Unternehmen

"Die Modernisierung der Bahn ist ein Marathon, kein Sprint": Neue Bahnchefin mit großen Pläne

Die neue Chefin der Deutschen Bahn, Evelyn Palla, will den Konzern komplett umbauen und die Qualität des bundeseigenen Unternehmens so deutlich verbessern. "Wir drehen den Konzern auf links: Ich setze auf einen kompletten Neuanfang", sagte Palla der "Bild am Sonntag". "Dafür müssen wir alles anders machen als vorher." Bahnkunden bitte sie aber auch um Geduld. Ihre Pläne beinhalten: Mehr Macht für Mitarbeitende vor Ort, weniger Bürokratie – und Schluss mit schmuddeligen Zügen. Was das für das Management und Reisende bedeutet.
20.10.2025 10:02
Aktualisiert: 20.10.2025 10:17
Lesezeit: 2 min

Erste Frau am Steuer des bundeseigenen Konzerns

Mit der gebürtigen Südtirolerin steht erstmals eine Frau an der Spitze des bundeseigenen Bahn-Konzerns. Am 1. Oktober hatte sie den Posten von Richard Lutz übernommen, der den Konzern fast acht Jahre lang führte, zuletzt aber keine Trendwende mehr einleiten konnte. Von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hat sie mit der neuen Bahn-Strategie des Bundes klare Vorgaben ins Aufgabenheft bekommen: Der Fokus liegt darin auf mehr Zuverlässigkeit, mehr Sicherheit und mehr Sauberkeit. Mit drei Sofortprogrammen soll zum Beispiel schon im kommenden Jahr der Komfort für Reisende im Fernverkehr verbessert werden.

Modernisierung der Bahn ist ein Marathon

Viele unzufriedene Bahnkunden dürften sehnlichst auf Erfolge bei der Sanierung des Unternehmens hoffen. Im ersten Halbjahr war beispielsweise mehr als ein Drittel der Fernzüge der Bahn unpünktlich unterwegs. "Leider müssen wir unsere Kundinnen und Kunden um Geduld bitten", sagte sie allerdings der «Bild am Sonntag». "Die Modernisierung der Bahn ist ein Marathon, kein Sprint."

Schmutzige Züge, schmuddelige Bahnhöfe und geschlossene, defekte Bordbistros soll es nach ihren Worten in Zukunft nicht mehr geben: "Unsere Züge und Bahnhöfe sind unsere Visitenkarte. Das Ziel ist ganz klar: Ich werde mich um mehr Sauberkeit und Komfort kümmern. Es soll in den Zügen einfach so angenehm wie möglich sein." Für Bahnkunden soll es einen digitalen "Baustellen-Melder" geben, um die Reise besser planen zu können.

Das selbstgesteckte Pünktlichkeitsziel von 65 bis 70 Prozent im laufenden Jahr wird die Bahn eigenen Angaben zufolge aller Voraussicht nach verfehlen. Minister Schnieder hatte dieses Ziel jüngst ohnehin als realitätsfern und unerreichbar kritisiert. Das Ziel des Bundes sieht nun eine Pünktlichkeit von mindestens 70 Prozent erst für Ende 2029 vor. Neben Vandalismus und Sabotageakten sind vor allem die marode Infrastruktur und das umfangreiche Baugeschehen ursächlich für Verspätungen.

Mit umfangreichen Generalsanierungen sollen bis 2036 rund 40 besonders wichtige und hochbelastete Strecken grundlegend modernisiert werden. Die Bahn erhofft sich danach deutlich weniger Störungen auf den Strecken und damit einen zuverlässigeren Betrieb.

Weniger Bürokratie in der Verwaltung

Palla kündigte auch Veränderungen für die Chefetage und Top-Manager an: "Mein Anspruch ist, weniger Bürokratie bei der Bahn und deutlich mehr Raum für Macherinnen und Macher zu schaffen. Entscheidungen werden zukünftig dort getroffen, wo die Verantwortung liegt, und nicht drei Etagen höher." Sie werde "jeden Job auf den Mehrwert für unsere Kunden" überprüfen. "Die Verwaltung muss dem Eisenbahner dienen." Die "Macher vor Ort" sollen demnach künftig die Entscheider im Unternehmen sein. "Sie sind das Rückgrat unseres Unternehmens. Auch sie verdienen einen Neuanfang."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Chip-Ausverkauf zieht Nasdaq-Titel nach unten
23.06.2026

Erfahren Sie, welche Faktoren die Technologiewerte unter Druck setzen und wo Anleger jetzt noch Chancen sehen.

DWN
Politik
Politik Putin: "Nato bereitet sich auf Krieg mit uns vor"
23.06.2026

Wladimir Putin wirft der Nato offen Kriegsvorbereitungen gegen Russland vor und kritisiert die steigenden Militärausgaben im Westen. Seine...

DWN
Finanzen
Finanzen Urlaubseuro 2026: In diesen Ländern bekommen Sie am meisten Urlaub für Ihr Geld
23.06.2026

100 Euro klingen nach 100 Euro, doch im Urlaub entscheidet das Reiseziel über ihren wahren Wert. Eine neue Analyse zeigt, wo Reisende 2026...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Warum wird in deutschen Geschäften so brutal viel geklaut?
23.06.2026

Der Einzelhandel klagt über steigende Verluste durch Diebstahl. Welche Produkte besonders begehrt sind, wie sich Händler dagegen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kleinunternehmer kürzen Gehalt statt Kredit aufzunehmen
23.06.2026

Fast jeder zweite Selbstständige in Europa verzichtet auf Lohn, um unabhängig zu bleiben. Was steckt hinter dem Stolz, auf Kredite zu...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Minijob 2026: Rückkehr in die Rentenversicherung möglich – was zu beachten ist
23.06.2026

Wer sich als Minijobber von der Versicherungspflicht befreien ließ und bislang keinen Eigenanteil für die Rentenversicherung zahlt, kann...

DWN
Politik
Politik Rentenreform trifft fast alle Deutschen
23.06.2026

Die Rentenkommission hat 33 Empfehlungen erarbeitet – und die Regierung will das Konzept vollständig umsetzen. Was kommt damit auf die...

DWN
Politik
Politik "Nichtstun ist keine Option": Merz will alle Renten-Pläne der Kommission umsetzen
23.06.2026

33 Vorschläge hat eine 13-köpfige Kommission für eine große Rentenreform vorgelegt. Der Kanzler stellt sich zu 100 Prozent hinter die...