Politik

Putin-Vermögen als Ukrainehilfe: EU prüft Milliarden-Darlehen aus eingefrorenen russischen Vermögenswerten

Die EU prüft, wie eingefrorene russische Vermögenswerte als Unterstützung für die Ukraine genutzt werden können. Dabei soll ein langfristiges Darlehen bereitgestellt und gleichzeitig die rechtliche sowie finanzielle Stabilität der Union gewahrt bleiben. Das Vorhaben erfordert eine enge Abstimmung der Mitgliedstaaten und zielt auf eine effiziente, sichere Umsetzung ab.
02.10.2025 17:17
Lesezeit: 2 min
Putin-Vermögen als Ukrainehilfe: EU prüft Milliarden-Darlehen aus eingefrorenen russischen Vermögenswerten
Christine Lagarde von der EZB warnt vor Risiken bei der Nutzung des Putin-Vermögens für die Ukrainehilfe (Foto: dpa) Foto: Arne Dedert

Plan zur Nutzung des Putin-Vermögens

Die Idee ist, einen Teil des in Belgien überwiegend verwahrten Putin-Vermögens für ein Darlehen von rund 140 Milliarden Euro an die Ukraine zu verwenden. Gleichzeitig sollen neue Euroanleihen ohne Zinsen in gleicher Höhe ausgegeben werden, wobei die EU-Länder als Garantien auftreten. Vereinfacht gesagt würde Russlands Anspruch auf Bargeld gegen einen Anspruch auf Anleihen getauscht, abgesichert durch die EU. EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis betonte, dass die Ukraine das Darlehen erst nach Kriegsende zurückzahlen muss, sobald Russland Kriegsentschädigungen leisten wird. Auf diese Weise könnten die eingefrorenen Gelder genutzt werden, ohne dass eine direkte Konfiszierung erfolgt, während gleichzeitig die Unterstützung für die Ukraine langfristig gesichert wird.

Die Umsetzung hängt sowohl von der EU-Kommission als auch von den Mitgliedstaaten ab. Den Botschaftern der 27 Länder wurde ein Non-Paper vorgelegt, das die Verwendung der eingefrorenen Milliarden als „Kriegsentschädigungsdarlehen“ beschreibt. Sowohl in der Kommission als auch im Ministerrat wird betont, dass eine Lösung angestrebt wird, die juristische und finanzielle Risiken für die EU und einzelne Länder minimiert. Bei einer ersten Debatte in Brüssel zeigte sich breite Unterstützung unter den Botschaftern. Die weiteren Schritte umfassen die detaillierte Ausarbeitung technischer Aspekte und die Koordination mit den G7-Staaten. Neben dem EU-Gipfel in Kopenhagen ist auch ein Treffen der Finanzminister geplant, um das Modell weiter zu prüfen und die Umsetzung abzustimmen.

Unterstützung und internationale Abstimmung

Mehrere Mitgliedstaaten, darunter Deutschland und Frankreich, unterstützen die Idee, das Putin-Vermögen für die Ukrainehilfe zu nutzen, um den Prozess zu beschleunigen. Bundeskanzler Merz bekräftigte seine Zustimmung in der Financial Times, während Frankreich grundsätzlich positiv reagiert, sofern die rechtlichen Herausforderungen lösbar sind. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erwähnte das Vorhaben in ihrer Rede zur Lage der Union. Auch Großbritannien arbeitet parallel an einem vergleichbaren Modell für rund 25 Milliarden US-Dollar eingefrorenes russisches Vermögen. Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank, betonte, dass alle internationalen Regeln eingehalten werden müssen und die Stabilität des Euro gewahrt bleiben soll, bevor das Putin-Vermögen tatsächlich eingesetzt wird. Die Verwaltung der eingefrorenen Vermögen liegt vor allem bei Euroclear in Belgien, wodurch das Land und die Institution besonders exponiert sind. Belgien verlangt daher eine 100-prozentige rechtliche und finanzielle Absicherung, um möglichen russischen Gegenmaßnahmen oder Klagen vorzubeugen. Zudem besteht Unsicherheit über die Dauer der EU-Sanktionen, die alle sechs Monate erneuert werden. Sollte ein Mitgliedstaat die Verlängerung blockieren, könnte Russland die Freigabe seines Vermögens fordern. Die EU-Kommission prüft daher, ob Sanktionen künftig mit qualifizierter Mehrheit beschlossen werden können, was selbst Einstimmigkeit der Mitgliedstaaten erfordert.

Was das für Deutschland bedeutet

Die Pläne der EU, das eingefrorene Putin-Vermögen für die Ukrainehilfe einzusetzen, sind ein bedeutender Schritt in der europäischen Finanz- und Sicherheitspolitik. Deutschland spielt dabei eine zentrale Rolle, um rechtliche Risiken zu minimieren, die Stabilität des Euro zu sichern und die Wirksamkeit der Unterstützung für die Ukraine zu gewährleisten. Eine koordinierte Umsetzung stärkt die Glaubwürdigkeit der EU und die internationale Solidarität gegenüber der Ukraine. Zugleich unterstreicht das Vorhaben die Bedeutung gemeinsamer europäischer Strategien in Krisenzeiten und zeigt, wie die EU wirtschaftliche Mittel effektiv mobilisieren kann, um geopolitische Ziele zu unterstützen.

Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Märkte in Aufruhr: Trumps Einfluss und die Risiken in Venezuela treiben XRP zu einem beispiellosen Höhenflug.

Trotz der zunehmenden Spannungen zwischen Washington und Caracas eröffneten US-Aktien leicht im Plus. Der Markt betrachtet die aktuelle...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Kurs steigt auf Rekordhoch: Inflation, Fed-Konflikt und Verfallstag im Fokus
13.01.2026

Der DAX-Kurs bekommt Rückenwind aus den USA und hat ein neues Allzeithoch markiert. Doch zwischen Berichtssaison, Fed-Konflikt und...

DWN
Finanzen
Finanzen Geopolitik treibt die Ölpreise aktuell weiter nach oben – Brent-Öl auf dem höchsten Niveau seit Oktober
13.01.2026

Die Ölpreise stehen erneut im Fokus der Märkte, nachdem geopolitische Spannungen und politische Signale die Notierungen antreiben....

DWN
Politik
Politik US-Handelspolitik: Wie Trumps Zollpolitik die Weltwirtschaft belastet
13.01.2026

Die Weltwirtschaft tritt in eine Phase wachsender Unsicherheit ein, in der politische Eingriffe und strukturelle Verschiebungen...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen zwischen Stabilität und Risiko: Ruhige Märkte trotz wachsender Unsicherheiten
13.01.2026

Die US-Börsen sind mit bemerkenswerter Ruhe ins neue Jahr gestartet, obwohl geldpolitische Weichenstellungen, geopolitische Risiken und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Munich Re-Erhebung: Klimawandel lässt Schäden durch Naturkatastrophen steigen
13.01.2026

Extreme Wetterereignisse verursachen weltweit Milliardenschäden, doch nicht jede Katastrophe trifft wie erwartet. Neue Analysen eines...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Zukunft: Der Balanceakt zwischen Wettbewerb, Sicherheit und Nachhaltigkeit
13.01.2026

Die Europäische Union steht vor industriellen Umbrüchen und geopolitischen Verschiebungen. Kann Europa Wettbewerbsfähigkeit, Sicherheit...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Quiet-Firing: Wann Sie ein Unternehmen verlassen sollten
13.01.2026

Kündigungen kommen selten überraschend – oft kündigen sie sich leise an. Wer die feinen Veränderungen im Verhalten von Vorgesetzten...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie im Fokus: Absatzdämpfer bei der Volkswagen-Kernmarke
13.01.2026

Sinkende Verkaufszahlen, regionale Unterschiede und ein schwacher Elektroabsatz setzen die Volkswagen-Kernmarke unter Druck. Während...