Durchbruch in Washington – wachsende Skepsis bei Unternehmen
Am 11. Juni verkündete der US-Präsident mit demonstrativer Zufriedenheit einen Durchbruch im Handelsstreit mit China. Doch während in Washington gefeiert wurde, wächst bei westlichen Unternehmen die Sorge: Wie die Financial Times berichtet, verlangen chinesische Behörden im Gegenzug für den Export seltener Erden und magnetrelevanter Materialien umfangreiche, teils hochsensible Geschäftsinformationen – darunter Produktionsdetails und Kundenlisten.
Laut Angaben mehrerer Firmen sowie offizieller Handelsrichtlinien fordert das Handelsministerium in Peking vor der Genehmigung von Ausfuhren seltener Metalle detaillierte Einblicke in Herstellung, Weiterverarbeitung und Absatzstrukturen. Betroffen sind insbesondere Materialien für Hochleistungsmagnete, die in der Elektronik, der Elektromobilität, Windkraftanlagen und der Rüstung – etwa in Kampfjets – eingesetzt werden. In diesen Industriezweigen hat China durch seine marktbeherrschende Stellung erheblichen Einfluss.
Vertrauliche Unternehmensdaten als neue Handelswährung
Frank Eckard, Geschäftsführer des deutschen Magnetherstellers Magnosphere, bestätigt die zunehmende Regulierungsdichte: „Die chinesischen Behörden verlangen vertrauliche Informationen über Produkte und Geschäftsprozesse“, warnt er. „Das ist Chinas Versuch, an Informationen zu kommen – ganz offiziell, ohne sie stehlen zu müssen.“
Anfang April hatte Peking verschärfte Exportkontrollen für sieben seltene Metalle und verwandte magnetische Materialien in Kraft gesetzt – als direkte Reaktion auf den anhaltenden Handelskonflikt mit den USA. Der Schritt löste weltweit hektische Versorgungsmaßnahmen aus: Zahlreiche Industrieunternehmen versuchen seither, ihre Rohstoffketten abzusichern, um Produktionsunterbrechungen zu vermeiden.
US-Ankündigung trifft auf chinesisches Schweigen
Zwar kündigte US-Präsident Donald Trump am 11. Juni eine vorläufige Einigung mit China an, wonach Peking seine Exportrestriktionen für seltene Erden lockern werde – ein erklärtes Ziel des Weißen Hauses. Doch aus China selbst gab es bislang keine Bestätigung darüber, ob die bisherigen Kontrollmaßnahmen vollständig aufgehoben werden sollen.
Unklar bleibt auch, ob die jüngste Übereinkunft konkrete Auswirkungen auf die Verfahren zur Erteilung von Exportlizenzen für kritische Rohstoffe haben wird. Sollte die gegenwärtige Praxis bestehen bleiben, müssten ausländische Unternehmen weiterhin detaillierte Angaben zur eigenen Geschäftstätigkeit, zum Personal, zur Endverwendung der Materialien und zu den Produktionsabläufen offenlegen – ein Eingriff, der insbesondere für westliche Technologieunternehmen heikel ist.