Finanzen

Börse aktuell: Warum die Börsen im August und September nervös werden

Historisch gilt der Spätsommer als gefährlichste Zeit für die Aktienmärkte – und die Vorzeichen für August und September sind alles andere als beruhigend. Zwischen Zollkrieg, schwächelnder Konjunktur und Zinsspekulation gerät die Rallye an der Börse aktuell ins Stocken.
08.08.2025 05:50
Aktualisiert: 08.08.2025 11:00
Lesezeit: 3 min
Börse aktuell: Warum die Börsen im August und September nervös werden
Börse aktuell in Frankfurt: Anleger blicken nervös auf den Spätsommer und den DAX-Kurs – historische Daten sprechen für mehr Volatilität an den Aktienmärkten (Foto: iStockphoto/Bernd Rehbein) Foto: Bernd Rehbein

Börse aktuell: Gewinne bleiben der wichtigste Treiber

Der Juli hätte für die Aktienmärkte ein glänzender Monat werden können – doch kurz vor Monatsende drehten die Kurse bei DAX und Co. nach unten. Und nun tritt die Börse aktuell in die statistisch schwierigste Phase des Jahres ein. Auch US-Aktien notierten im Juli lange Zeit auf Rekordkurs. Erst schwächere Konjunkturdaten und neue Zollankündigungen der Regierung Trump bremsten die Kursrally. Zwar legte der S&P 500 vom 1. Juli bis 1. August um 0,82 Prozent zu, doch am 28. Juli lag das Plus noch bei fast 3,3 Prozent. Seit dem Ausverkauf im April ist der Index um 28 Prozent gestiegen und steht seit Jahresbeginn bei 8,65 Prozent.

Trotz handelspolitischer Spannungen erwiesen sich die Unternehmensgewinne als stabile Stütze. Von 317 berichtenden S&P-500-Unternehmen übertrafen 83 Prozent die Analystenschätzungen. Setzt sich der Trend fort, könnten die Gewinne im zweiten Quartal um 10,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigen – doppelt so viel wie noch vor einem Monat erwartet. Für das Gesamtjahr rechnet die Wall Street mit einem Plus von 10 Prozent. Ein wesentlicher Impuls kommt weiterhin aus dem Sektor der Künstlichen Intelligenz, der Investitionen in Milliardenhöhe anzieht. Technologie- und Halbleiterwerte profitieren von der Erwartung, dass die Nachfrage global stark bleibt.

Auch für den DAX sind die US-Daten von Bedeutung: Starke Gewinne amerikanischer Technologiekonzerne ziehen europäische Aktien mit, während Zolldrohungen und schwache US-Konjunkturdaten die Exportperspektiven deutscher Unternehmen belasten. Besonders betroffen wäre die Automobil- und Maschinenbauindustrie, die auf stabile Absatzmärkte in den USA angewiesen ist. Eine Abkühlung in Übersee könnte sich schnell in den deutschen Auftragsbüchern niederschlagen.

Börsenausblick: Saisonale Risiken und das Fed-Dilemma

Historisch sind August und September für die US-Börsen schwache Monate. Seit 1950 fiel der S&P 500 im August durchschnittlich um 0,17 Prozent, im September um 0,82 Prozent. Seit 2000 lag der Rückgang im September sogar bei 1,61 Prozent. Gründe reichen von saisonalen Portfolioanpassungen bis hin zu verzögerten Auswirkungen neuer Zölle. Manche Anleger sehen schwache Wirtschaftsdaten inzwischen als potenziell positiv – in der Hoffnung auf Zinssenkungen der Fed, möglicherweise schon im September. Die Erwartung, dass niedrige Zinsen und Liquiditätsspritzen erneut die Märkte stützen könnten, überlagert bei vielen Marktteilnehmern die Sorgen vor konjunkturellen Einbrüchen.

Zwischen Gewinnfantasie und Unsicherheit: Wie Anleger jetzt agieren sollten

Für Anleger ergibt sich aktuell eine ambivalente Lage. Einerseits signalisieren die robusten Unternehmensgewinne, insbesondere im Technologiesektor, dass sich Investitionen weiterhin lohnen könnten – vor allem in wachstumsstarke Zukunftsfelder wie Künstliche Intelligenz, Cloud-Infrastruktur und Halbleiter. Viele Investoren setzen daher auf selektive Aktienstrategien mit Fokus auf Qualitätswerte, die stabile Margen und Preissetzungsmacht aufweisen. Gleichzeitig mehren sich jedoch die Signale, dass der konjunkturelle Rückenwind nachlässt. Die Volatilität hat zuletzt spürbar zugenommen, was typische Anzeichen einer Marktunsicherheit sind. Auch die jüngsten Bewegungen in den Renditen langfristiger US-Staatsanleihen lassen Rückschlüsse auf veränderte Zinserwartungen zu: Der Markt preist inzwischen mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit eine Leitzinssenkung der Fed für den Herbst ein – was zwar stützend wirken kann, aber auch die Sorge widerspiegelt, dass die US-Wirtschaft an Dynamik verliert.

Anleger stehen nun vor der Frage, ob sie an bestehenden Positionen festhalten, Gewinne mitnehmen oder schrittweise in defensivere Sektoren umschichten sollten. Dabei spielen saisonale Effekte ebenfalls eine Rolle: Die kommenden Wochen gelten traditionell als schwächer, was kurzfristige Rückschläge wahrscheinlicher macht. Dennoch: Wer langfristig investiert und sich nicht von kurzfristigen Schwankungen irritieren lässt, könnte vom aktuellen Gewinnmomentum und der Stabilität vieler Unternehmen profitieren. Eine breite Diversifikation über Regionen und Sektoren hinweg bleibt dabei essenziell, um Risiken abzufedern und Chancen gezielt zu nutzen – insbesondere in einem zunehmend daten- und geldpolitisch getriebenen Börsenumfeld.

ETF-Strategien im Fokus: Breite Streuung als Schutz in volatilen Zeiten

Gerade in einem Marktumfeld mit zunehmender Unsicherheit und gemischten Konjunktursignalen rücken Exchange Traded Funds (ETFs) wieder stärker in den Fokus vieler Anleger. Sie bieten eine kostengünstige Möglichkeit, breit diversifiziert in ganze Märkte, Regionen oder Sektoren zu investieren – und das mit hoher Liquidität und Transparenz. Besonders beliebt sind aktuell ETFs auf große US-Indizes wie den S&P 500 oder den Nasdaq 100, die vom Aufschwung der Tech-Werte profitieren. Doch auch thematische ETFs, etwa auf Künstliche Intelligenz, Cybersecurity oder erneuerbare Energien, verzeichnen wachsenden Zuspruch.

In Zeiten volatiler Einzelaktienkurse setzen viele Investoren auf sogenannte Core-Satellite-Strategien: Dabei wird ein breit gestreuter ETF – etwa auf den MSCI World oder FTSE All-World – als Basisinvestment gehalten (Core), während kleinere thematische oder regionale ETFs als gezielte Beimischung (Satellite) dienen. Ein weiterer Vorteil: ETFs erlauben es Anlegern, auch in schwierigeren Marktphasen investiert zu bleiben, ohne sich täglich mit Einzelwerten befassen zu müssen. Für risikobewusste Anleger bieten sich zudem defensivere Strategien an, etwa mit ETFs auf Dividendenaristokraten oder Minimum-Volatility-Indizes, die traditionell geringeren Kursschwankungen unterliegen. Auch Bond-ETFs gewinnen angesichts der Diskussion um mögliche Zinssenkungen an Attraktivität. Wichtig bleibt jedoch eine regelmäßige Überprüfung der Allokation: Wer im AI-Hype übergewichtet ist, läuft Gefahr, bei einer Korrektur überproportional zu verlieren. Daher empfiehlt sich auch bei ETFs ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Wachstums- und Substanzwerten, zwischen etablierten Märkten und Schwellenländern. So lässt sich die Marktbreite gezielt nutzen, ohne unnötige Klumpenrisiken einzugehen.

Wie Anleger auf die Situation an der Börse aktuell reagieren sollten

Die Märkte bleiben spannend, aber herausfordernd. Solide Unternehmensgewinne treffen auf saisonale Risiken und geldpolitische Unsicherheiten. Wer langfristig denkt, breit diversifiziert und flexibel auf neue Entwicklungen reagiert, kann Chancen nutzen und Risiken minimieren. ETF-Strategien bieten dabei Stabilität – wenn sie klug eingesetzt und regelmäßig überprüft werden.

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