Finanzen

Goldpreis schlägt alle Anlageklassen: Warum Gold alles übertrifft

Der Goldpreis hat in zwanzig Jahren alle Anlageklassen übertroffen. Inflation, Schulden und geopolitische Spannungen treiben die Nachfrage. Zentralbanken ersetzen Staatsanleihen durch Gold. Wie hoch kann der Goldpreis noch steigen?
14.10.2025 06:00
Aktualisiert: 14.10.2025 07:00
Lesezeit: 3 min

Zwanzig Jahre Goldpreis-Boom und kein Ende in Sicht

Bereits vor zwanzig Jahren beschäftigten sich nur wenige Investoren ernsthaft mit Gold. Im Jahr 2005 galt das Edelmetall als billige und unterschätzte Anlageklasse. Damals wurde Gold als unattraktiv bezeichnet, weil es „keine laufende Rendite“ erbringe. Ein Argument, das bis heute häufig zu hören sei, so Torbjörn Iwarson, Redakteur bei dem schwedischen Finanzportal Privata Affärer.

Doch Gold besitzt, ähnlich wie andere Rohstoffe, herausragende Portfolioeigenschaften. Steigt die Inflation, legen Rohstoffe im Durchschnitt etwa dreimal so stark zu. Das hängt damit zusammen, dass sich Rohstoffpreise eng am Produzentenpreisindex orientieren, der dreimal stärker schwankt als der Verbraucherpreisindex. Gold korreliert dabei weniger stark mit Inflation als andere Rohstoffe. Es reagiert sensibler auf geopolitische Unsicherheit und Finanzstress.

Goldpreis als Schutz in Krisen und Inflation

Steigt die Inflation um ein Prozent, erhöhen sich in der Regel auch die Zinsen um denselben Wert. Dadurch sinkt der Barwert künftiger Cashflows, was den Kurs von Aktien, Anleihen, Immobilien und Infrastrukturinvestitionen belastet. Das Vermögen der meisten europäischen und auch deutschen Anleger besteht vor allem aus solchen zinssensitiven Anlagen. Steigt die Inflation, sinken die Kurse dieser Anlagen um etwa drei Prozent, während Rohstoffe im gleichen Zeitraum steigen. Gold bietet in diesem Umfeld einen wichtigen Ausgleich.

Zudem steigt der Goldpreis, wenn die Angst vor geopolitischen oder wirtschaftlichen Schocks zunimmt. Während in Krisen die Nachfrage nach Konsumgütern einbricht und Aktien wie Anleihen oft deutlich an Wert verlieren, gewinnt Gold. Es dient als Absicherung gegen Panik und stärkt die Stabilität eines Portfolios. Ein kleiner Goldanteil im Portfolio erhöht die Robustheit und kann Verluste an den Finanzmärkten abfedern.

Der Goldpreis profitiert von Schulden, Krieg und Zentralbanken

In den vergangenen Jahren hat Gold alle anderen Anlageformen übertroffen. In den frühen 2000er-Jahren wurde der Preisanstieg durch den Nachfrageschub aus China ausgelöst. Unter Mao war Goldbesitz verboten, danach explodierte die Nachfrage, unterstützt durch die Industrialisierung Indiens. Gleichzeitig wurde weltweit zu wenig in neue Goldminen investiert, was das Angebot knapp hielt.

Ab 2011 stagnierte der Markt, bis der Goldpreis erneut zu steigen begann. Der aktuelle Aufwärtstrend hat zwei mögliche Ursachen: eine neue Welle spekulativer Käufe oder eine wachsende Angst, dass die globale Schuldenkrise durch Inflation gelöst werden soll. Wie der Bankier J.P. Morgan einst sagte: „Gold ist Geld. Alles andere ist Kredit.“

Hohe Inflation entsteht fast immer aus hohen Staatsschulden. Wenn Investoren glauben, dass Regierungen ihre Schulden weginflationieren, verkaufen sie Anleihen und kaufen reale Werte: zunächst Aktien, dann Gold.

Hinzu kommt: Geopolitische Spannungen erhöhen die Haushaltsdefizite, insbesondere in den USA, deren Staatsanleihen den größten Teil der globalen Währungsreserven ausmachen. Mehrere Zentralbanken haben begonnen, ihre Bestände an US-Staatsanleihen durch Gold zu ersetzen. Das Vertrauen in die Rückzahlung dieser Schulden sinkt – und genau das treibt den Goldpreis. Der Prozess ist im vollen Gange. Ob er in Inflation, steigende Zinsen und sinkende Aktienkurse mündet (oder in eine tiefe Rezession), ist die entscheidende Frage der kommenden Jahre.

Drei Rohstoffprognosen von Torbjörn Iwarson

  • Als Rohstoff erscheint Gold extrem teuer, aber vielleicht nicht als sicheres Geld oder „Wertspeicher“.
  • Ein Rohstoff, der aus fundamentaler Sicht extrem günstig erscheint, ist Weizen, den man meiner Meinung nach kaufen sollte. Baumwolle ist meiner Meinung nach noch nicht ganz so weit, aber man kann sie im Auge behalten, um eine Position aufzubauen.
  • Kupfer profitiert von der fortschreitenden Elektrifizierung, und ich bin vorsichtig optimistisch.

Gold bleibt das Maß aller Dinge

In Deutschland treibt dieselbe Dynamik den Goldpreis nach oben. Hohe Inflation, steigende Staatsausgaben und geopolitische Unsicherheit haben dazu geführt, dass Gold zum bevorzugten Kriseninvestment geworden ist. Deutsche Privatanleger kaufen Rekordmengen an physischem Gold und Gold-ETFs, während Banken ihre Bestände an US-Staatsanleihen reduzieren. Die Europäische Zentralbank steht vor einem Dilemma: Sie kann die Zinsen nicht stark genug erhöhen, um die Inflation zu bekämpfen, ohne die Schuldenlast der Mitgliedsstaaten zu verschärfen. Diese Unsicherheit stützt den Goldpreis weiter.

Für den deutschen Markt bedeutet das: Gold bleibt ein Sicherheitsanker, solange die Finanzpolitik von Unsicherheit und Verschuldung geprägt ist. Ob der Goldpreis weiter steigt, hängt von zwei Faktoren ab: ob Regierungen ihre Schulden real abbauen oder sie inflationsbedingt entwerten. In beiden Fällen bleibt Gold das stabilste Gut in einem instabilen System.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Deutsche im Iran: Pistorius bereit für Bundeswehreinsatz bei Waffenruhe
26.03.2026

Der Iran-Krieg alarmiert die Bundesregierung, weil die wirtschaftlichen Folgen weltweit spürbar werden. Verteidigungsminister Pistorius...

DWN
Politik
Politik USA verschärfen Ton gegenüber Teheran: Diplomatie unter maximalem Druck
26.03.2026

Washington droht dem Iran mit einer massiven Ausweitung der Militärschläge, falls die Führung in Teheran nicht einlenkt....

DWN
Politik
Politik EU und Ungarn: Spionageverdacht erschüttert Vertrauen in Europa
26.03.2026

Misstrauen breitet sich in der Europäischen Union aus und trifft einen ihrer eigenen Mitgliedstaaten. Der Verdacht, dass Ungarn...

DWN
Finanzen
Finanzen Aktienmarkt in Gefahr: Investoren warnen vor Eskalation im Iran-Konflikt
25.03.2026

Die Märkte geraten ins Wanken, während geopolitische Spannungen eskalieren. Investoren befürchten nach den Drohungen eines eskalierenden...

DWN
Politik
Politik Russlands Ölexport unter Beschuss: Energiekrieg erreicht neue Stufe
25.03.2026

Explosionen in russischen Ostseehäfen lassen den Ölfluss abrupt versiegen. Die Angriffe treffen Moskaus Energieinfrastruktur empfindlich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tarif-Durchbruch in der Chemie: Mehr Geld und Jobgarantie für 585.000 Beschäftigte
25.03.2026

Lohnplus trotz Krise: Die rund 585.000 Beschäftigten der deutschen Chemie- und Pharmabranche erhalten künftig deutlich mehr Geld. Nach...

DWN
Politik
Politik Turbo für die Verteidigung: EU plant Millionen-Spritze für Militär-Innovationen
25.03.2026

Die EU-Kommission will die militärische Schlagkraft Europas durch schnellere Innovationszyklen sichern. Ein neues Förderinstrument namens...

DWN
Politik
Politik Digitale Gewalt: Was die Regierung jetzt plant
25.03.2026

Deepfakes, Überwachung, intime Bilder – digitale Gewalt nimmt zu, und der politische Druck wächst. Die Bundesregierung arbeitet an...