Wirtschaft

Schrumpfende Position: Deutschlands Weltmarktanteile gehen zurück

Deutschlands Weltmarktanteile geraten seit Jahren unter Druck. Trotz starker Exportindustrie verliert die Bundesrepublik kontinuierlich an Boden gegenüber China und anderen Wettbewerbern. Eine aktuelle VFA-Studie zeigt Ursachen, Chancen und Risiken auf.
28.08.2025 12:51
Lesezeit: 1 min
Schrumpfende Position: Deutschlands Weltmarktanteile gehen zurück
Ein Containerschiff wird am Container Terminal Tollerort im Hamburger Hafen be- und entladen. Deutschland verliert am Weltmarkt an Gewicht (Foto: dpa). Foto: Marcus Brandt

Deutschlands Weltmarktanteile verlieren an Gewicht: Was Deutschland jetzt tun muss

Seit etwa zehn Jahren geht der Marktanteil Deutschlands auf zentralen Absatzmärkten sowie in Schlüsselbranchen wie Maschinenbau und Autoindustrie zurück. Das zeigt eine aktuelle VFA-Studie des Verbands der forschenden Pharma-Unternehmen. Der Aufstieg Chinas und die Zollstrategie von US-Präsident Donald Trump hätten die weltweiten Kräfte verschoben. Ursachen seien jedoch auch eigene Fehler, darunter verpasste Entwicklungen in der Automobilindustrie.

China baue seine Stärke auf den Weltmärkten kontinuierlich aus – sogar in Kernfeldern der exportstarken deutschen Wirtschaft wie bei Fahrzeugen, so die Untersuchung, über die der "Spiegel" berichtete. Andere EU-Staaten konnten ihre Position verteidigen und gewannen Anteile in den USA, darunter die Pharmaindustrie aus Irland und der Schweiz. "China gewinnt in Europa, Europa in den USA – Deutschland bleibt zurück", resümiert vfa-Chefökonom Claus Michelsen. Der Handelskonflikt mit den USA treffe Deutschland in einer heiklen Phase.

Autoindustrie als zentrales Risiko

Hauptursache für die Verluste sei nach der VFA-Studie die Autoindustrie, die wichtige Zukunftstrends wie den Wandel zu alternativen Antrieben zu spät erkannt habe. Hinzu kämen hohe Kosten, starke Abhängigkeit von globalen Zulieferern und geringe Flexibilität bei digitalen Geschäftsmodellen, beispielsweise bei Software und vernetzten Fahrzeugen.

"Deutsche Wirtschaft bleibt leistungsfähig"

Konkret fielen die Anteile Deutschlands am Welthandel seit 2013 im Schnitt um etwa 0,11 Prozentpunkte pro Jahr. Dennoch stehe die Bundesrepublik solide da: "Deutschlands Industrie besitzt weiterhin enormes Potenzial und ist erfolgreich international aufgestellt". Zwar legten die Exporte stetig zu – nur eben schwächer als das Handelsvolumen weltweit. Der Marktanteil Deutschlands schrumpfte schleichend und werde nun sichtbarer.

China konnte dagegen von 2013 bis 2024 durchschnittlich 0,36 Prozentpunkte jährlich am Weltmarkt zulegen. Der Zugewinn erfolgte überwiegend außerhalb der USA, wo wegen hoher Zölle schon in Trumps erster Amtszeit Verluste entstanden. Dies führte zu veränderten Handelsströmen. Grundlage bildet eine UN-Datenbank mit Handelszahlen von mehr als 170 Ländern.

Handlungsdruck für Deutschland und EU

Um den Wettbewerb nicht zu verlieren, müsse die EU den Binnenmarkt ausbauen, da noch immer nationale Vorschriften dominieren, so der vfa. Für Deutschland heiße das: schneller werden bei Schlüsseltechnologien und eine große Investitionsstrategie in Infrastruktur, Forschung und Industrie starten, damit Deutschlands Weltmarktanteile nicht weiter zurückfallen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Die Elektroauto-Euphorie ist vorbei: Jetzt kommt die Rechnung
07.03.2026

Abschreibungen in Höhe von rund 50 Milliarden Euro, gestoppte Projekte und eine strategische Kehrtwende zurück zum Verbrennungsmotor: Die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Druschba-Stopp erhöht Druck: Adriatische Pipeline als Ausweichroute
07.03.2026

Nach dem Stopp der Druschba-Pipeline rückt Kroatiens Adriatische Ölpipeline als alternative Route für Ungarn und die Slowakei in den...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Nvidia-Aktie im Fokus: Jensen Huang stellt OpenAI-Investitionen infrage
06.03.2026

Die Nvidia-Aktie steht im Fokus, nachdem Konzernchef Jensen Huang weitere Milliardeninvestitionen in das KI-Unternehmen OpenAI infrage...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU verschärft Aufsicht: Kampf gegen unfaire Praktiken im Agrarhandel
06.03.2026

Die EU verschärft ihre Regeln gegen unfaire Handelspraktiken in der Agrar- und Lebensmittelkette und stärkt die Zusammenarbeit der...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Hebamme statt Sterbebegleiter: Wie der Berliner VC-Fonds seed + speed Ventures europäische KI-Start-ups groß macht 
06.03.2026

Neun von zehn Start-ups liefern Durchschnitt – doch das eine Start-up kann alles verändern. Der Berliner VC-Fonds seed + speed Ventures...

DWN
Politik
Politik Iran-Krieg spitzt sich zu: Wie real sind Bürgerkrieg und Atomrisiken?
06.03.2026

Der Krieg gegen den Iran entwickelt sich zu einem geopolitischen Konflikt mit weitreichenden Folgen für Machtstrukturen im Nahen Osten,...

DWN
Politik
Politik Mehr Flexibilität für Kliniken: Bundestag verabschiedet Anpassungen zur Krankenhausreform
06.03.2026

Der Bundestag hat nach monatelangen Verhandlungen weitreichende Änderungen an der umstrittenen Krankenhausreform beschlossen. Das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ölförderung im Wattenmeer vorerst erlaubt – Gericht gewährt Betrieb Fortsetzung
06.03.2026

Die Ölproduktion auf der Bohrinsel Mittelplate im schleswig-holsteinischen Wattenmeer kann vorerst weiterlaufen. Das...