiges Vergeltungswerkzeug gegenüber den USA zu erhalten.

Kritische Mineralien: Chinas Faustpfand gegen Trumps Einfuhrzölle

Indem es die Ausfuhr kritischer Mineralien beschränkt, will China sich gegen die Zollpolitik der Trump Administration verteidigen. Diese hatte angekündigt, die Einfuhrzölle auf chinesische Waren in die USA mit massiven Zöllen zu belegen. Bereits jetzt liegen die Zölle auf chinesische Elektrofahrzeuge in die USA bei 100 Prozent, ein Affront gegen die exportorientierte Volksrepublik China.

Bereits im Dezember schränkte China den Export der kritischen Mineralien Gallium, Germanium und Antimon ein, welche auch für militärische Zwecke Anwendungen genutzt werden. Ob China die Ausfuhr weiterer Mineralien in die USA beschränkt, hängt auch davon ab, ob die Trump Administration zu Verhandlungen bereit sein wird.

Kritische Mineralien und seltene Erden für Chinas Wirtschaft

Beatrix Keim, Direktorin des Center Automotive Research (CAR) in Deutschland, vermutet auch Chinas wachsenden Eigenbedarf hinter der restriktiven Ausfuhrpolitik. Zwar habe das Land die Mehrheit der Raffineriekapazitäten für seltene Erden und Lithium, welches für die Herstellung von Batterien verwendet wird. Diese benötigt das Land im zunehmenden Maße für den Ausbau der eigenen E-Mobilität.

So ergreift Peking trotz großer Vorkommen im eigenen Land Maßnahmen, um den Nachschub an seltenen Erden und Mineralien sicherzustellen. Die Regierung investiert in die Beziehung zu Ländern wie Vietnam, Russland oder Brasilien, um dort wertvolle Rohstoffe zu günstigen Konditionen zu bekommen. Auch übernimmt Peking die Kontrolle über wichtige Minen, etwa einen Großteil der bestehenden Kobaltminen in der Demokratischen Republik Kongo, wo etwa 70 Prozent der weltweiten Kobaltvorkommen lagern.

Dabei versäumt es die Kommunistische Partei Pekings nicht, Profit aus geopolitischen Umbrüchen zu ziehen. So nutzt es die regelmäßigen Zusammenstöße der Militärjunta und verschiedener Rebellengruppen in Myanmar aus, um seinen Einfluss in dem Land mit großen Vorkommen an schweren Seltenerd-Elementen zu verstärken. Und so wächst Chinas Einfluss in Südostasien zulasten westlicher Firmen: Die Rebellengruppe Kachin Independence Army (KIA) kontrolliert rohstoffreiche Gebiete im Raum der Stadt Kanpaikti an der Landesgrenze zu China. Die chinesische Regierung führt Gespräche mit der KIA und hofft auf günstige Lieferungen, durch die der Bürgerkrieg des Landes weiter befördert werden könnte.

Wider Chinas Monopolstellung: Der Westen zwischen geostrategischer Neuausrichtung technologischer Innovation

China verfügt quasi über das Monopol über seltene Erden und viele kritische Mineralien, und will dies mit seinem internationalen Engagement unterstreichen. Es verwundert kaum, dass die Strafzölle der EU, die nicht über dieselben Möglichkeiten wie die USA zur Selbstversorgung verfügt, deutlich niedriger ausfallen als die von der Trump-Administration verhängten. Doch selbst diese niedrigeren Zölle will China umgehen, etwa mit der Schaffung von Batterie- und E-Auto-Fabriken in Ungarn, der Türkei und Marokko, von wo aus die günstig produzierten Fahrzeuge problemlos nach Westeuropa exportiert werden könnten.

Das Problem bleibt bestehen: China verfügt nicht nur über die Rohstoffe, sondern auch über die Verarbeitungskapazität und den Einfluss auf wichtige Länder mit großen Vorkommen von seltenen Erden und kritischen Mineralien. Im Handelskrieg könnte sich die Ausfuhrbeschränkung ebenjener Stoffe als wirksame Waffe gegen den Westen erweisen.

Dieser setzt auf den Import seltener Erden und kritischer Mineralien aus Indien und Australien, welche allerdings nur 6 beziehungsweise 4 Prozent der globalen Vorkommen aufweisen. Es bleibt also keine andere Option als die Erschließung eigener Vorkommen und die Suche nach immer neuen technologischen Innovationen.

So wird intensiv an der Schaffung von Batterien und Akkus aus Natrium und Magnesium geforscht, Stoffe also, die in deutlich größeren Mengen verfügbar sind als klassische Batterie-Bestandteile wie Lithium oder Kobalt. Fraglich bleibt hier, wann Elektromobilität, Solar- und Militärtechnik sowie etliche andere moderne Technologien mit dieser einfachen Energieversorgung betrieben werden können.

Um kurzfristig Abhilfe zu schaffen und die Abhängigkeit des Westens von China zu reduzieren, umwirbt jener eine Region, die zwischen den Machtblöcken steht: Südamerika. Bald schon sollen kritische Mineralien und seltene Erden aus Lateinamerika importiert werden. So startete etwa das europäische Gesetz zu kritischen Rohstoffen und die Bundesrepublik richtete einen deutschen Rohstofffonds ein, um die Versorgungssicherheit in Lateinamerika zu gewährleisten.In Lateinamerika könnte sich also entscheiden, ob China mit seinen Ausfuhrbeschränkungen weiterhin Erfolg hat oder ob es der Westen schafft, sich von der Volksrepublik zu lösen. Erfolgreiche Verhandlungen zwischen Peking und Brasília sollten westlichen Vertretern eine Warnung sein — langjährige Verhandlungen wie im Mercosur-Abkommen können sich weder die USA noch die EU leisten.

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Virgil Zólyom, Jahrgang 1992, lebt in Meißen und arbeitet dort als freier Autor. Sein besonderes Interesse gilt geopolitischen Entwicklungen in Europa und Russland. Aber auch alltagsnahe Themen wie Existenzgründung, Sport und Weinbau fließen in seine Arbeit ein.

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