Politik

Datenerpressung statt Freihandel: China nutzt seltene Erden als Waffe

China verlangt sensible Betriebsgeheimnisse, bevor es seltene Erden exportiert – ein klarer Machtzug im Handelskrieg. Der Westen liefert, Peking sammelt Daten.
13.06.2025 17:31
Lesezeit: 1 min
Datenerpressung statt Freihandel: China nutzt seltene Erden als Waffe
China fordert Daten für seltene Erden – Westen alarmiert. (Foto: dpa | Oliver Berg) Foto: Oliver Berg

Durchbruch in Washington – wachsende Skepsis bei Unternehmen

Am 11. Juni verkündete der US-Präsident mit demonstrativer Zufriedenheit einen Durchbruch im Handelsstreit mit China. Doch während in Washington gefeiert wurde, wächst bei westlichen Unternehmen die Sorge: Wie die Financial Times berichtet, verlangen chinesische Behörden im Gegenzug für den Export seltener Erden und magnetrelevanter Materialien umfangreiche, teils hochsensible Geschäftsinformationen – darunter Produktionsdetails und Kundenlisten.

Laut Angaben mehrerer Firmen sowie offizieller Handelsrichtlinien fordert das Handelsministerium in Peking vor der Genehmigung von Ausfuhren seltener Metalle detaillierte Einblicke in Herstellung, Weiterverarbeitung und Absatzstrukturen. Betroffen sind insbesondere Materialien für Hochleistungsmagnete, die in der Elektronik, der Elektromobilität, Windkraftanlagen und der Rüstung – etwa in Kampfjets – eingesetzt werden. In diesen Industriezweigen hat China durch seine marktbeherrschende Stellung erheblichen Einfluss.

Vertrauliche Unternehmensdaten als neue Handelswährung

Frank Eckard, Geschäftsführer des deutschen Magnetherstellers Magnosphere, bestätigt die zunehmende Regulierungsdichte: „Die chinesischen Behörden verlangen vertrauliche Informationen über Produkte und Geschäftsprozesse“, warnt er. „Das ist Chinas Versuch, an Informationen zu kommen – ganz offiziell, ohne sie stehlen zu müssen.“

Anfang April hatte Peking verschärfte Exportkontrollen für sieben seltene Metalle und verwandte magnetische Materialien in Kraft gesetzt – als direkte Reaktion auf den anhaltenden Handelskonflikt mit den USA. Der Schritt löste weltweit hektische Versorgungsmaßnahmen aus: Zahlreiche Industrieunternehmen versuchen seither, ihre Rohstoffketten abzusichern, um Produktionsunterbrechungen zu vermeiden.

US-Ankündigung trifft auf chinesisches Schweigen

Zwar kündigte US-Präsident Donald Trump am 11. Juni eine vorläufige Einigung mit China an, wonach Peking seine Exportrestriktionen für seltene Erden lockern werde – ein erklärtes Ziel des Weißen Hauses. Doch aus China selbst gab es bislang keine Bestätigung darüber, ob die bisherigen Kontrollmaßnahmen vollständig aufgehoben werden sollen.

Unklar bleibt auch, ob die jüngste Übereinkunft konkrete Auswirkungen auf die Verfahren zur Erteilung von Exportlizenzen für kritische Rohstoffe haben wird. Sollte die gegenwärtige Praxis bestehen bleiben, müssten ausländische Unternehmen weiterhin detaillierte Angaben zur eigenen Geschäftstätigkeit, zum Personal, zur Endverwendung der Materialien und zu den Produktionsabläufen offenlegen – ein Eingriff, der insbesondere für westliche Technologieunternehmen heikel ist.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen US-Regulierungspläne lösen Turbulenzen am Kryptomarkt aus: XRP legt kräftig zu – Investoren suchen neue Anlagestrategien

Frankfurt/London, Februar 2026 – Der Kryptomarkt befindet sich erneut in einer Phase erhöhter Schwankungen. Makroökonomische...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Dollar, Macht, Abhängigkeiten – Weltordnung vor dem Umbruch?
01.03.2026

Die bestehende Weltordnung gerät ins Wanken. Doch für viele Länder des Globalen Südens hat sie nie funktioniert. Der Ökonom Dr....

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin kaufen oder weiter abwarten? Zwischen Korrektur und Stabilisierung
01.03.2026

Der Bitcoin steht nach deutlichen Kursverlusten erneut im Fokus der Finanzmärkte, während mehrere Indikatoren gegensätzliche Signale...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Volvo ES90 im Vergleich: Wie behauptet sich die E-Limousine gegen deutsche Hersteller?
01.03.2026

Der Volvo ES90 tritt als neue Elektro-Limousine in der Oberklasse an und verbindet hohe Ladeleistung und Komfort mit konstruktiven...

DWN
Politik
Politik EU beschränkt CSRD und CSDDD: Was Unternehmen zu Nachhaltigkeitsberichten und Due Diligence wissen müssen
01.03.2026

Die Europäische Union grenzt mit der Reform von CSRD und CSDDD die Nachhaltigkeitsberichtspflichten und Sorgfaltspflichten stärker auf...

DWN
Politik
Politik Selenskyj drängt auf Sicherheitsgarantien: Stehen am Anfang vom Ende des Ukraine-Kriegs
01.03.2026

Vier Jahre nach Beginn des Ukraine-Kriegs fordert Präsident Wolodomir Selenskyj verbindliche Sicherheitsgarantien und einen klaren...

DWN
Politik
Politik Rente mit 70? Was die Regierung diskutiert und wer betroffen wäre
28.02.2026

Rente mit 70 – dieser Plan könnte schon bald Realität werden. Die Rentenkommission und verschiedene Experten legen seit einigen Tagen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Glasfaser-Internet: Telekom peilt bei Glasfaser-Ausbau 25 Millionen Haushalte an
28.02.2026

Die Bagger der Telekom kommen gut voran, doch die Resonanz der Kunden in puncto Glasfaser-Internet ist noch ausbaufähig. Der Konzern legt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Run aufs weiße Gold: Warum Deutschland zum Lithium-Produzenten werden kann
28.02.2026

Lithium ist einer der wichtigsten und wertvollsten Rohstoffe für die Zukunftstechnologie. Rohstoffknappheit und der anhaltende KI-Boom...