Finanzen

Nvidia-Aktie rutscht ab: US-Chipkonzern enttäuscht in China – trotz Milliardenpotenzials

Rekordumsätze, rasanter Kursanstieg und dennoch Unsicherheit wegen China – Nvidia bleibt eines der spannendsten Unternehmen im aktuellen KI-Boom. Doch kann der US-Chipkonzern trotz Exporthürden und politischem Druck seine Dominanz sichern? Die Nvidia-Bilanz weist enttäuschende Umsätze im China-Geschäft aus. Wie also geht es weiter und was heißt das für die Nvidia-Aktie?
28.08.2025 10:59
Lesezeit: 3 min

Nvidia-Aktie: US-Chipkonzern enttäuscht auf dem chinesischen Markt

Der US-Chipkonzern Nvidia (ISIN: US67066G1040) stellt im KI-Boom Rekorde auf – würde jedoch gern zusätzlich Dutzende Milliarden Dollar Umsatz in China erzielen. Wegen US-Exportsperren und Widerstand aus Peking verkauft Nvidia derzeit jedoch gar nichts auf dem chinesischen Markt. Eigentlich habe das Unternehmen in diesem Jahr mit einem Umsatzpotenzial von 50 Milliarden Dollar in China gerechnet – sowie mit einem jährlichen Wachstum von 50 Prozent, erklärte Firmenchef Jensen Huang.

Trotz des fehlenden China-Geschäfts kletterte der Quartalsumsatz von Nvidia im Vergleich zum Vorjahr um 56 Prozent auf 46,74 Milliarden Dollar (gut 40 Milliarden Euro). Gegenüber dem vorigen Quartal legte der Umsatz noch um sechs Prozent zu.

Schlüsselrolle für Künstliche Intelligenz – Nvidia-Aktienkurs rutscht ab

Die Chip-Systeme von Nvidia werden weltweit zum Training und für den Betrieb von Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz genutzt. Schwergewichte wie Google (ISIN: US02079K1079) oder der Facebook-Konzern Meta (ISIN: US30303M1027) betreiben damit komplette Rechenzentren – ebenso wie KI-Start-ups, darunter die ChatGPT-Erfinderfirma OpenAI. Diese zentrale Position ließ das Geschäft von Nvidia in den vergangenen zwei Jahren explosionsartig wachsen und machte den einstigen Nischenanbieter zum wertvollsten Unternehmen der Welt. Zuletzt lag der Börsenwert von Nvidia bei rund 4,4 Billionen Dollar – eine Billion mehr als beim iPhone-Hersteller Apple (ISIN: US0378331005).

Der Höhenflug der Nvidia-Aktie macht Anleger sensibel, die nicht den Zeitpunkt verpassen wollen, an dem dieser beispiellose Lauf endet – allein in diesem Jahr stieg der Nvidia-Aktienkurs bisher um 35 Prozent. In fünf Jahren summiert sich der Anstieg auf über 1.300 Prozent. Seit Sommer 2015 hat sich der Wert der Aktie mehr als verdreihundertfacht. Nach Veröffentlichung der Zahlen sank der Kurs im nachbörslichen Handel um mehr als drei Prozent. Damit gab die Nvidia-Aktie die Kursgewinne dieser Woche in etwa wieder ab. Im Geschäft mit Technik für Rechenzentren lag der Umsatz bei 41,4 Milliarden Dollar und blieb damit knapp unter den Markterwartungen. Auch im frühen Börsenhandel am Donnerstag gibt die Nvidia-Aktie ab: Im elektronischen Xetra-Handel der Frankfurter Börse steht ein Minus von annähernd 2 Prozent bei rund 153,50 Euro.

Das Muster übertroffener Erwartungen und höherer Ziele bleibe beim KI-Konzern bestehen, schrieb Harlan Sur von JPMorgan in seiner Reaktion auf die Zahlen. Nvidia sichere sich weiterhin einen Löwenanteil der Investitionen in diesem Bereich. Der Analyst hob sein Kursziel von 170 auf 215 Dollar an. Auch die Experten von Bernstein, Morgan Stanley und Bank of America schraubten ihre Kursziele weiter hinauf und liegen nun teils deutlich über der 200-Dollar-Marke.

Stillstand beim China-Geschäft

Im letzten Quartal erzielte der Konzern wegen US-Exportauflagen keine Verkäufe der abgespeckten H20-Chips in China. Stattdessen wurden H20-Systeme im Wert von 650 Millionen Dollar an einen Kunden außerhalb Chinas geliefert. Zwar hatte die Regierung von Donald Trump den Widerstand gegen H20-Exporte nach China vor wenigen Wochen aufgegeben. Allerdings soll der amerikanische Staat dafür 15 Prozent der Verkäufe erhalten. Doch die Lieferungen kamen bisher nicht zustande – da nun Peking den Einsatz von US-KI-Chips unter anderem mit Verweis auf Sicherheitsrisiken blockiert.

Nvidia möchte hingegen leistungsstärkere Chips der Serie "Blackwell" nach China liefern. Huang betonte, dass ein Verbot lediglich heimische Konkurrenz fördere, die Nvidia später auch weltweit Marktanteile streitig machen könnte.

Nvidia-Aktie: Prognose enttäuscht Anleger?

Für das laufende Quartal plant Nvidia erneut keine Verkäufe in China. Der US-Chipkonzern erwartet Einnahmen von 54 Milliarden Dollar (mit einem Korridor von zwei Prozent nach oben oder unten). Analysten rechnen durchschnittlich mit weniger als 53,5 Milliarden Dollar. In einer Telefonkonferenz mit Analysten bekräftigte Huang zugleich, er gehe von einer weiter steigenden Nachfrage nach Nvidia-Chips aus, da neue KI-Systeme teils 1000 Mal mehr Rechenleistung als zuvor erforderten. Unter dem Strich legte der Quartalsgewinn von Nvidia im Vergleich zum Vorjahr um 59 Prozent auf mehr als 26,4 Milliarden Dollar zu.

Vor der Bilanzvorlage vom 28. August war die Erwartungshaltung gegenüber der Nvidia-Aktie sehr hoch. Analysten zeigten sich überwiegend optimistisch und rechneten mit weiterem Rückenwind durch die Nachfrage nach KI-Chips. Dennoch unterschieden sich die Kursziele und Einschätzungen deutlich in ihrer Tonalität.

Am 25. August bewertete Stifel Nicolaus die Aktie positiv und erhöhte das Kursziel von 202 auf 212 US-Dollar. Am selben Tag hob auch Baird sein Ziel von 195 auf 225 US-Dollar an – beide mit Kauf-Rating. Bereits am vier Tage vorher hatte die UBS ihr Kursziel von 175 auf 205 US-Dollar angehoben und die Einstufung auf „Buy“ belassen. Analyst Timothy Arcuri verwies auf aktualisierte Schätzungen und erwartete eine positive Umsatzüberraschung, gestützt durch Investorengespräche. Dagegen zeigte sich Deutsche Bank Research am 20. August zurückhaltender: Mit einem Kursziel von 155 US-Dollar und „Hold“-Einstufung verwies Ross Seymore zwar auf stärkere Umsätze, betonte jedoch auch regulatorische Unsicherheiten trotz neuer China-Lizenz.

Zusammenfassend ergibt sich ein Bild, in dem die Mehrzahl der Analysten von weiterem Wachstum ausgeht, während vorsichtige Stimmen auf Risiken hinweisen. Anleger sollten daher sowohl das Potenzial der Nvidia-Aktie als auch die geopolitischen Herausforderungen im Blick behalten, um fundierte Entscheidungen treffen zu können.

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