Technologie

Neue Technologien am Körper: Gehirnimplantate, künstliche Intelligenz, elektronische Tattoos

Hightech greift immer direkter in den menschlichen Körper ein. Ob Gehirnimplantate, elektronische Tattoos oder künstliche Intelligenz (KI) – die Entwicklungen sind rasant, die Folgen gewaltig.
28.06.2025 15:57
Lesezeit: 2 min
Neue Technologien am Körper: Gehirnimplantate, künstliche Intelligenz, elektronische Tattoos
Die Forschung an Gehirnimplantaten und elektronischen Hautsensoren schreitet rasant voran – doch sie wirft auch neue ethische Fragen auf. (Foto:dpa) Foto: Rolf Vennenbernd

Die unsichtbare Kontrolle: Elektronische Tattoos lesen das Gehirn

Körper und Geist rücken in den Fokus der Hightech-Konzerne. Von Gedankensteuerung bis Gesundheitsüberwachung – drei aktuelle Entwicklungen zeigen, wie weit die Technik bereits vorgedrungen ist.

Ein elektronisches Tattoo, entwickelt von Forschern der University of Texas um Nanshu Lu, könnte die Überwachung menschlicher Gehirnströme alltagstauglich machen. Der ultradünne Sensor wird direkt auf die Haut geklebt und misst in Echtzeit Hirnsignale sowie Augenbewegungen. Einsatzmöglichkeiten reichen von der Stressüberwachung bei Piloten und medizinischem Personal bis zur Diagnose neurologischer Krankheiten oder der Steuerung von Prothesen.

Zukunftsvisionen sehen vor, dass selbst Gebärdensprache durch solche Tattoos in Text übersetzt wird. Gleichzeitig warnen Experten vor einem Überwachungsstaat im Arbeitsumfeld. Die Frage nach Eigentum an den eigenen Gehirndaten bleibt brisant – insbesondere, wenn Sensoren am Arbeitsplatz zur Normalität werden.

USA schaffen Tierversuche in der Medikamentenentwicklung ab

Die US-Arzneimittelbehörde FDA kündigte einen radikalen Kurswechsel an: Tierversuche sollen künftig durch moderne Methoden ersetzt werden. Dazu gehören KI-gestützte Simulationen, Organ-on-a-Chip-Technologien sowie künstlich gezüchtete Mini-Organe, sogenannte Organoide.

Betroffen sind insbesondere innovative Arzneimittel wie monoklonale Antikörper und Eiweißstoffe gegen Krebs oder Autoimmunerkrankungen. Unternehmen können bereits jetzt Humanstudien beantragen, ohne vorher Tierversuche vorweisen zu müssen – ein entscheidender Schritt, um neue Therapien schneller und kosteneffizienter zu entwickeln. FDA-Kommissar Martin Makary spricht von einem „Paradigmenwechsel“, der nicht nur die Entwicklung beschleunigt, sondern auch das Leiden unzähliger Versuchstiere reduziert.

Gehirn-Computer-Schnittstellen: Die Gedanken werden zur Schnittstelle

Das US-Unternehmen Paradromics hat in dieser Woche den ersten Test seines Gehirnimplantats „Connexus“ am Menschen durchgeführt. Im Rahmen eines medizinischen Eingriffs an der University of Michigan wurden 420 Elektroden für zehn Minuten implantiert, um neuronale Signale aus dem Temporallappen in Sprache oder Text umzuwandeln. Ziel sind dauerhafte Implantate für Patienten mit Lähmungen oder neurologischen Erkrankungen. Die ersten klinischen Studien sollen noch dieses Jahr starten.

Auch Elon Musks Unternehmen Neuralink treibt die Entwicklung voran: Nach einer Finanzierungsrunde über 650 Millionen US-Dollar laufen inzwischen klinische Studien in den USA, Kanada und Großbritannien. Neuralink erhielt kürzlich von der FDA den „Breakthrough Device“-Status für Implantate, die Sprache und Sehvermögen wiederherstellen sollen.

Deutschland droht Anschluss zu verlieren

Während US-Konzerne mit Milliarden-Investitionen Gehirn-Interfaces entwickeln und Tierversuche durch KI-Methoden ersetzen, hinkt Europa hinterher. Weder bei Brain-Computer-Interfaces noch bei Bio-Sensoren wie elektronischen Tattoos ist die EU technologisch führend. Deutsche Unternehmen spielen bisher nur eine Nebenrolle, vor allem in der KI-basierten Medikamentenentwicklung.

Ein Rückstand, der gefährlich ist: Denn die Kombination aus KI, Medizintechnik und Neurotechnologie entscheidet zunehmend über wirtschaftliche Macht, Sicherheit und ethische Standards. Ohne eigene Initiativen droht Europa, zum bloßen Zulieferer für US-amerikanische Gesundheitskonzerne zu werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Forschungsstandort Europa 2026: Zwischen Exzellenz und Sparzwang
25.05.2026

Europa forscht stark, doch Kürzungen bei Horizon Europe bedrohen den Anschluss an USA und China. Was das für Talente, Patente und...

DWN
Politik
Politik Weltbekannter Professor sieht gefährliche Veränderung bei Trump
25.05.2026

Francis Fukuyama sieht Trump politisch geschwächt, aber gerade deshalb gefährlich. Für Dänemark und Grönland könnte die nächste...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KI-Arbeitsmarkt: Wer durch KI ersetzt wird, zahlt jahrelang
25.05.2026

KI soll Unternehmen schneller, schlanker und profitabler machen. Doch für Beschäftigte, die durch neue Technologien ihren Job verlieren,...

DWN
Finanzen
Finanzen Aktienempfehlungen: Günstige Aktien trotz KI-Hype, Zinsrisiko und Rüstungsboom
25.05.2026

Viele Anleger jagen weiter den teuersten KI-Gewinnern hinterher, doch Morningstar sieht die spannendere Chance woanders. Zehn globale...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Hyundai Kona im Test: Futuristisch, mutig und anders
25.05.2026

Der Hyundai Kona sieht aus, als wolle er nicht jedem gefallen. Genau das macht ihn spannend, denn hinter der mutigen Form steckt ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Klimarisiken in Europa: Warum der Mittelstand besser vorsorgen muss
25.05.2026

Klimarisiken und Nachhaltigkeit werden für Europas Mittelstand zu entscheidenden Faktoren für Finanzierung, Wettbewerbsfähigkeit und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Veggie-Burger-Boom verliert an Tempo: Fleischersatz in Deutschland erstmals rückläufig
25.05.2026

Pflanzliche Fleischalternativen haben den Lebensmittelmarkt in Deutschland stark verändert. Doch nach Jahren kräftigen Wachstums sinkt...

DWN
Technologie
Technologie Meta: WhatsApp-Inkognito-Modus kommt für KI-Unterhaltungen
25.05.2026

Meta erweitert WhatsApp um neue KI-Funktionen und verspricht dabei mehr Datenschutz. Nutzer sollen künftig inkognito mit der Meta AI...