Wirtschaft

Deutsche Firmen vor Engpässen bei seltenen Erden aus China

China verschärft seine Exportkontrollen bei strategisch wichtigen Mineralien – mit direkten Folgen für die deutsche Industrie. Vor allem Autobauer und Zulieferer geraten unter Druck. Noch laufen die Produktionen stabil, doch Experten warnen vor einem Szenario wie bei der Chipkrise. In Brüssel wächst der politische Handlungsdruck.
04.06.2025 14:30
Lesezeit: 2 min
Deutsche Firmen vor Engpässen bei seltenen Erden aus China
Wismut-Kristalle reflektieren das Licht in bunten Farben. Seltene Erden und seltene Metalle sind notwendige Rohstoffe für essentielle Industriezweige. (Foto: dpa) Foto: Oliver Berg

Chinas strenge Vorgaben für den Export bestimmter Mineralien lassen in der deutschen Wirtschaft die Sorge vor Engpässen wachsen. "Kritisch ist die Lage vor allem bei den sogenannten schweren seltenen Erden, weil China dort rund 70 Prozent der Förderkapazitäten hat", sagte der Berater bei Alixpartners, Christian Grimmelt. Verwendet würden sie insbesondere für Permanentmagnete, die in den meisten Elektromotoren eine zentrale Rolle spielten.

Schlüsselbauteil für die Autoindustrie

Laut Grimmelt benötigen zum Beispiel die meisten Autohersteller solche Magnete, die in einem Fahrzeug zwar kaum ins Gewicht fallen, aber seiner Aussage nach für die Produktion eines Autos unerlässlich sind. "Die seltenen Erden haben das Potenzial, die nächste Chipkrise zu werden – das ist bereits in vollem Gange", sagte er. Andere Medien hatten zuvor bereits über Produktionskürzungen in Deutschland berichtet.

Peking reagiert im Handelsstreit

China hatte Anfang April im andauernden Handelskonflikt mit den USA Ausfuhrkontrollen auf sieben seltene Erden und magnetische Materialien eingeführt. Die Maßnahme gilt allgemein und betrifft damit auch deutsche Firmen. Laut der EU-Handelskammer in Peking sind Hunderte Unternehmen in Europa betroffen. Ein Problem sei, dass sich viele Exportanträge bei den chinesischen Behörden angestaut hätten, die nicht schnell genug bearbeitet würden.

Hersteller reagieren unterschiedlich

Der Autobauer Mercedes <DE0007100000> erklärte auf Anfrage, man prüfe die aktuellen Vorgaben und sei im Austausch mit Zulieferern. Eine jüngst vermehrte Erteilung entsprechender Exportlizenzen bewerte das Unternehmen als positives Signal. Generell habe sich Mercedes als Lehre aus der Corona-Zeit und zur Vorbeugung von Risiken globaler Lieferkettenstörungen im Einkauf weltweit mit "mehr Optionalität" aufgestellt.

Auswirkungen auf die Fahrzeugproduktion gebe es bislang nicht, hieß es bei Volkswagen <DE0007664039> und BMW <DE0005190003>. "Derzeit ist die Versorgung mit Bauteilen, die Seltene Erden enthalten, stabil und es gibt keine Engpässe", sagte ein VW-Sprecher auf Anfrage. "Die Produktion in unseren Werken läuft derzeit planmäßig", hieß es bei BMW. Von den neuen Exportregeln in China seien Teile des eigenen Lieferantennetzwerks betroffen. BMW stehe mit seinen Zulieferern in engem Austausch, um Versorgungsrisiken frühzeitig zu erkennen.

Probleme in der Lieferkette

Der Automobilzulieferer ZF bezieht nach eigenen Angaben die Rohstoffe nicht direkt, sondern Zulieferteile wie Elektromotoren oder deren Komponenten, bei deren Herstellung seltene Erden gebraucht werden, wie ein Sprecher sagte. "Hier sehen wir erste Auswirkungen in den Lieferketten eines Teils unserer Lieferanten." Je nach Dauer der Erteilung neuer Exportlizenzen seien auch kurzfristige Lieferunterbrechungen nicht auszuschließen.

Breitere Sorgen in der Industrie

Auch andere Branchen neben der Automobilindustrie zeigen sich besorgt. "Die Knappheiten bei seltenen Erden nehmen weiter zu und stellen die Unternehmen vor immer größere Herausforderungen", sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung beim Verband der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI), Wolfgang Weber. Die EU-Kommission müsse klarer eingreifen.

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) stehe mit betroffenen Firmen in Kontakt, sagte Oliver Richtberg, Leiter VDMA-Außenwirtschaft. Ihre Zahl sei überschaubar, die Art und Intensität der Auswirkungen sei von Einzelfall zu Einzelfall sehr unterschiedlich.

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