Politik

Polestar-Aktie: Elektroautobauer fordern Festhalten am EU-Ziel für null Emissionen

Polestar und Volvo Cars fordern von der EU ein Festhalten am Nullemissionsziel bis 2035. Während Mercedes-Benz unter Druck gerät, stärkt Polestar seine Position auf dem Markt. Was das für die Zukunft der Polestar-Aktie und Europas Autoindustrie bedeutet.
10.09.2025 14:05
Lesezeit: 2 min

Polestar-Aktie kontra Mercedes: Streit um Klimaziele spitzt sich zu

Mehr als 150 Manager europäischer Elektroautohersteller, darunter Polestar und Volvo Cars, appellieren an die EU-Kommission: Das Ziel, den Verkauf neuer Benzin- und Dieselautos ab 2035 zu verbieten, dürfe nicht aufgegeben werden. In einem am Montag an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gesendeten Brief schreiben die Unternehmen, dass es ein erhebliches Risiko darstelle, das Ziel der Nullemissionen bis 2035 aufzuweichen.

Der europäische Markt für Elektroautos werde ausgebremst, sollte das Ziel verschoben werden – was sowohl außereuropäischen Konkurrenten einen Vorsprung verschaffen als auch das Vertrauen der Investoren untergraben würde, so die Unternehmen. „Das würde nicht nur dem Klima schaden. Es würde auch Europas Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen“, erklärte Polestar-CEO Michael Lohscheller gegenüber Reuters.

Europäische Autoindustrie vor entscheidender Wegmarke

Laut einem neuen Bericht der Interessenorganisation Transport & Environment (T&E) liegt die europäische Autoindustrie im Plan, ihre Ziele für die Jahre 2025 bis 2027 zu erreichen, und verkaufte allein in den ersten sieben Monaten des Jahres 38 Prozent mehr Elektroautos. In dem Bericht sticht ein Unternehmen hervor: Mercedes-Benz. Es ist der einzige Hersteller, der die Emissionsreduktionsziele nicht eigenständig erreichen kann.

Mercedes-Benz müsste Emissionsgutschriften von Volvo Cars und Polestar kaufen, um seine Verpflichtungen zu erfüllen. Gleichzeitig gehörte Mercedes-Benz zusammen mit anderen europäischen Auto- und Zulieferverbänden zu den Unterzeichnern eines anderen Briefes, der erst im August an die EU-Kommission geschickt wurde. Darin argumentierten die Unternehmen, dass eine 100-prozentige Reduktion bis 2035 nicht mehr realisierbar sei.

Folgen für den Elektroautomarkt

T&E stellt zudem fest, dass die frühere Entscheidung der EU, den Autoherstellern drei Jahre Zeit zu geben, um die Emissionsziele zu erreichen, dazu führen wird, dass zwischen 2025 und 2027 rund zwei Millionen Elektroautos weniger verkauft werden.

Für die deutsche Autoindustrie, insbesondere für Konzerne wie Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz, hat die Diskussion unmittelbare Auswirkungen. Während Polestar und Volvo Cars mit ambitionierten Zielen ihre Position auf dem Elektroautomarkt stärken und damit die Polestar-Aktie ins Rampenlicht rücken, steht Mercedes-Benz unter Druck. Sollte die EU am Nullemissionsziel festhalten, könnten deutsche Hersteller gezwungen sein, Kredite von Wettbewerbern wie Polestar zu erwerben – ein Signal, das Investoren aufmerksam beobachten.

Die Polestar-Aktie profitiert von der klaren Positionierung des Unternehmens für den emissionsfreien Wandel. Während Teile der europäischen Autoindustrie Zweifel am 2035-Ziel anmelden, stärkt Polestar durch sein Engagement für strikte Klimavorgaben seine Wettbewerbsfähigkeit und seine Wahrnehmung am Kapitalmarkt. Für Investoren bleibt die Frage, ob die EU am Kurs festhält – und ob deutsche Hersteller Schritt halten können.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Rechnungen digitalisieren: Wie Unternehmen Liquidität und Cashflow smarter steuern

Umsatz bedeutet noch keine gesicherte Liquidität. Zwischen der erbrachten Leistung und dem tatsächlichen Eingang des Geldes können...

DWN
Politik
Politik Russische Atomtechnik in Deutschland: Was hinter der umstrittenen Kooperation in Lingen steckt
25.07.2026

Die Genehmigung für eine Brennelementefertigung mit russischer Technologie in Niedersachsen wirft weitreichende Fragen auf. Während...

DWN
Finanzen
Finanzen KI und Geldpolitik: Warum die Fed vor einem Zinsdilemma steht
25.07.2026

Künstliche Intelligenz soll die Produktivität steigern und die Inflation bremsen. Doch ausgerechnet der milliardenschwere KI-Boom könnte...

DWN
Politik
Politik Milliardäre besteuern: Die Buchwert-Falle
25.07.2026

Berlin streitet über das Erbe und das Geld der Reichsten. Doch die vermeintliche Lösung des Fiskus entpuppt sich als Sprengsatz für die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Renault Clio im Test: Fast nicht wiederzuerkennen, aber deutlich teurer
25.07.2026

Der neue Clio ist größer, eleganter, technologisch fortschrittlicher und auch teurer als früher. In der bestausgestatteten Version...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Dieselknappheit: Der Welt geht der Treibstoff aus
25.07.2026

Nicht nur Rohöl wird zum geopolitischen Druckmittel. Zerstörte Raffinerien, leere Lager und neue Drohungen der Huthi gefährden zunehmend...

DWN
Finanzen
Finanzen Kreditkarten vor dem Aus: Mastercard plant den radikalen Umbau
25.07.2026

Kreditkartennummern könnten beim Onlinekauf schon bald der Vergangenheit angehören. Mastercard will Europas digitale Zahlungen bis 2030...

DWN
Panorama
Panorama Sinkende Geburtenrate: Wie Smartphones die Menschheit schrumpfen lassen
25.07.2026

Je stärker sich Smartphones verbreiten, desto weniger Kinder werden geboren. Eine neue Untersuchung zeigt, wie digitale Kontakte...

DWN
Immobilien
Immobilien Neues Heizungsgesetz: Was das Gebäudemodernisierungsgesetz für Eigentümer und Mieter bedeutet
25.07.2026

Die Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz hat eines der umstrittensten Gesetzesvorhaben der jüngeren deutschen Geschichte...