Technologie

KI im Fokus: Wie Künstliche Intelligenz das Gesundheitswesen günstiger machen könnte

Künstliche Intelligenz verändert das Gesundheitswesen und könnte Diagnosen schneller und kostengünstiger machen. Besonders in der Radiologie zeigt sich, wie KI Routinetätigkeiten übernehmen kann. Gleichzeitig werfen erste Erfahrungen Fragen zu Effizienz, Kosten und Personalbedarf auf.
22.10.2025 16:03
Lesezeit: 4 min
KI im Fokus: Wie Künstliche Intelligenz das Gesundheitswesen günstiger machen könnte
KI eröffnet neue Chancen und Herausforderungen im Gesundheitswesen (Foto: dpa) Foto: Fabian Sommer

Wie Künstliche Intelligenz das Gesundheitswesen günstiger machen könnte

Zwei Geschichten verdeutlichen, wie Künstliche Intelligenz (KI) das Gesundheitswesen verändern kann. Die erste spielt in Slowenien: Kardiologen des diagnostischen Zentrums Bled haben Ultraschallbilder des Herzens in ChatGPT hochgeladen.

Das Ergebnis war beeindruckend: Selbst ein so allgemeines KI-Modell wie ChatGPT lieferte in 99 Prozent der Fälle Diagnosen, die mit denen der Ärzte übereinstimmten. Zvone Novina, Generaldirektor des Zentrums, betont jedoch, dass dies kein offizieller Test war, sondern eher ein spielerisches Experiment.

Die zweite Geschichte zeigt einen medizinischen Durchbruch im Ausland: Ein KI-gesteuerter Roboter entfernte in diesem Jahr die Gallenblase eines toten Schweins, ohne menschliches Eingreifen.

Dies war die erste realistische Operation, die komplett vom Roboter durchgeführt wurde. Er lernte sowohl normale Abläufe als auch mögliche Komplikationen zu bewältigen. Die Operation wurde achtmal durchgeführt, jeweils mit vollem Erfolg.

Diese Beispiele werfen die Frage auf, wie und wo KI im Gesundheitswesen zunächst eingesetzt werden kann, um die Versorgung effizienter und kostengünstiger zu machen. Radiologen gelten dabei als besonders relevante Zielgruppe, da sie hohe Kosten verursachen und gleichzeitig Aufgaben übernehmen, die KI zunehmend automatisieren könnte.

Radiologen als erste Zielgruppe

Radiologen sind in der medizinischen Praxis oft die Ärzte, die kaum direkten Patientenkontakt haben. Sie analysieren Bilder und erstellen Diagnosen. Doch wie lange wird diese Position noch unangetastet bleiben?

Die Diskussion über KI in der Radiologie ist ein systemisches Thema. Es betrifft die Planung von Spezialgebieten, die Kosten im Gesundheitswesen und den Zugang zu medizinischen Leistungen. Zentral ist auch die Frage, wer von KI profitieren wird: die Ärzte selbst, die Einrichtungen oder die Steuerzahler.

Geoffrey Everest Hinton, einer der Vordenker der KI, warnte Radiologen bereits vor zehn Jahren: Radiologen seien wie ein „Kojote, der schon über die Klippe geht, es aber nicht merkt“.

Hinton riet damals, die Ausbildung von Radiologen zu reduzieren, da KI zunehmend deren Aufgaben übernehmen würde. Zwar haben sich die Vorhersagen nicht unmittelbar erfüllt, doch der Kern seiner Aussage, dass KI das Lesen von Bildern erheblich verändern wird, bleibt relevant.

Status quo der KI-Einführung

Die Implementierung von KI-Tools im Gesundheitswesen ist komplex und teuer. Gleichzeitig ist bei Ärzten oft Widerstand spürbar, da KI potenziell ihre Arbeit ersetzt. Laut Science Direct ist Radiologie das erste Feld, auf das heutige KI-Anwendungen abzielen, da hier große Datenmengen für die Entwicklung von Algorithmen verfügbar sind.

Bis Ende 2024 waren 76 Prozent der von der US-Gesundheitsbehörde FDA zugelassenen KI-Anwendungen für die Radiologie bestimmt. Die hohen Gehälter der Radiologen fördern zudem die Suche nach Automatisierungslösungen. Schwedische Studien zeigen bereits heute, dass KI einen von zwei Radiologen in der Brustkrebsdiagnostik sicher ersetzen kann.

KI übertrifft Radiologen in bestimmten Bereichen

Moderne KI-Systeme erreichen bei radiologischen Aufgaben heute oft die Qualität von erfahrenen Radiologen oder übertreffen sie sogar. Beispiele aus Studien zeigen:

  • In Südkorea entdeckten Radiologen, die von KI unterstützt wurden, 13,8 Prozent mehr Brustkrebserkrankungen als Radiologen ohne Unterstützung.

  • In Finnland erzielten zwei KI-Algorithmen bei der Analyse muskuloskelettaler Bilder eine Genauigkeit von 89 Prozent, vergleichbar mit erfahrenen Radiologen.

  • Bei Thoraxröntgenbildern bewerteten 75 Prozent der Radiologen KI-Diagnosen als gleichwertig oder besser als menschliche Bewertungen.

Diese Entwicklungen lassen vermuten, dass künftig weniger Radiologen benötigt werden.

Radiologische Versorgung in Slowenien

Radiologische Leistungen werden in Slowenien nicht nur von Radiologen erbracht, sondern auch von medizinischem Personal, Radiologie-Ingenieuren, Verwaltungspersonal sowie teils von Pharmazeuten und Anästhesisten.

Im Jahr 2024 zahlte die slowenische Krankenkasse ZZZS für ambulante radiologische Leistungen 157,4 Millionen Euro, was etwa ein Fünftel aller Ausgaben für ambulante Facharztbehandlungen (853 Millionen Euro) entspricht. Zum Vergleich: Dies entspricht etwa den geschätzten Kosten für den Bau der neuen Infektionsklinik in Ljubljana inklusive medizinischer Ausstattung.

Die Kosten stiegen in den letzten zehn Jahren fünfmal schneller als das Arbeitsvolumen. Von den 157 Millionen Euro entfielen 107 Millionen auf öffentliche Einrichtungen, 50 Millionen auf private Anbieter mit Konzession.

Öffentliche Einrichtungen erbringen damit 83 Prozent der ambulanten Leistungen, während private Anbieter vor allem besser bezahlte Leistungen wie MRT durchführen.

Gehälter und Anzahl der Radiologen

Die durchschnittlichen jährlichen Kosten für einen Radiologen in den Bereichen Ultraschall, Röntgen und Mammografie liegen bei 72.793 Euro brutto. Tatsächliche Zahlungen, einschließlich Zusatzverträgen, können das Doppelte oder mehr betragen.

In sechs analysierten öffentlichen Krankenhäusern lag das höchste Gehalt eines Radiologen bei etwa 13.000 Euro pro Monat, Zusatzverträge bei über 22.000 Euro. Privatanbieter zahlen im Durchschnitt rund 8.000 Euro brutto, verlangen jedoch höhere Produktivität.

Im August 2025 waren in Slowenien 380 aktive Radiologen registriert, darunter 97 in Ausbildung, eine Steigerung von 61 Prozent in zehn Jahren.

Auswirkungen von KI auf den Radiologenbedarf

Offizielle Stellen, darunter das Gesundheitsministerium und die Ärztekammer, gehen derzeit nicht davon aus, dass KI den Bedarf an Radiologen reduziert. KI soll vor allem als unterstützende Technologie bei Routineaufgaben dienen. Sie wird bereits eingesetzt, um Messungen schneller durchzuführen, Veränderungen zu erkennen und in die abschließende Analyse des Radiologen einzubeziehen.

Nachwuchs und Spezialisierung

Das Interesse an Radiologie-Spezialisierungen war in den vergangenen zehn Jahren hoch. 2024 ging die Nachfrage leicht zurück, sodass sich die Zahl der Bewerber fast mit den verfügbaren Plätzen deckt.

Die zukünftige Anzahl der Spezialisierungen wird weiterhin an den Bedürfnissen der Bevölkerung ausgerichtet, nicht an der Einführung von KI.

Herausforderungen bei der Implementierung von KI

In den radiologischen Zentren des diagnostischen Zentrums Bled werden aktuell keine KI-Tools genutzt. Erst wenn Fachgesellschaften und Ministerium klare Richtlinien definieren, kann eine systematische Einführung erfolgen.

Die ZZZS unterstützt grundsätzlich die Nutzung von KI zur Qualitätssteigerung und Entlastung des Personals, betont jedoch, dass die Integration in Diagnoseprozesse sorgfältig geplant werden muss.

Die Fachgesellschaften sehen in KI kein Bedrohungspotenzial, sondern ein unterstützendes Werkzeug. Radiologen bleiben jedoch für die endgültige Diagnose verantwortlich. Ein Mensch muss weiterhin jede radiologische Untersuchung prüfen und verantworten, wobei KI lediglich Hilfsmittel liefert.

Welche Auswirkungen das für Deutschland haben könnte

Die Entwicklungen in Slowenien zeigen exemplarisch, wie KI Radiologie und das Gesundheitswesen verändern kann. Auch in Deutschland könnte die Technologie Kosten senken, Prozesse beschleunigen und die Versorgung verbessern, insbesondere in spezialisierten Bereichen wie der Radiologie.

Gleichzeitig erfordert die Integration von KI klare gesetzliche Regelungen, Schulungen für Fachpersonal und eine sorgfältige Abwägung, um sowohl Patientensicherheit als auch Fachkompetenz zu gewährleisten.

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