Finanzen

Goldpreis erneut auf Rekordhoch: Experten diskutieren Überbewertung und Portfoliochancen

Der Goldmarkt steht aktuell im Fokus von Anlegern und Analysten. Die Preise steigen rasant, Handelsvolumina erreichen ungewöhnliche Höchststände, und die Diskussion über eine mögliche Überbewertung nimmt Fahrt auf. Gleichzeitig sorgen geopolitische Spannungen und geldpolitische Erwartungen für zusätzliche Unsicherheiten. Vor diesem Hintergrund wächst das Interesse daran, wie Gold im Portfolio gewichtet werden sollte und welche Perspektiven sich für Investoren ergeben.
17.10.2025 13:28
Lesezeit: 3 min
Goldpreis erneut auf Rekordhoch: Experten diskutieren Überbewertung und Portfoliochancen
Experten empfehlen, Goldanteile im Portfolio zu reduzieren, während der Goldpreis Anzeichen für Überbewertungen zeigt (Foto: dpa) Foto: alfexe

Goldpreis erreicht historische Höhen

Der Goldpreis setzt einen Rekord nach dem anderen. Am Mittwoch überschritt er die Marke von 4200 US-Dollar pro Unze, was einem Anstieg von 60 Prozent seit Jahresbeginn entspricht. Kurzfristig wird der Preisanstieg durch die Zollkonflikte zwischen den USA und China sowie durch die Erwartung der Anleger auf eine Zinssenkung der US-Notenbank Fed angetrieben. Auf lange Sicht wird die Nachfrage nach dem sogenannten „barbarischen Relikt“ unter anderem von Zentralbanken vorangetrieben, allen voran der Nationalbank Polens. Der polnischen Zentralbank stehen derzeit Goldreserven von mehr als 520 Tonnen mit einem Wert von rund 240 Milliarden Złoty zur Verfügung. Die Entwicklung zeigt, dass Gold sowohl als strategisches Anlagegut als auch als Absicherung gegen wirtschaftliche und geopolitische Unsicherheiten weiterhin eine zentrale Rolle spielt. Analysten und Investoren beobachten die Dynamik des Marktes genau, um potenzielle Risiken und Chancen für ihre Portfolios abzuschätzen.

Anzeichen für eine mögliche Überbewertung von Gold

Nach Einschätzung von Tomasz Tarczyński, Vorstandsvorsitzender von Opoka TFI, sendet Gold nach einer beeindruckenden dreijährigen Hausse deutliche Signale einer Überbewertung. „Der Höhepunkt des Preises eines bestimmten Vermögenswertes ergibt sich meist aus einer Reihe sehr guter Nachrichten und nicht aus schlechten. So funktioniert die Logik des Marktes. Die Nachfrage der Zentralbanken nach Gold und geopolitische Spannungen sind reale Faktoren, doch wie genau sie zu einem bestimmten Zeitpunkt wirken, lässt sich kaum abschätzen. Es lohnt sich, den Fokus nicht auf die narrative Ebene zu legen, sondern auf beobachtbare Faktoren wie Spekulationen auf Optionen, Zuflüsse in ETFs oder die sehr dynamische Preisentwicklung“, erklärt Tarczyński. Ein weiterer Indikator sind die Handelsvolumina im Goldbereich, die typisch für mittelfristige Spitzen sind. Als Beispiel nennt der Experte das Handelsvolumen des SPDR Gold ETFs, das seit Ende August auf fast 18 Millionen US-Dollar pro Tag gestiegen ist, eine Verdoppelung innerhalb weniger Wochen, so Bloomberg-Daten. Seit Januar ist der Kurs des Fonds um 55 Prozent gestiegen, was die Intensität der Marktbewegungen verdeutlicht und die Notwendigkeit einer genauen Beobachtung unterstreicht.

Goldanteil im Portfolio reduzieren, aber nicht aufgeben

Im Mandat von Opoka TFI liegt der empfohlene Basisanteil von Gold im Portfolio zwischen acht und zwölf Prozent. „In den vergangenen Jahren hatten wir häufig Positionen von über 20 Prozent. Die Hausse bei Gold begann jedoch bereits vor drei Jahren, und die Intensität der Spekulationen war so hoch, dass wir beschlossen haben, unsere Position zu reduzieren. Unserer Einschätzung nach sollten sich andere Rohstoffe als Edelmetalle in Zukunft besser entwickeln“, erläutert Tarczyński. Die Empfehlung bedeutet jedoch nicht, Gold vollständig aufzugeben. Vielmehr soll die Gewichtung im Portfolio so angepasst werden, dass weiterhin eine strategische Absicherung gegen wirtschaftliche Unsicherheiten besteht, gleichzeitig aber Chancen in anderen Rohstoffbereichen genutzt werden können. Für Anleger ergibt sich damit die Notwendigkeit, sowohl Markttrends als auch spekulative Entwicklungen zu berücksichtigen, um eine ausgewogene und langfristig stabile Anlagestrategie zu verfolgen.

Prognosen und divergierende Erwartungen am Goldmarkt

Viele Analysten rechnen mittelfristig mit fallenden Preisen. Der Konsens für das kommende Jahr liegt bei 3700 US-Dollar pro Unze, für die Jahre 2027 bis 2028 wird ein weiterer Rückgang um mehrere hundert Dollar pro Unze erwartet, wie Bloomberg-Daten zeigen. Analysten der Bank of America prognostizieren für 2029 sogar nur noch 2600 US-Dollar pro Unze. Sie argumentieren, dass geopolitische Erschütterungen kein nachhaltiger Treiber für Preissteigerungen seien. Ausschlaggebend seien die realen Zinssätze und die Stärke des US-Dollars. Grundlage ist ein Basisszenario, in dem sich die Inflation stabilisiert und die geopolitische Risikoprämie abnimmt. Gleichzeitig gibt es Optimisten auf dem Markt. Analysten von Goldman Sachs gehen davon aus, dass der Goldpreis bis auf 5000 US-Dollar pro Unze steigen könnte. Eine aktuelle Umfrage der Bank of America zeigt, dass 43 Prozent der Fondsmanager weiterhin an einen Preisanstieg glauben, während 41 Prozent das Edelmetall als überbewertet einschätzen. Die Oktober-Umfrage umfasste 193 Vermögensverwalter, die ein Anlagevolumen von insgesamt 468 Milliarden US-Dollar betreuen, was die breite Relevanz der Meinungen für den globalen Markt unterstreicht.

Für deutsche Anleger und Investoren signalisiert die Entwicklung, dass Gold weiterhin ein wertvolles Element im Portfolio sein kann, insbesondere als Absicherung gegen geopolitische Risiken und Währungsschwankungen. Gleichzeitig sollte die Positionierung in Gold sorgfältig überprüft werden, um Überbewertungen zu vermeiden und die Chancen anderer Rohstoffe nicht außer Acht zu lassen. Angesichts der globalen Marktvolatilität ist eine ausgewogene Strategie entscheidend, um langfristige Stabilität im Portfolio zu gewährleisten. Dies bedeutet konkret, dass Anleger in Deutschland ihre Goldbestände möglicherweise anpassen, aber nicht vollständig reduzieren sollten, um von der Schutzfunktion des Edelmetalls zu profitieren und zugleich flexibel auf Marktbewegungen reagieren zu können.

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