Politik

Bundestag stellt Weichen neu: Familiennachzug vorerst gestoppt

Der Bundestag hat den Familiennachzug für subsidiär Schutzberechtigte gestoppt – ein umstrittener Schritt in der deutschen Migrationspolitik. Die Maßnahme sorgt für politische Spannungen. Doch was steckt hinter der Entscheidung, und welche Folgen drohen für Betroffene und die Gesellschaft insgesamt?
27.06.2025 13:52
Lesezeit: 2 min
Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..
Bundestag stellt Weichen neu: Familiennachzug vorerst gestoppt
Alexander Dobrindt (CSU, rechts), Bundesinnenminister, und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), nehmen an der Sitzung des Bundestag teil (Foto: dpa). Foto: Fabian Sommer

Familiennachzug: Bundestag ergreift Maßnahmen

Der Familiennachzug für subsidiär Geschützte wird vorläufig ausgesetzt. Dies ist eine von mehreren Maßnahmen, mit denen die Bundesregierung die Zuwanderung begrenzen will, erklärte der Bundesinnenminister.

Im Bundestag wurde beschlossen, den Familiennachzug zu Personen mit eingeschränktem Schutzstatus für zwei Jahre auszusetzen. Dieses Vorhaben ist Teil der neuen Strategie zur Reform der Migrationspolitik der Bundesregierung. Bei der ersten Lesung zur geplanten zweiten Reform – dem Ende der sogenannten Turbo-Einbürgerung – warfen Linke und Grüne der schwarz-roten Koalition vor, dadurch gut integrierte Migranten zu verprellen. Die Koalition will die vor einem Jahr eingeführte Option auf Einbürgerung nach drei Jahren bei besonderen Integrationsleistungen wieder streichen.

Andere Aspekte der geplanten Staatsangehörigkeitsrechtsreform der Ampel-Koalition bleiben jedoch erhalten. Dazu zählen die generelle Zulassung der doppelten Staatsbürgerschaft sowie die Verkürzung der regulären Einbürgerungsfrist von acht auf fünf Jahre. Laut Alexander Dobrindt (CSU), dem Bundesinnenminister, sei eine Einzelmaßnahme nicht ausreichend. Vielmehr brauche es eine „Vielzahl von Maßnahmen, die ergriffen werden müssen, damit wir die Migrationswende auch umsetzen können“. Ferat Kocak (Linke) erklärte: „Das sei kein Kurswechsel, es ist ein Frontalangriff auf unsere Leute.“

Der Familiennachzug wird vor allem für syrische Familienangehörige erschwert. Laut Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow votierten 444 Abgeordnete mit Ja, 135 lehnten ab. Dobrindt erklärte weiter, Ziel sei es, den Zuzug nach Deutschland sowohl zu steuern als auch die Zuwanderung zu begrenzen. „Das ist der Auftrag für diese Legislaturperiode“, sagte er. Zahlreiche Zwischenrufe aus der Opposition begleiteten seine Rede. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner erteilte Luigi Pantisano (Linke) einen Ordnungsruf wegen des Zwischenrufs „Lüge“.

Bislang war der Familiennachzug für subsidiär Geschützte bereits auf monatlich 1.000 Personen beschränkt. Zukünftig soll dieser nur in Härtefällen möglich sein, etwa für Ehepartner, minderjährige Kinder oder Eltern unbegleiteter Minderjähriger.

Familiennachzug: AfD befürwortet die Maßnahme, SPD ringt mit der Entscheidung

Die AfD begrüßte den Stopp des Familiennachzugs als „klitzekleinen Schritt in die richtige Richtung“. Ihr Parlamentarischer Geschäftsführer Bernd Baumann sagte, Dobrindt habe Vorschläge der AfD übernommen. Marcel Emmerich (Grüne) kritisierte: Der Familiennachzug sei „unbarmherzig“, vielen Geflüchteten fehle ohne Familie die emotionale Stütze für Integration.

Alexander Throm (CDU) entgegnete, es gehe um Menschen, „die ursprünglich illegal nach Deutschland gekommen sind“. SPD-Integrationsbeauftragte Natalie Pawlik mahnte, man solle von der „Negativdebatte“ über Migration abrücken. Sebastian Fiedler (SPD) räumte ein, das Thema Familiennachzug sei „kein SPD-Projekt“.

Pro Asyl prüft rechtliche Schritte

Pro Asyl erklärte, viele Betroffene warteten seit Jahren auf den Familiennachzug. Die Organisation kündigte an, rechtliche Schritte zu prüfen. Am 7. Mai hatte Dobrindt bereits angewiesen, Asylsuchende an Grenzen zurückzuweisen – mit Ausnahmen. Diese Praxis bleibt trotz eines Berliner Gerichtsurteils bestehen.

Irene Mihalic (Grüne) kritisierte, Dobrindt habe nach dem Urteil keine neue Rechtsgrundlage benannt. Dies zeuge „weder von Verantwortungsbereitschaft noch von juristischen Grundkenntnissen“. Rückweisungen an Grenzübergängen erfolgen bei Kontrollen seit 2015. Seit dem 7. Mai wurden laut Dobrindt rund 5.000 Personen abgewiesen, darunter 264 Asylsuchende. Grund sei womöglich die Erkenntnis, dass ein Asylgesuch nicht mehr automatisch Einlass gewährt.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
DWN
Panorama
Panorama Wachstum von mehr als 600 Prozent: Senioren setzen verstärkt auf Cannabis als Medizin
28.08.2025

Immer mehr ältere Menschen entdecken Cannabis als Medizin – mit erstaunlichen Wachstumszahlen. Doch die Entwicklung wirft Fragen auf:...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Russlands Wirtschaft taumelt: Drei Faktoren könnten den Zusammenbruch auslösen
28.08.2025

Russlands Wirtschaft gerät unter dreifachen Druck: Die Zentralbank warnt, der Staatsfonds schmilzt, und die Energieeinnahmen brechen weg....

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie im Aufwind: Europas größte Munitionsfabrik nimmt Betrieb auf
28.08.2025

Die Rheinmetall-Aktie rückt in den Fokus der Anleger: Mit der Eröffnung von Europas größter Munitionsfabrik in Deutschland setzt der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bitkom-Umfrage: Warum das Fax-Gerät im Handwerk noch nicht verschwindet
28.08.2025

Die Digitalisierung verändert viele Branchen, doch im Handwerk bleibt das Fax-Gerät erstaunlich präsent. Trotz Chancen und Potenzial...

DWN
Politik
Politik Rentensystem in Deutschland: Mehr Senioren kosten mehr Geld – welche Lösungen sind realistisch?
28.08.2025

Immer mehr Menschen gehen in Deutschland in den Ruhestand – doch die Ausgaben steigen drastisch. Neue Zahlen der Deutschen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Schrumpfende Position: Deutschlands Weltmarktanteile gehen zurück
28.08.2025

Deutschlands Weltmarktanteile geraten seit Jahren unter Druck. Trotz starker Exportindustrie verliert die Bundesrepublik kontinuierlich an...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Strategien für mehr Energieautarkie: Wie sich der Mittelstand unabhängig macht
28.08.2025

Strom vom Firmendach, Verträge mit Erzeugern und digitale Kontrolle über den Verbrauch: Für viele Mittelständler wird Energieautarkie...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Eurozone-Wirtschaftsstimmung: Unerwartete Eintrübung im August
28.08.2025

Die Eurozone-Wirtschaftsstimmung hat sich im August stärker eingetrübt als erwartet. Neue Daten zeigen, dass das Vertrauen in mehrere...