Deutsche Bank sieht Wendepunkt beim Dollar
Die Deutsche Bank sieht den Höhepunkt der geopolitischen Risiken als überschritten an und empfiehlt Investoren, auf einen schwächeren Dollar zu setzen. Laut George Saravelos, Leiter der Währungsstrategie, dürfte die Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Konflikt im Nahen Osten nachlassen, wie Bloomberg berichtet.
Der Dollarindex, der die Entwicklung der US-Währung gegenüber einem Korb wichtiger Leitwährungen misst, war zuvor deutlich gestiegen. Auslöser war der Beginn der Angriffe der USA und Israels auf den Iran am 28. Februar, die die Märkte verunsicherten und Kapital in den Dollar lenkten.
Mehrere Faktoren hatten diese Aufwertung begünstigt. Zum einen wurde erwartet, dass steigende Öl- und Kraftstoffpreise die Inflation in den USA antreiben und Zinssenkungen in diesem Jahr erschweren könnten. Zum anderen suchten Investoren verstärkt sichere Anlagehäfen, was die Nachfrage nach dem Dollar zusätzlich erhöhte.
Rückgang der Spannungen verändert Marktstimmung
Hinzu kam die Einschätzung, dass die USA als einer der größten Ölproduzenten weltweit von einer Verknappung des Angebots aus der Golfregion profitieren könnten. Diese Kombination aus geopolitischem Risiko und wirtschaftlichen Erwartungen stützte den Dollar über mehrere Wochen hinweg.
Seit Ende März zeichnet sich jedoch eine Trendwende ab. Der Dollarindex ist rückläufig, nachdem Präsident Donald Trump Verhandlungen mit dem Iran zur Beendigung des Konflikts angekündigt hat. Gleichzeitig hat sich der Ölpreis stabilisiert und notiert wieder unterhalb der Marke von 100 US-Dollar, was den Inflationsdruck spürbar reduziert.
Vor diesem Hintergrund sieht die Deutsche Bank nun Spielraum für eine weitere Abschwächung der US-Währung. In einer Mitteilung an ihre Kunden erklärte Saravelos, die jüngsten Entwicklungen deuteten darauf hin, dass der Höhepunkt der Risiken im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt überschritten sei.
Euro gewinnt an Dynamik
Aktuell verliert der Dollarindex 0,34 Prozent und notiert bei 98,03 Punkten. Sollte dieser Stand bis zum Handelsschluss bestehen bleiben, würde dies den niedrigsten Wert seit dem 27. Februar markieren, also dem letzten Tag vor der militärischen Eskalation mit dem Iran.
Parallel dazu profitiert der Euro von der Dollarschwäche. Die Gemeinschaftswährung legt am Dienstag bereits die siebte Sitzung in Folge zu und gewinnt damit kontinuierlich an Dynamik gegenüber der US-Währung.
Saravelos geht davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzen könnte. Aus seiner Sicht ist ein Anstieg des Euro auf über 1,20 US-Dollar möglich. Am Dienstag fällt der Dollar um 0,34 Prozent auf einen Kurs von 1,18 US-Dollar je Euro.
Wechselkursentwicklung trifft deutsche Exportwirtschaft
Die Verschiebungen an den Devisenmärkten haben unmittelbare Auswirkungen auf die europäische Wirtschaft. Ein stärkerer Euro verbilligt zwar Importe, erschwert jedoch gleichzeitig die Position exportorientierter Unternehmen auf den Weltmärkten.
Für Deutschland als exportstarke Volkswirtschaft gewinnt diese Entwicklung besondere Bedeutung. Sollte sich der Trend eines schwächeren Dollars fortsetzen, könnte dies den Preisdruck auf deutsche Exporte erhöhen und die Wettbewerbsfähigkeit in wichtigen Absatzmärkten belasten.
