Politik

Waffenruhe zwischen Iran und Israel brüchig – neue Angriffe trotz Abkommen

Trotz einer offiziell vereinbarten Waffenruhe haben sich Israel und der Iran gegenseitig militärischer Angriffe beschuldigt. Bereits kurz nach Inkrafttreten des Abkommens kam es zu neuen Angriffen mit zahlreichen Toten und Verletzten. Beobachter sprechen von einer brüchigen Vereinbarung – mit hohem Eskalationspotenzial.
24.06.2025 15:12
Lesezeit: 2 min

„Ich glaube, beide haben sie verletzt“ , sagte der Präsident Trump zunächst vor Journalisten in Washington. Er sei sich aber nicht sicher, ob das absichtlich geschehen sei.

Nur kurze Zeit später erklärte er dann: Israel habe eingelenkt und versichert, es werde den Iran nicht mehr angreifen. „Alle Flugzeuge werden umkehren“ , schrieb er auf Truth Social.

Nach zwölf Tagen Krieg hatte Trump erst wenige Stunden zuvor die Waffenruhe verkündet nachdem er selbst einen amerikanischen Angriff auf den Iran angeordnet hatte. “Bitte verstoßen Sie nicht dagegen!“ , schrieb er auf Truth Social. Beide Kriegsparteien bestätigten die Waffenruhe.

„Don't know what the fuck they're doing“

Im Gespräch mit Journalisten vor seinem Abflug zum Nato-Gipfel in Den Haag zeigte Trump sich dann frustriert über die Situation im Nahen Osten. „Diese Typen müssen sich beruhigen“ , sagte er und schob später hinterher: „Wir haben zwei Länder, die so lange und so hart gekämpft haben, dass sie nicht wissen, was zum Teufel sie da tun.“ Im Englischen benutzte Trump ein Schimpfwort, er sagte wörtlich: „They don't know what the fuck they're doing.“

Trump machte aber vor allem Israel Vorwürfe. „Sobald wir das Abkommen geschlossen hatten, kam Israel heraus und warf eine Ladung Bomben ab“ , sagte er. „Ich bin nicht zufrieden mit Israel.“ Er sei auch nicht zufrieden mit dem Iran. Aber über die Handlungen Israels sei er „wirklich unzufrieden“.

Israel und Iran mit gegenseitigen Vorwürfen

Kurz nach Inkrafttreten verletzte ein iranischer Raketenangriff nach Angaben Israels die Waffenruhe. Israels Verteidigungsminister Israel Katz drohte Teheran daraufhin mit einer harten Reaktion. Er habe die israelische Armee angewiesen, „mit heftigen Angriffen auf Ziele des Regimes im Herzen Teherans“ auf die Verletzung der Waffenruhe zu reagieren.

Jedoch hielt auch der Iran dem Erzfeind Verstöße gegen die Einigung vor. Israel „habe drei Mal die Waffenruhe gebrochen und unterschiedliche Orte im Land angegriffen, zitierte die Nachrichtenagentur Fars die iranischen Streitkräfte.

Tote und Verletzte auf beiden Seiten

Kurz vor der Waffenruhe hatten die Revolutionsgarden einen Angriff begonnen, bei dem sie über zwei Stunden Raketensalven auf Israel abfeuerten. Dabei kamen nach offiziellen israelischen Angaben in Beerscheva mindestens vier Menschen ums Leben, 20 weitere wurden verletzt. Ein Rettungsdienst schrieb sogar von fünf Toten. Es war die längste iranische Raketenangriffswelle seit Beginn des Krieges. Inzwischen könne die Bevölkerung die Schutzräume verlassen, teilte die Armee mit.

Bei israelischen Angriffen vor Beginn der Waffenruhe wurden laut iranischen Quellen mindestens neun Menschen in der nordiranischen Stadt Rascht getötet. 33 Menschen seien bei dem Angriff auf ein Wohnviertel verletzt worden, schrieb die Nachrichtenagentur Tasnim. Staatsmedien berichteten zudem, dass ein ranghoher iranischer Atomwissenschaftler am Morgen bei israelischen Angriffen getötet worden sei.

Zwölf Stunden

Trump hatte noch in der Nacht angekündigt, dass der Iran zunächst für zwölf Stunden die Waffen schweigen lassen werde, dann Israel für zwölf Stunden. Danach gelte der Krieg als beendet. Das wäre demnach Mittwochmorgen (MESZ). In einer Mitteilung des iranischen Sicherheitsrates hieß es allerdings, man werde jeden Angriff beantworten und halte „den Finger am Abzug“ .

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Verbessern Sie die Lieferketten-Transparenz

Identifizieren, scannen und übermitteln von eindeutigen Komponentendaten

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Panorama
Panorama Mutmaßlicher Drohnenangriff auf Militärstützpunkt im EU-Staat Zypern
02.03.2026

Eine Drohne soll den britischen Luftwaffenstützpunkt Akrotiri auf Zypern getroffen haben. Sirenen heulen, Verletzte gibt es laut ersten...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: Iran-Krieg treibt Goldpreis in Richtung Rekordhoch – wie weit trägt die Rally?
02.03.2026

Der Goldpreis springt auf über 5.390 Dollar und nähert sich erneut seinem Rekordhoch. Der Iran-Krieg und die Eskalation im Nahen Osten...

DWN
Panorama
Panorama Iran-Konflikt weitet sich aus - Hisbollah greift Israel an
02.03.2026

Nach der Tötung von Irans oberstem Führer Chamenei setzen die USA und Israel ihre Angriffe fort. Der Iran reagiert mit Gegenangriffen -...

DWN
Finanzen
Finanzen Ölpreis aktuell: Dramatischer Ölpreisanstieg wegen des Iran-Kriegs – drohen 100 Dollar je Barrel?
02.03.2026

Der Ölpreis aktuell explodiert nach der Eskalation im Nahen Osten förmlich. Tanker stehen still, Öl-Aktien ziehen an und Autofahrer...

DWN
Politik
Politik Emissionshandel belastet Europa: Gefährdet das System Wettbewerb und Standort?
02.03.2026

Steigende CO2-Kosten und hohe Energiepreise setzen Europas Industrie im Zuge der Reform des Emissionshandels unter Druck. Wird das System...

DWN
Politik
Politik Geburtenrate im Sinkflug: Deutsche bekommen weniger Kinder
02.03.2026

Nicht nur der Mittelstand bricht weg, auch die Geburtenrate: Immer wenige Deutsche bekommen Kinder. Viele können sich eigene Kinder nicht...

DWN
Immobilien
Immobilien Trendwende im Bausektor: Die europäische Branche nimmt Fahrt auf
02.03.2026

Der europäische Bau befindet sich laut einer Analyse einer Forschergruppe um das Ifo-Institut im Aufschwung. Für das Jahr 2026 wird ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Finanzsektor im Umbau: Stellenabbau treibt Fachkräfte in neue Branchen
01.03.2026

Im Finanzsektor verdichten sich die Umbrüche durch Stellenabbau und strategische Neuausrichtungen vieler Institute. Welche Branchen...