Politik

Masken-Skandal: Spahn wehrt sich gegen neue Anschuldigungen

Ein neuer Bericht entfacht die Debatte um die Masken-Beschaffung während der Pandemie erneut. Ex-Minister Jens Spahn gerät in Bedrängnis. Die Opposition fordert Aufklärung, die Union bremst. Doch wer trägt die Verantwortung im Masken-Skandal – und wie transparent war das Vorgehen wirklich?
07.07.2025 12:21
Lesezeit: 1 min

Masken-Skandal: Opposition drängt auf Aufklärung

Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) zeigt sich angesichts eines möglichen Untersuchungsausschusses zur Masken-Beschaffung in der Corona-Zeit unbeeindruckt. Auf die Frage, ob er Bedenken wegen eines solchen Gremiums habe, sagte Spahn dem "Stern": "Nein". Eine Enquete-Kommission sei allerdings seiner Meinung nach besser zur Aufarbeitung geeignet. "Wir haben Deutschland gemeinsam durch eine extreme Phase geführt. Dafür müssen wir uns nicht entschuldigen."

Seit der Veröffentlichung des ungeschwärzten Reports der Sonderermittlerin Margaretha Sudhof wird der Druck auf Spahn durch die Opposition im Bundestag intensiver. Laut Grünen und Linken belegt der Bericht, dass Spahn persönlich eng in den Masken-Skandal und die damaligen Deals eingebunden war. Sie fordern nun entschlossen einen Untersuchungsausschuss. Sudhof wird am Dienstag im Haushaltsausschuss zu einem Fachgespräch erwartet. Spahn selbst sieht in der Debatte über seine Rolle gezielte, bösartige Vorwürfe. "Ich wünsche mir, dass mein Handeln unter den Bedingungen der damaligen Notlage betrachtet wird. Wir waren völlig unvorbereitet", erklärte der Ex-Gesundheitsminister. "Stattdessen legt man heute, fünf Jahre später, Maßstäbe an, als hätte es keine Jahrhundertkrise gegeben – und konstruiert bösartig Anschuldigungen."

SPD als Schlüsselakteur für Untersuchungsausschuss

Grüne und Linke fordern die SPD auf, gemeinsam den Masken-Skandal parlamentarisch aufzuarbeiten. Laut Grünen-Fraktionsgeschäftsführerin Irene Mihalic sei nur noch das Ja der SPD nötig, um den Untersuchungsausschuss einzusetzen. "Verweigert die SPD ihre Unterstützung, schützt sie Jens Spahn und schwächt das parlamentarische Minderheitenrecht", so Mihalic im "Stern". Sie kritisierte weiter, der Bericht zeige ein System aus Lobbyismus und ministeriellen Fehlentscheidungen. Der Eindruck sei, dass Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) bewusst Passagen schwärzte, um Spahns Rolle im Masken-Skandal zu verschleiern. Ein Untersuchungsausschuss sei daher unumgänglich.

Linksfraktionschefin Heidi Reichinnek sagte dem Magazin, der Umgang der Union mit dem Skandal schade ihrer Glaubwürdigkeit. "Wenn mutmaßlich Milliardenschäden entstanden sind, muss Verantwortung übernommen werden." Mihalic hatte bereits vergangene Woche schriftlich an Union und SPD appelliert, gemeinsam den Masken-Skandal durch einen Untersuchungsausschuss zu beleuchten. Grüne und Linke allein kommen nicht auf die nötigen 25 Prozent der Stimmen und wollen keine Unterstützung der AfD.

Union setzt auf Enquete-Kommission statt Untersuchung

Die Union spricht sich gegen einen Untersuchungsausschuss im Masken-Skandal aus. CDU-Fraktionsgeschäftsführer Steffen Bilger verwies auf Pläne für eine Enquete-Kommission zur Pandemie-Aufarbeitung. "Ein Untersuchungsausschuss ist ein klassisches Oppositionsmittel", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Eine Enquete könne überparteilich, faktenbasiert und mit Experten den Masken-Skandal sowie die Masken-Beschaffung analysieren. Ziel sei es, Verantwortung zu übernehmen und künftige Krisen besser zu bewältigen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Misstrauensvotum in Rumänien: Prowestliche Regierung stürzt
05.05.2026

Rumäniens Regierung ist nach einem überraschenden Bündnis aus Rechtsextremen und Sozialdemokraten gestürzt. Hinter dem Misstrauensvotum...

DWN
Politik
Politik Trump erhöht Druck auf Grönland: US-Experte warnt vor Folgen für Europa
05.05.2026

Trump verschiebt die geopolitischen Machtlinien der USA und verbindet den Zugriff auf Grönland mit Energiefragen und Zugeständnissen an...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Teilkrankschreibung gegen hohe Fehlzeiten: Ist die Regelung sinnvoll?
05.05.2026

Krank, aber nicht ganz arbeitsunfähig – das soll künftig möglich sein: Im Zuge der neuen Gesundheitsreform hat die Bundesregierung die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Stromnetz im Kostencheck: Welche Technologien langfristig überzeugen
05.05.2026

Europas Stromversorgung steht vor einer neuen Kostenlogik, in der erneuerbare Energien, Speichertechnologien und verlässliche Grundlast...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie steigt trotz schwachem Quartal
05.05.2026

Die Zahlen fallen schwächer aus als erwartet, doch die Aktie reagiert überraschend robust. Statt Abverkauf setzt Rheinmetall auf eine...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Unicredit greift Commerzbank an: Übernahme rückt näher
05.05.2026

Unicredit macht Ernst und treibt die Übernahme der Commerzbank mit Tempo voran. Doch Widerstand aus Berlin und Frankfurt könnte den Deal...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Biontech-Aktie: 1.860 Stellen in Gefahr
05.05.2026

Biontech zieht die Notbremse und fährt Kapazitäten drastisch herunter. Der Sparkurs trifft Standorte weltweit – und bringt Tausende...

DWN
Politik
Politik Olena Zelenska über den Krieg: Was die Ukraine heute zusammenhält
05.05.2026

Olena Zelenska steht im Ukraine-Krieg für eine Form von Widerstand, die weit über Politik hinausreicht und psychische Gesundheit,...