Unternehmen

Flix bestellt 65 neue Fernzüge: Ausbau ab 2028 geplant

Flix will das Fernverkehrsangebot deutlich ausbauen: Das Unternehmen hat beim spanischen Hersteller Talgo bis zu 65 neue Züge geordert. Flix-Chef André Schwämmlein kündigt an, dass Fahrgäste ab 2028 erstmals in den neuen Fernzügen unterwegs sein können.
12.12.2025 14:06
Lesezeit: 2 min
Flix bestellt 65 neue Fernzüge: Ausbau ab 2028 geplant
Ein Flixtrain hält auf der Verbindung Berlin - Köln im Hauptbahnhof Hannover. Voraussichtlich bis Ende April fahren wegen der Coronakrise keine Züge des Anbieters Flixtrain mehr (Foto: dpa). Foto: Julian Stratenschulte

65 neue Fernzüge für den Bahn-Wettbewerber Flixtrain sollen ab 2028 nach und nach in Betrieb gehen. „Die ersten Züge sind bereits in der Produktion. Da sind wir genau im Zeitplan“, teilte Flixtrain-Chef André Schwämmlein mit. Produziert werden die Fahrzeuge vom spanischen Hersteller Talgo. Es ist das erste Mal, dass das Unternehmen neue Fahrzeuge bestellt hat. Flixtrain setzte bisher ausschließlich auf ältere, gebrauchte Züge.

Die Talgo-Fahrzeuge sollen künftig das Rückgrat der Flix-Fernzugflotte bilden. „Der Hochlauf wird natürlich etwas dauern“, betonte Schwämmlein. „Man bringt nicht von heute auf morgen 65 neue Züge ins Netz.“ Wann das letzte Fahrzeug ausgeliefert werden soll, ließ er offen. Bei den Zügen handelt es sich um die gleiche Bauart wie beim neuen ICE L der Deutschen Bahn, der ebenfalls von Talgo hergestellt wird. Daher gehe es mit der Zulassung deutlich schneller, sagte Schwämmlein.

Neue Züge für 2,4 Milliarden Euro

Das Unternehmen hatte die 2,4 Milliarden Euro teure Bestellung der neuen Züge inklusive Wartung im Mai bekanntgegeben. Sie umfasst zunächst 30 neue Schnellzüge mit der Option auf 35 weitere. Diese Option wolle Flixtrain auf jeden Fall ziehen. Die derzeitige Flotte umfasst Konzernangaben zufolge 15 Züge.

Bis die ersten neuen Einheiten kommen, will das Unternehmen weiterhin auf modernisierte Gebrauchtfahrzeuge setzen. Innerhalb der kommenden zwei Jahre sollen die bisherigen Sitzplatzkapazitäten auf diese Weise in etwa verdoppelt werden, hieß es. Für Fahrgäste bedeutet das eine deutliche Ausweitung des bisherigen Fernverkehrs-Angebots. „Wir werden auf den großen Verbindungen einen Zwei-Stunden-Takt anbieten können“, sagte der Manager.

Verbindung München-Berlin soll kommen

Ziel sei es, mittelfristig auch die wichtige Strecke Berlin-München ins Angebot zu nehmen, die bisher nicht von Flixtrain bedient wird, sagte Schwämmlein. „Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass wir alle wichtigen Verbindungen in Deutschland anbieten werden.“ Den Zeitplan dafür ließ Schwämmlein ebenfalls offen.

Flixtrain gehört als Marke zur Münchner Reiseplattform Flix, die vor allem für ihre grünen Fernbusse auf der Straße bekannt ist. Es ist einer der wenigen Wettbewerber der Deutschen Bahn im Fernverkehr, die bisher in diesem Segment einen Marktanteil von rund 95 Prozent hält.

Flixtrain konzentriert sich im Fernverkehr auf der Schiene vor allem auf die wirtschaftlich starken Verbindungen zwischen den wichtigen deutschen Metropolregionen. Züge fahren etwa von Berlin nach Nordrhein-Westfalen oder in den Südwesten sowie zwischen Hamburg und der Hauptstadt. Wer früh bucht, zahlt oft deutlich weniger als bei der Deutschen Bahn. Doch könnten auch bei Flixtrain in absehbarer Zeit Preiserhöhungen erfolgen.

Preissteigerungen wahrscheinlich

Der Chef verwies vor allem auf die gestiegenen Trassenpreise, also die Nutzungsgebühren, die Bahnunternehmen für die Schiene zahlen müssen. „Wir orientieren uns am Ende am Markt. Wenn der sich nach oben bewegen muss, dann werden auch bei uns nach und nach die Preise steigen.“ Zugleich stellte Schwämmlein klar: „Wir werden immer günstiger sein als die Staatsbahn.“

Dafür könnte auch steigender Wettbewerb im Fernverkehr sorgen. Kürzlich war bekanntgeworden, dass auch die italienischen Bahnunternehmen Trenitalia sowie Italo im deutschen Fernverkehr mitmischen wollen. Schwämmlein sieht sein Unternehmen angesichts der potenziellen neuen Konkurrenten in einer guten Position. „Wir sind bisher die Einzigen, die neues Fahrzeugmaterial bestellt haben. Wir haben die Trassen und sind mit unserem Netz bereits etabliert. Wir sind in einer superstarken Position.“

Der Staat investiert inzwischen in die Qualität des Netzes

Andere europäische Beispiele zeigten, dass zwei Netzanbieter im Fernverkehr eine gute Balance fänden. Mehr Anbieter könnten hingegen zu Konflikten führen. Schwämmlein erinnerte an das in weiten Teilen veraltete deutsche Schienennetz.

Doch der Unternehmer ist zuversichtlich, dass dort trotz aller Probleme deutlich mehr Fahrgäste Platz finden werden. „Der Ausbau des Angebots auf der Schiene wird durch die Netzqualität langfristig nicht eingeschränkt werden“, sagte er. Inzwischen investiere der Bund das notwendige Geld in die Sanierung des Schienennetzes. „Ich bin trotz der aktuell kritischen Lage im Netz optimistisch, dass wir in fünf Jahren eine positive Entwicklung sehen werden.“ Angesichts der zahlreichen Zugausfälle und Verspätungen nicht nur bei der Deutschen Bahn dürften Fahrgäste darauf hoffen, dass er damit recht behält.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Lageroptimierung als Wettbewerbsfaktor im Mittelstand

In Zeiten steigenden Wettbewerbsdrucks, globaler Lieferketten und wachsender Kundenerwartungen wird die Effizienz interner Prozesse zu...

 

DWN
Finanzen
Finanzen Finanznöte in der Pflege: Pflege-Ausgaben steigen weiter - Defizite werden größer
04.03.2026

Die Pflegeversicherung ist im vergangenen Jahr nur knapp an einem Defizit vorbeigeschrammt. Und die Ausgaben steigen weiter: "Bei der...

DWN
Finanzen
Finanzen Dieselpreis springt am Morgen über die 2-Euro-Marke
04.03.2026

Der Iran-Krieg treibt die Spritpreise nach oben. In der typischen Preisspitze am Morgen ging es nun im bundesweiten Durchschnittspreis...

DWN
Finanzen
Finanzen Continental-Aktie: Aktie fällt weiter trotz mehr Dividende
04.03.2026

Die in den vergangenen Monaten gut gelaufenen Aktien von Continental dürften den jüngsten Rücksetzer am Mittwoch noch ausweiten.

DWN
Finanzen
Finanzen Adidas-Aktie: Prognosen von Adidas kommen nicht gut an - Dreijahrestief droht
04.03.2026

Die Prognosen von Adidas für das laufende Jahr sind am Mittwoch im vorbörslichen Handel nicht gut angekommen. Dennoch sieht sich der...

DWN
Technologie
Technologie Insta und Co.: Ältere holen bei Nutzung sozialer Medien auf
04.03.2026

Gerade bei Älteren steigen laut dem Statistischen Bundesamt in Deutschland die Nutzerzahlen. Kinder und Jugendliche wurden nicht befragt....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Teilzeitbeschäftigung in Deutschland: Höchststand erreicht
04.03.2026

So viele Beschäftigte wie noch nie arbeiten in Teilzeit. Was steckt dahinter?

DWN
Politik
Politik Iran nach US-Angriffen: Verliert Russland strategischen Einfluss?
04.03.2026

Die Angriffe auf Iran erschüttern das Machtgefüge der autoritären Allianz aus Russland, China und Nordkorea und verschieben zugleich die...

DWN
Politik
Politik Flugzeugträger Charles de Gaulle vor Malmö: Frankreich stärkt Nato-Präsenz im Ostseeraum
03.03.2026

Frankreich entsendet den Flugzeugträger Charles de Gaulle nach Malmö und demonstriert militärische Präsenz im Ostseeraum. Wie...