Finanzen

Goldpreis fällt stark: Erinnerungen an 2011: „Kaufen und halten“ funktioniert nicht

Ein Kurssturz beendet die Rekordrally des Edelmetalls und erinnert Anleger an bittere Verluste vor 13 Jahren.
23.10.2025 17:19
Lesezeit: 2 min

Goldpreis bricht ein: Wer jetzt gekauft hat, könnte jahrelang warten

Nach einer monatelangen Rekordjagd ist der Goldpreis abrupt eingebrochen. Wer zuletzt auf den steigenden Kurs gesetzt hat, könnte lange warten, bis er sein Kapital wieder sieht. So ähnlich war es auch beim Crash im Jahr 2011.

Zwei Monate lang stieg der Preis für eine Feinunze Gold beinahe täglich und legte um 1.000 US-Dollar auf 4.087 Dollar zu: ein Plus von 32 Prozent. Doch am Dienstag, dem 21. Oktober, kam der jähe Rückschlag: Der Goldpreis fiel um 5,7 Prozent, der stärkste Tagesverlust seit Juni 2013.

Drei Gründe für den Preissturz beim Gold

Laut Sam Stovall, Chefstratege bei CFRA Research, war die Kurskorrektur überfällig: „Der Goldpreis ist einfach zu schnell gestiegen und da der Dollar heute stärker war, nahmen viele Investoren das zum Anlass, Gewinne mitzunehmen“, sagte er gegenüber Reuters. Ole Hansen, Rohstoffstratege bei Saxo Bank, verwies auf fehlende Daten der US-Kommission für Warentermingeschäfte (CFTC). Diese Berichte zeigen normalerweise, wie Hedgefonds und institutionelle Anleger ihre Positionen in Gold- und Silberkontrakten gewichten. „Der Mangel an Positionsdaten kommt zu einem sensiblen Zeitpunkt, da spekulative Long-Positionen zunehmen könnten – das macht den Markt anfälliger für eine Korrektur“, erklärte Hansen.

Ein weiterer Faktor ist der indische Diwali-Festzeitraum, der am 23. Oktober endet. Während des hinduistischen Lichterfests werden traditionell viele Hochzeiten gefeiert. Die Nachfrage nach Gold ist in dieser Zeit saisonal besonders stark. Mit dem Ende der Festtage flacht dieser Effekt regelmäßig ab.

Goldpreis erinnert an die Entwicklung von 2011

Der jüngste Preisanstieg um 32 Prozent innerhalb von zwei Monaten übertrifft sogar die 28-prozentige Rallye, die dem damaligen Hoch von 1.921 US-Dollar je Unze im September 2011 vorausging. Damals begann unmittelbar nach dem Rekord eine massive Gewinnmitnahme – Gold verlor binnen zweier Handelstage 7 Prozent. Spekulanten hielten noch eine Weile an ihren Positionen fest, der Preis stieg kurzzeitig wieder auf fast 1.900 Dollar, bevor der Markt endgültig drehte. In nur 20 Tagen fiel der Goldpreis damals um 20 Prozent. Für Anleger, die am Hochpunkt eingestiegen waren und ihre Bestände behielten, bedeutete das eine Durststrecke von fast neun Jahren: Erst 2020 erreichte der Goldpreis wieder das damalige Niveau, aber nominal. Inflationsbereinigt dauerte die Erholung noch deutlich länger.

Auch Aktionäre von Goldminen-Unternehmen und Branchen-ETFs leiden derzeit unter der Korrektur. Dennoch zeigte sich laut Bloomberg, dass viele institutionelle Investoren den Absprung rechtzeitig geschafft haben: Im vergangenen Monat zogen Anleger 669 Millionen US-Dollar aus dem größten Fonds der Branche ab, dem VanEck Gold Miners ETF.

Am Mittwoch fiel der ETF um 9,4 Prozent: der stärkste Rückgang seit März 2020. Die Aktien großer Förderer wie Newmont, Agnico Eagle Mines und Barrick Gold verloren ebenfalls rund 9 Prozent.

Zunehmende Volatilität beunruhigt den Markt

Bloomberg weist darauf hin, dass der Goldmarkt, traditionell als stabiler „sicherer Hafen“ bekannt, in den vergangenen Wochen ungewohnt stark schwankt. Die realisierte Volatilität des Goldpreises im Verhältnis zum S&P 500 erreichte am Dienstag den höchsten Stand seit 2020. „Diese täglichen Ausschläge werden extrem bleiben, weil Anleger Kapital abziehen“, sagte John Ciampaglia, CEO von Sprott Asset Management.

Ciampaglia sieht die aktuelle Korrektur jedoch nicht als langfristiges Risiko, solange sie keine Kettenreaktionen von Zwangsverkäufen auslöst. „Die langfristigen Fundamentaldaten sprechen weiterhin für Goldminenaktien“, betont er. Die Unternehmen dürften im laufenden Quartal hohe Gewinne erzielen, da ihre Produktionskosten gesunken sind, während der Goldpreis zuvor Rekordhöhen erreicht hatte.

Der jüngste Absturz des Goldpreises zeigt, dass selbst in Krisenzeiten vermeintlich sichere Häfen nicht immun gegen heftige Schwankungen sind. Wie schon 2011 könnte sich die Erholung für Anleger, die spät eingestiegen sind, über Jahre hinziehen. Experten raten daher, die Entwicklung mit Vorsicht zu beobachten und sich nicht von kurzfristiger Euphorie leiten zu lassen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Psychische Belastung im Beruf: Wie Beschäftigte mentale Belastung besser bewältigen
31.05.2026

Pflegekräfte, Polizisten oder Rettungssanitäter erleben täglich belastende Situationen. Viele nehmen den emotionalen Druck mit nach...

DWN
Finanzen
Finanzen Digitaler Euro: Europas Banken bauen eigene Stablecoin-Alternative
31.05.2026

Europäische Banken wollen mit einem Euro-Stablecoin die digitale Zahlungsinfrastruktur verändern. Dahinter steht die Sorge, dass der...

DWN
Panorama
Panorama Kölner Dom: Eintrittsgeld geplant – verliert ein Wahrzeichen seinen Zauber?
31.05.2026

Der Kölner Dom zieht jedes Jahr Millionen Menschen an – Gläubige, Touristen und Einheimische gleichermaßen. Ab Juli soll der Eintritt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen KI-Diagnose in Minuten: Irisches Startup will ADHS schneller erkennen
31.05.2026

Ein irisches KI-Startup will ADHS und andere Erkrankungen mit Hirnscans deutlich schneller erkennen. Die Technologie könnte Diagnosen...

DWN
Panorama
Panorama Schlafprobleme im Alltag: Welche Maßnahmen wirklich zu besserem Schlaf führen
31.05.2026

Schlafmangel entwickelt sich für viele Menschen zu einem strukturellen Problem des modernen Alltags. Welche Faktoren spielen dabei eine...

DWN
Technologie
Technologie Wasserstofffabrik auf Rädern: Kleine Anlage soll Generatoren und Drohnen versorgen
30.05.2026

In Nord-Tallinn, in der Laevastiku-Straße, steht ein Gebäude aus roten Ziegeln. Von außen wirkt der Ort verlassen, doch im Inneren wird...

DWN
Panorama
Panorama Entwarnung beim Klimawandel? Forscher korrigieren Worst-Case-Szenario
30.05.2026

Die schlimmsten Klima-Prognosen gelten inzwischen als weniger wahrscheinlich. US-Präsident Donald Trump sieht sich dadurch bestätigt.

DWN
Politik
Politik Der übergriffige Staat: Bremst Regulierung Europas Wohlstand?
30.05.2026

Europa verliert an wirtschaftlicher Dynamik. Während die USA Innovationen skalieren und China Märkte strategisch erobert, verstrickt sich...