Finanzen

Silberpreis und Platinpreis explodieren – verdrängen diese Metalle bald das Gold als Krisenwährung?

Der Silberpreis und der Platinpreis schießen in die Höhe – und Anleger wenden sich zunehmend vom teuren Gold ab. Droht dem einstigen „sicheren Hafen“ der Absturz? Oder beginnt jetzt das Zeitalter der neuen Edelmetall-Könige?
18.06.2025 13:47
Aktualisiert: 18.06.2025 13:47
Lesezeit: 3 min
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Silberpreis und Platinpreis explodieren – verdrängen diese Metalle bald das Gold als Krisenwährung?
Sollte man lieber auf Silber und Platin statt auf Gold setzen? (Foto: dpa | Sven Hoppe) Foto: Sven Hoppe

Silberpreis & Platinpreis steigen – Gold vor dem Aus?

Angesichts der Rekordpreise für Gold wenden sich Investoren zunehmend Silber und Platin zu – deren Kurse in nur einem Monat um etwa zehn Prozent gestiegen sind. Ein Ende der Aufwärtsdynamik ist laut Analysten nicht in Sicht. Das berichtet die Wirtschaftspublikation Børsen.

Im Zuge globaler Unsicherheiten und eines instabilen US-Dollars hat sich Gold im vergangenen Jahr als sicherer Hafen für Anleger etabliert. Allein im laufenden Jahr kletterte der Goldpreis um 28 Prozent. Das lenkt die Aufmerksamkeit vieler Investoren auf Alternativen, meint Ole Sloth Hansen, Chefstratege für Rohstoffe bei der Saxo Bank. „Es ist das klassische Szenario: Wenn es dem Pfarrer regnet, tropft es auf den Küster“, sagt er – gemeint ist, dass die Preisrallye bei Gold auch auf andere Edelmetalle abstrahlt.

„Silber und Platin ziehen Investoren an, weil Gold auf Rekordniveau notiert und diese beiden Metalle noch deutlich unter ihren Höchstständen liegen – die liegen viele Jahre zurück“, erklärt Hansen.

Tatsächlich stieg der Silberpreis im letzten Monat um rund zehn Prozent. Seit 2019 hat sich der Wert sogar mehr als verdoppelt – um 107 Prozent. Derzeit liegt der Preis so hoch wie seit 13 Jahren nicht mehr, berichtet die Financial Times. Auch der Platinpreis legte seit Jahresbeginn um 40 Prozent zu und liegt nun bei rund 36 Dollar pro Feinunze (31,1 Gramm). Das ist jedoch nach wie vor weit entfernt vom Allzeithoch von 2.056 Dollar im Jahr 2008.

Laut Ole Sloth Hansen war die im Mai abgehaltene Branchenkonferenz „London Platinum Week“ ein Wendepunkt. Seitdem sei das Interesse an Platin-Investments spürbar gewachsen. „Die Prognosen zeigten, dass die Platinproduktion auch in diesem Jahr hinter der Nachfrage zurückbleibt. Das hat die Investitionsbereitschaft gesteigert – vor allem in China“, sagt Hansen. Zur Veranschaulichung zieht er einen Vergleich heran: „Wenn man alles Platin, das jemals gefördert wurde, in ein olympisches Schwimmbecken kippt, erreicht es gerade einmal eine Höhe von 20 Zentimetern“, erklärt er. Das zeige, wie sensibel der Preis seltener Metalle auf Nachfrageschübe reagiere.

Grüne Transformation und geopolitische Unsicherheiten

Laut Hansen ist die grüne Transformation ein weiterer Preistreiber für Silber und Platin. Silber wird industriell u. a. in Solarpanels verbaut, während Platin als Katalysator in Fahrzeugen zur Reduktion von Abgasen dient. Steigende Nachfrage nach diesen Komponenten hat die Preise zusätzlich befeuert, so der Rohstoffexperte. Zudem gelten Silber und Platin zunehmend als attraktive Investmentoptionen in einer Welt wachsender Sorge über globale Schuldenstände. „Gerade in den USA zweifelt man an Staatsanleihen als sichere Anlageform. Stattdessen will man greifbare Werte – und das spricht für Investitionen in Edelmetalle“, sagt Hansen.

Gold, Silber oder Platin – was bringt mehr Rendite?

Die zentrale Frage für Anleger: Wird sich die Preisrallye fortsetzen? Und bieten Silberpreis und Platinpreis bessere Renditechancen als Gold? „Silber und Platin wurden lange übersehen. Dabei erzielten sie zuletzt sogar höhere Renditen als Gold“, sagt Hansen. Gold behält jedoch seine Rolle als krisensicheres Asset. Laut einer aktuellen Analyse des World Gold Council planen Zentralbanken weltweit, ihre Goldreserven weiter aufzustocken.

„Letzten Freitag – als Israel den Iran angriff – gab es für Investoren nur eine Option: Gold. Währenddessen gaben Silber und Platin leicht nach. Das zeigt, wie unterschiedlich die drei Metalle auf geopolitische Schocks reagieren“, erklärt Hansen.

Wie sieht er die Preisentwicklung in den kommenden Monaten? „Ich denke, dass Gold sein Niveau hält und wahrscheinlich noch zulegt. In diesem Fall könnten Silber und Platin prozentual sogar stärker steigen – spätestens im Herbst“, meint er. „Ich würde mich nicht wundern, wenn Silber in den nächsten sechs bis zwölf Monaten bei 40 Dollar pro Feinunze notiert. Auch Platin hat in diesem Zeitraum Luft nach oben – je nach Entwicklung des Goldpreises.“

Hansen prognostiziert, dass Gold im Herbst 3.500 Dollar erreichen könnte – mit einem weiteren Anstieg auf 4.000 Dollar im Jahr 2026. Sollte man also auf Silber und Platin statt auf Gold setzen? „Vielleicht nicht auf Platin – dafür ist der Markt zu klein. Aber beide Metalle dürften langfristig Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Allerdings ist der Markt volatiler als bei Gold“, sagt er und fügt hinzu: „Wer große Kursschwankungen gewohnt ist – wie etwa bei Novo Nordisk – den dürften weder Silber noch Platin abschrecken.“

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