Finanzen

KGHM-Aktie aktuell: Warum der Kupfer-Boom jetzt zur globalen Gefahr wird

Die Kupferpreise steigen schneller als jede Prognose und die KGHM-Aktie jagt von Rekordhoch zu Rekordhoch. Doch Analysten preisen nun erstmals ein globales Förderdefizit ein. Angebotsausfälle, technische Probleme und eine neue Welle chinesischer Nachfrage bilden ein explosives Gemisch. Was das genau für Anleger heißt und wie es mit der KGHM Polska Miedz-Aktie aktuell weitergeht.
16.12.2025 12:15
Lesezeit: 3 min

KGHM-Aktie aktuell: Preisdruck auf Kupfer treibt Aktienkurs an

Am Montag ist der Aktienkurs des polnischen Kupferkonzerns KGHM kräftig nach oben geklettert. An der polnischen Börse in Warschau setzen die Papiere den Aufwärtstrend auch am Dienstag weiter fort, derzeit notiert die KGHM-Aktie aktuell bei annähernd 250 Zloty erneut auf Rekordniveau – gegenüber dem Vortagesschlusskurs keine Veränderung. Der starke Aufwärtstrend hält bereits seit vielen Monaten an. Seit Jahresbeginn hat die KGHM Polska Miedz-Aktie damit ihren Wert mehr als verdoppelt, das Plus beträgt über 110 Prozent.

Doch Anleger sollten nun in Habachtstellung sein: Der Markt rechnet damit, dass technische Einschränkungen im kommenden Jahr rund zwei Prozent der weltweiten Förderung ausfallen lassen. Bei gleichzeitig steigender Nachfrage könnte das Defizit auf 150.000 Tonnen wachsen. Das berichten die polnischen DWN-Kollegen von Puls Biznesu.

KGHM Polska Miedz-Aktie folgt dem Kupferpreis

Analysten sehen den Kursanstieg der KGHM-Aktie als direkte Folge der schnell steigenden Kupferpreise. Diese wiederum spiegeln die wachsende Furcht wider, dass die weltweite Produktion den Bedarf bald nicht mehr decken kann. "Die Entwicklung der KGHM-Aktie bestätigt die Annahme, dass der Markt beginnt, das Defizit im Kupfersektor einzupreisen, das uns im Jahr 2026 erwartet. Dieses Defizit lässt sich auf rund 150.000 Tonnen schätzen", erklärt Jakub Sargsyan, Analyst beim Brokerhaus mBank. Nach seiner Einschätzung heizen zahlreiche neue Berichte und Empfehlungen die Stimmung zusätzlich an. Ein Beispiel ist eine Analyse der UBC Bank, die für das kommende Jahr einen Zielpreis von 12,5 bis 13 Dollar je Tonne Kupfer nennt. Der aktuelle Preis liegt bei 11.500 bis 11.700 Dollar.

"Die KGHM-Aktie hat gegenüber dem aktuellen Kupferpreis noch Aufholpotenzial. Gleichzeitig gehen wir davon aus, dass sich die Preise von den derzeitigen Niveaus in Richtung 11.000 Dollar je Tonne an der Londoner Metallbörse normalisieren könnten", sagt Michał Kozak, Analyst beim Brokerhaus Trigon. Jüngste Bewertungen bestätigen weiteren Spielraum für die KGHM-Aktie. JP Morgan hob das Kursziel auf 265 Zloty an, während das Brokerhaus Pekao sogar 287,70 Zloty nennt. Dies sind die höchsten bisherigen Zielwerte für die Aktie. Noch im November galten die Kupferpreise als unterschätzt. Die Preise für das kommende Jahr unterschieden sich kaum von den Spotpreisen. Der Markt erkannte die drohende Verknappung nicht. Erst jetzt wird sie eingepreist. "Der Markt passt sich neuen Erwartungen an, die davon ausgehen, dass die Kupferpreise im Jahr 2026 höher sein werden", ergänzt Sargsyan. Das stärkt auch die KGHM-Aktie. "Wenn die Spotpreise stabil bleiben, dürfte KGHM weiter zulegen. Allerdings befindet sich der Markt derzeit in einer Phase starker Spekulation, weshalb die Situation sehr volatil bleiben kann", erklärt Kozak. Auch das teurer werdende Gold und Silber begünstigt den Konzern.

Technische Probleme, sinkende Förderung und steigende Nachfrage

Die Sorge um das globale Angebot verstärkte sich nach dem Unglück in der indonesischen Grasberg-Mine, einer der größten der Welt, wo ein Erdrutsch die Produktion bis zur Jahresmitte 2026 stoppte. "Zusätzlich gibt es technische Einschränkungen in anderen Förderregionen. Insgesamt könnten diese Faktoren im Jahr 2026 rund zwei Prozent der Weltproduktion ausfallen lassen. Das ist kurzfristig kaum ersetzbar und führt zu einer erheblichen Schieflage zwischen Angebot und Nachfrage", warnt Kozak. Analysten verweisen auf sinkende Produktion in Chile und geringere Liefermengen chinesischer Hütten. Diese kritisierten zuletzt niedrige Schmelzentgelte und kündigten Produktionskürzungen von zehn Prozent an. Zudem mehren sich Stimmen, die von einem strukturellen Problem sprechen, das über individuelle Minenstandorte hinausgeht. Neue Förderstätten wären notwendig, doch deren Entwicklung benötigt viele Jahre. Parallel zu den Angebotsengpässen steigt der Bedarf deutlich. "Der höhere Bedarf kommt vor allem aus China aufgrund großer Investitionen in neue Rechenzentren sowie Projekte im Bereich erneuerbare Energien", erläutert Sargsyan.

Deutschland zählt zu den größten Industrie- und Maschinenbaumärkten der Welt und ist einer der wichtigsten Nachfrager von Kupfer in Europa. Die mögliche Verknappung und die steigenden Preise dürften daher auch deutsche Unternehmen betreffen, insbesondere Hersteller von Elektrokomponenten, Leitungen und Maschinen.

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