Politik

US-Waffen: Trump soll Selenskyj gefragt haben: „Könnt ihr Moskau treffen?“

Donald Trump soll Selenskyj gefragt haben, ob die Ukraine Moskau angreifen könne – mit US-Waffen. Droht eine neue Eskalation oder ist alles nur ein taktisches Spiel?
16.07.2025 12:40
Aktualisiert: 16.07.2025 14:43
Lesezeit: 2 min
US-Waffen: Trump soll Selenskyj gefragt haben: „Könnt ihr Moskau treffen?“
Ein angeblich explosives Telefongespräch sorgt für Aufsehen – mit potenziellen Folgen für den gesamten Westen. (Foto:dpa) Foto: Kay Nietfeld

Donald Trump hat laut einem Medienbericht den ukrainischen Präsidenten Selenskyj zu einem möglichen Angriff auf Moskau befragt. Experten sprechen von Taktik – und warnen.

Trump soll Selenskyj gefragt haben: „Könnt ihr Moskau treffen?“

Laut Informationen der Financial Times hat Donald Trump in einem Telefongespräch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am 4. Juli die Frage aufgeworfen, ob die Ukraine in der Lage sei, Moskau mit Raketen anzugreifen – vorausgesetzt, die USA liefern die entsprechenden Waffensysteme. Zwei mit dem Vorgang vertraute Personen bestätigten der Zeitung, dass Trump die Frage stellte:

„Wolodymyr, kannst du Moskau treffen? Kannst du auch Sankt Petersburg treffen?“

Selenskyj soll geantwortet haben: „Absolut. Das können wir, wenn Sie uns die Waffen geben.“

Trump bezeichnete die Idee als Möglichkeit, „den Russen Schmerzen zuzufügen“, um Moskau an den Verhandlungstisch zu zwingen. Auch das sei laut Financial Times Bestandteil des Gesprächs gewesen.

Neue Eskalationsstufe oder gezieltes Täuschungsmanöver?

Flemming Splidsboel Hansen, leitender Forscher am Dänischen Institut für Internationale Studien (Diis), wertet die Aussagen als mutmaßlichen Verhandlungstrick: „Es könnte sich durchaus um eine Taktik gegenüber Russland handeln.“

Das Gespräch mit Selenskyj fand offenbar nur einen Tag nach einem Telefonat Trumps mit Wladimir Putin statt – ein Austausch, den Trump später als „schlecht“ bezeichnete. Der abrupte Tonwechsel überrascht viele Beobachter, denn bislang hatte Trump stets betont, die USA aus dem Ukrainekrieg heraushalten zu wollen.

Hansen hält es jedoch für „nicht realistisch“, dass die Ukraine Moskau mit amerikanischen Raketen angreifen wird. Auch russische Medien stuften das Szenario als „unwahrscheinlich“ ein – und warnten vor einer ganz anderen russischen Reaktion bei einem direkten Schlag gegen die Hauptstadt.

Deutschland unter Druck: Neue Waffen, neue Fronten?

Für Deutschland hätte ein ukrainischer Angriff auf Moskau mit US-Unterstützung enorme sicherheitspolitische Folgen. Die Bundesregierung befürwortet derzeit zwar weitere Waffenlieferungen, setzt aber nach wie vor auf „strategische Zurückhaltung“. Sollte die NATO sich infolge amerikanischer Eskalation ungewollt in eine direkte Konfrontation mit Russland verstricken, würde Deutschland sowohl diplomatisch als auch militärisch erheblich unter Druck geraten – insbesondere angesichts seiner geografischen Lage und seiner Rolle in der europäischen Rüstungslogistik.

Der frühere dänische Geheimdienstanalyst Jacob Kaarsbo sieht das Ganze skeptisch: „Ich glaube nicht, dass die Ukrainer wild und blutig auf Moskau schießen werden.“ Trump selbst hat in den vergangenen Wochen seine Unzufriedenheit mit Wladimir Putin offen artikuliert. Gegenüber der BBC erklärte er: „Wir stehen kurz vor einem Friedensabkommen, und dann zerstört er wieder ein Gebäude in Kiew.“

Neue Waffen und wirtschaftlicher Druck gegen Russland

Nur wenige Tage nach dem Trump-Selenskyj-Telefonat kündigten die USA ein neues Waffenpaket für Kiew an. Parallel dazu drohte Trump mit neuen Strafzöllen gegen Russland – eine Kombination aus militärischem und wirtschaftlichem Druck.

Bei einem Treffen mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte betonte Trump zudem, dass er „bereit sei, rasch neue Waffen zu liefern“. Ob dies Teil einer größeren Eskalationsstrategie oder nur politische Rhetorik ist, bleibt unklar – doch das geopolitische Risiko wächst.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Top-Ökonom warnt: Wie die US-Außenpolitik Europas Wirtschaft belastet
07.02.2026

Die Europäische Union steht unter geopolitischem Druck, während wirtschaftliche Unsicherheit und geldpolitische Erwartungen neu justiert...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Geldanlage: Diese US-Aktien sollten Sie jetzt besitzen
07.02.2026

Ein wichtiger Sektor der US-Wirtschaft sorgt derzeit für überraschend starke Ergebnisse – trotz geopolitischer Risiken und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Datenhunger der Finanzämter: Wann Unternehmen E-Mails herausgeben müssen – und wann nicht
07.02.2026

Der Bundesfinanzhof hat Unternehmen im Streit um steuerrelevante E-Mails den Rücken gestärkt. Zwar bleibt die Pflicht zur Vorlage...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kove 800 X Pro: Chinesische Hersteller im europäischen Enduro-Markt
07.02.2026

Das Enduro-Segment gilt als besonders anspruchsvoll und stellt hohe Anforderungen an Technik, Qualität und Fahrverhalten. Kann ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft LNG: Warum Europas neue Gasabhängigkeit brandgefährlich ist
07.02.2026

Europas Gaspreise steigen, während politische Spannungen mit den USA zunehmen. LNG aus Amerika gilt als Rettungsanker, entpuppt sich aber...

DWN
Finanzen
Finanzen Begrenzung für Kreditkartenzinsen: Airlines und Investoren warnen vor Trumps Plan
07.02.2026

US-Präsident Donald Trump will Kreditkartenzinsen in den USA auf 10 Prozent begrenzen. Was als Verbraucherschutz verkauft wird, könnte...

DWN
Politik
Politik Ganz nah an Russland können Kinder nach der Schule zum Drohnentraining gehen
07.02.2026

In Litauen wächst der Druck, sich auf neue Bedrohungen einzustellen, und selbst Schulen geraten dabei in den Fokus. Was bedeutet es, wenn...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Dow Jones durchbricht die Marke von 50.000 Punkten
06.02.2026

Die US-Aktienmärkte erholten sich am Freitag nach einem einwöchigen Rückgang im Technologiesektor, da die Zurückhaltung der Investoren...