Politik

Präsidentschaftswahlen in Rumänien: Wird George Simion Trumps „Werkzeug“ in Europa?

Ein Trump-Verehrer an der Spitze Rumäniens? George Simion, der Favorit für die Präsidentschaft, ist zuversichtlich, dass er die Wahl am Sonntag gewinnt. Er könnte zum trojanischen Pferd der MAGA-Bewegung in Europa werden – mit explosiven Folgen für die EU, den Ukraine-Krieg und die NATO-Ostflanke.
17.05.2025 09:29
Aktualisiert: 17.05.2025 14:29
Lesezeit: 2 min

Trump-Verehrer und EU-Kritiker

Der rumänische Präsidentschaftswahlkampf entwickelt sich zu einem geopolitischen Kräftemessen mit potenziell weitreichenden Folgen für die EU, den Ukraine-Krieg und die Sicherheitsarchitektur an der Ostflanke der NATO. Nach der Annulierung der ursprünglichen Wahl wegen mutmaßlicher ausländischer Einflussnahme und der Disqualifikation des ultrarechten Kandidaten Călin Georgescu hat der rechtspopulistische Nationalist George Simion überraschend die erste Wahlrunde gewonnen – und damit eine politische Erschütterung ausgelöst.

Die rumänische Währung Leu brach ein, Premierminister Marcel Ciolacu trat zurück. Nun steht Simion dem proeuropäischen Bürgermeister der Hauptstadt Bukarest, Nicușor Dan, in der Stichwahl gegenüber. Die Entscheidung wird darüber bestimmen, ob Rumänien – strategisch wichtiges EU- und NATO-Mitglied – künftig prowestlich bleibt oder sich in Richtung eines nationalkonservativen, US-hörigen Kurses bewegt.

Simion, der sich offen zur Ideologie der Trump-nahen MAGA-Bewegung bekennt, will die Unterstützung für die Ukraine beenden und Moldawien mit Rumänien vereinen – ein Schritt, der in Brüssel wie in Moskau kritisch betrachtet würde. Er spricht von einer „Melonisierung Europas“ – eine Anspielung auf die italienische Premierministerin Giorgia Meloni – und fordert eine radikale Neuausrichtung Rumäniens.

Seine Rhetorik gegenüber der Ukraine speist sich aus der Überzeugung, die rumänische Minderheit dort werde diskriminiert. Politische Beobachter warnen allerdings: Auch wenn Simion nicht als pro-russisch gilt, bediene er gezielt Narrative der russischen Propaganda – und könne somit faktisch zum nützlichen Werkzeug des Kremls werden.

Gefahr für NATO und EU-Strukturen

Geopolitisch wäre eine Präsidentschaft Simions hochbrisant. Der Verteidigungsexperte Phillips O'Brien von der Universität St. Andrews verweist auf die zentrale Rolle Rumäniens bei der Sicherung der Getreideexporte aus der Ukraine. Nach dem Scheitern des Abkommens mit Russland im Juli 2023 nutzt Kiew verstärkt Routen entlang der rumänischen Küste. Sollte Simion diese Routen blockieren, stünde die Ukraine vor gravierenden logistischen Problemen.

Noch schwerer wiegt: Die NATO baut in Rumänien ihre größte Militärbasis Europas aus – Mihail Kogălniceanu nahe dem Schwarzen Meer. Ein Kurswechsel in Bukarest könnte Auswirkungen auf das gesamte Ostflanken-Bündnis haben.

„Nützlicher Akteur“ für Trumps Strategie?

Der politische Analyst Radu Magdin warnt: Simion könnte sich zu einem willfährigen Vollstrecker der MAGA-Strategie entwickeln – mit dem Ziel, EU-weite Entscheidungsprozesse zu blockieren. Vor allem europäische Verteidigungsprojekte stünden im Fokus – die USA hätten ein Interesse daran, dass Europa zwar mehr Geld für Rüstung ausgibt, dieses aber in amerikanische Systeme investiert.

Wirtschaftspolitisch unberechenbar

Der Politikwissenschaftler Claudiu Tufiș bezeichnet Simion als „politischen Chamäleon“, der je nach Publikum seine Botschaften anpasst. Besonders gefährlich sei sein wirtschaftspolitischer Dilettantismus: Simion habe keine Erfahrung in Regierungsführung, seine engsten Berater kämen überwiegend aus Philosophie und Geisteswissenschaft – ohne Bezug zur praktischen Wirtschaftsführung.

Tufiș warnt: Sollte Simion gewinnen, könnte er innerhalb kürzester Zeit die rumänische Wirtschaft schwer beschädigen. Bereits nach der ersten Wahlrunde verlor der Leu fast 3 Prozent gegenüber dem Euro. Das Haushaltsdefizit zählt zu den höchsten in der EU, die Inflationsrate liegt mit 4,9 Prozent ebenfalls im oberen Bereich.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gestiegene Betriebskosten: Wachsender Druck auf Produktionsbetriebe

Die deutsche Wirtschaft steht im Jahr 2026 vor enormen Herausforderungen, welche die Gewinnspannen der Betriebe spürbar verringern. Laut...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU und Philippinen einigen sich auf Freihandelsabkommen
22.09.2026

Neue Chancen für Maschinen, Arzneimittel und Schweinefleisch: Die Europäische Union und die Philippinen haben sich auf...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Evonik-Aktie: Chemiekonzern streicht 3.200 Stellen
22.09.2026

Evonik streicht 3.200 Stellen und will allein in Deutschland 2.150 Jobs abbauen. Der Chemiekonzern setzt zugleich auf Wachstum in Asien und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Onboarding neuer Mitarbeiter: Darauf kommt es an
22.09.2026

Die Vorstellungsgespräche sind geschafft, es wurde sich für einen passenden Bewerber entschieden und dieser hat ebenfalls zugesagt. Damit...

DWN
Politik
Politik Folge der Zerstörung: Saudis liefern kein Öl mehr nach Europa
22.09.2026

Saudi Aramco liefert im Oktober kein Öl an europäische Partner. Huthi-Angriffe auf eine wichtige Pipeline haben die Versorgung des...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Quereinstieg wird zum Karrieremodell: Wo Quereinsteiger gefragt sind
22.09.2026

Ein neuer Job, ein anderer Berufsweg, neue Perspektiven: Für immer mehr Menschen in Deutschland ist der Quereinstieg eine attraktive...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-Zölle treiben Stahlkunden zurück nach Europa
22.09.2026

Nachdem die EU die Bedingungen für Stahlimporte verschärft hat, hat sie einen Teil der Kunden zu europäischen Herstellern...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Tesla FSD im Test: Wenn das Auto versteht, was um es herum geschieht
22.09.2026

Tesla bringt sein Full-Self-Driving-System nach Europa und zeigt auf einer Testfahrt, wie weit automatisiertes Fahren inzwischen ist. Der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mercedes GLC im Test: Elektrisch ist er endlich so, wie er sein muss
21.09.2026

Der elektrische Mercedes GLC 400 4Matic bringt fast 500 PS, viel Komfort, hohe Ladeleistung und einen überraschend moderaten Verbrauch. Im...