Technologie

Wero soll PayPal Konkurrenz machen – und Europa weiter vom Bargeld entfernen

Der europäische Bezahldienst Wero steht kurz vor dem Start im Online-Shopping. Noch in diesem Herbst sollen Kundinnen und Kunden erstmals damit im Internet bezahlen können, wie der bayerische Sparkassenverband in München mitteilte. Ab 2026 oder 2027 soll Wero dann auch im stationären Handel verfügbar sein – ein weiterer Schritt hin zu einem europäischen Konkurrenzangebot zu US-Bezahldiensten.
08.10.2025 07:05
Lesezeit: 2 min
Wero soll PayPal Konkurrenz machen – und Europa weiter vom Bargeld entfernen
Europäischer Bezahldienst Wero soll diesem Herbst im E-Commerce verfügbar werden (Foto: dpa). Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Europäisches Pendant zu PayPal

Der von der European Payment Initiative im Sommer 2024 ins Leben gerufene Bezahldienst ist bisher in Frankreich, Deutschland und Belgien verfügbar und bietet nach dem Muster des US-Konkurrenten Paypal direkte mobile Geldzahlungen von Mensch zu Mensch an. Nach Worten Proßers hat Wero mittlerweile insgesamt 43 Millionen Nutzer, davon 1,3 Millionen bei den deutschen und knapp 200.000 bei den bayerischen Sparkassen.

Appell an den europäischen Patriotismus

In den nächsten Monaten hoffen die kommunalen Banken jedoch auf deutlichen Zuwachs, zum Teil getrieben durch die Hoffnung auf europäischen Verbraucherpatriotismus. „Unabhängig und souverän würde ich gerne als Schlagwort hier für Sie noch nennen“, sagte Proßer mit Blick auf die wachsende Entfremdung von den USA und die bisherige starke Präsenz von US-Unternehmen im digitalen Zahlungsverkehr.

Dass sich bereits eine ganze Reihe digitaler Bezahldienste - und keineswegs nur US-Unternehmen - im E-Commerce tummeln, sehen die Sparkassen offenkundig nicht als großes Problem. Denn auch die Kosten sollen sehr niedrig sein: „Wenn wir es mit Kreditkarten oder sonstigen Zahlungsverkehrsanbietern vergleichen, dann sind die Werte bei Wero zwischen 80 und 75 Prozent günstiger“, sagte Proßer.

Wero bisher nicht sehr bekannt

Der Bezahldienst ist eine Schöpfung der European Payments Initiative (EPI), einem Zusammenschluss mehrerer großer europäischer Banken und Bankengruppen. In Deutschland beteiligt sind neben den Sparkassen unter anderem noch die Volksbanken, Deutsche Bank und Postbank. Ein von der Europäischen Zentralbank verfolgtes - und von vielen Geschäftsbanken mit Misstrauen beäugtes - weiteres europäisches Projekt ist der digitale Euro, der jedoch erst in einigen Jahren verfügbar sein soll.

Laut einer Umfrage des Portals Verivox aus dem August hatte bis dahin die große Mehrheit der gut 1.000 Befragten noch nicht von Wero gehört. „Zur echten Paypal-Alternative kann Wero nur dann heranwachsen, wenn das Bezahlverfahren in Online-Shops möglichst flächendeckend angeboten wird“, kommentierte Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. Wenn künftig auch Zahlungen an der Ladenkasse mit Wero möglich wären, könnte der europäische Bezahldienst den Verbraucherinnen und Verbrauchern nach Einschätzung des Managers tatsächlich einen Mehrwert bieten.

Kreditvergabe nimmt wieder zu - aber noch keine Trendwende

Für die bayerischen Sparkassen verläuft das Jahr ungeachtet der anhaltenden Wirtschaftsflaute bisher zufriedenstellend. Die Kreditvergabe - die wichtigste Einnahmequelle - hat nach Worten von SVB-Präsident Matthias Dießl in diesem Jahr um über ein Viertel (25,9 Prozent) zugelegt, allerdings ausgehend von einem schwachen Vorjahr.

Auch die Unternehmen haben demnach wieder deutlich mehr Kredite beantragt, die Firmendarlehen legten um 22,2 Prozent auf knapp elf Milliarden Euro zu. Doch das ist nach Einschätzung Dießls kein Beleg für ein Ende der seit drei Jahren anhaltenden Konjunkturflaute: „Die Sparkassen berichten uns auch, dass es jetzt keine allzu großen Zukunftsinvestitionen sind im Sinne von „Ich traue mir etwas ganz Neues zu“, sagte der SVB-Präsident.

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