Wirtschaft

Kupferpreis-Rekordhoch: US-Importe und Zollpolitik treiben Preise für Industriemetalle

Die globalen Rohstoffmärkte geraten zunehmend unter den Einfluss geopolitischer Entscheidungen und strategischer Lagerpolitik. Der Kupferpreis springt von Rekordhoch zu Rekordhoch, ein Ende der Aufwärtsrallye ist derzeit nicht in Sicht. Welche Folgen hat diese Entwicklung für industrielle Schlüsselrohstoffe und internationale Lieferketten?
15.01.2026 15:15
Lesezeit: 2 min
Kupferpreis-Rekordhoch: US-Importe und Zollpolitik treiben Preise für Industriemetalle
Der stark gestiegene Kupferpreis spiegelt die Folgen der US-Zollpolitik wider und erhöht den Kostendruck für die Industrie in Deutschland (Foto: dpa) Foto: Jens Wolf

Kupferpreis-Rekordhoch bei über 13.300 US-Dollar je Tonne

Der Kupferpreis klettert seit Wochen unaufhaltsam nach oben. Am 6. Januar war der Wert des Industriemetalls erstmals über die Marke von 13.000 Dollar je Tonne gestiegen, seine Aufwärtsrallye hat der Kupferpreis seitdem weiter fortgesetzt - die Folge: ein neues Kupferpreis-Rekordhoch nach dem anderen. Am Donnerstag tendiert der Kupferpreis aktuell weiter auf einem historischen Hoch bei annähernd 13.335 US-Dollar. Auslöser für die positive Kursentwicklung ist ein deutlich beschleunigter Import von Kupfer in die USA, der an den Märkten für neuen Optimismus sorgte.

Die Referenzpreise an der Londoner Metallbörse sind seit Mitte November um mehr als 20 Prozent gestiegen. Unterstützt wurde die Kupferpreisentwicklung durch die Aussicht auf neue US-Importzölle, wodurch die Preise in den USA über dem weltweiten Niveau blieben und sich Kupfer verstärkt auf den amerikanischen Markt verlagerte.

Kupferpreis: US-Lageraufbau als Treiber, Zollpolitik verzerrt Handelsströme

Dies schüre die Sorge vor möglichen Engpässen auf anderen Märkten, wie Bloomberg bereits Anfang des Jahres berichtete. Nach Einschätzung von Helen Amos, Analystin bei BMO Capital Markets, ist der Aufbau von Lagerbeständen in den USA derzeit der zentrale Treiber der globalen Kupferpreise. Zusätzlich habe ein Streik in der chilenischen Mantoverde-Mine die spekulative Aktivität am Markt erhöht. Al Munro, Stratege bei Marex, verwies zudem auf die Erwartung, dass sich der Preisanstieg bis Anfang 2026 fortsetzen könnte.

Der jüngste Preisanstieg ist vorwiegend auf Unsicherheiten rund um die künftige US-Zollpolitik zurückzuführen. Nachdem Zölle auf raffiniertes Kupfer im vergangenen Sommer vorübergehend ausgesetzt worden waren, belebten sich die Handelsströme wieder deutlich. Mit der erneuten Möglichkeit von Importabgaben stiegen die Kupferpreise in den USA abermals. In der Folge kletterten die Kupferimporte im Dezember auf den höchsten Stand seit Juli, was die internationale Verteilung des Metalls weiter verzerrte.

Kupfer als Schlüsselrohstoff der Energiewende

Zunehmend rückt auch die Versorgung mit kritischen Metallen in den Fokus staatlicher Stellen. Kupfer gilt als Schlüsselrohstoff für die Energiewirtschaft, insbesondere für elektrische Leitungen und Elektrofahrzeuge.

Gleichzeitig konnten Investitionen in neue Minen nicht mit dem wachsenden Bedarf Schritt halten. Bestehende Förderstätten sahen sich zudem immer wieder mit Produktionsstörungen konfrontiert, was die Angebotslage zusätzlich verschärfte.

Breiter Aufschwung an den Metallmärkten

Die Kupferhausse wurde zudem von einem allgemeinen Preisanstieg an den Metallmärkten begleitet. Gold, Silber und Platin erreichten neue Rekordstände, während Aluminium und Zinn auf mehrjährige Höchstwerte kletterten. Diese Entwicklung deutet auf eine insgesamt angespannte Lage bei Industriemetallen hin. Neben der Nachfrage spielen dabei auch Angebotsrisiken und politische Unsicherheiten eine zunehmend größere Rolle.

Analysten zufolge lagern die USA inzwischen rund die Hälfte der weltweit an Börsen verfügbaren Kupferbestände, obwohl sie weniger als zehn Prozent der globalen Nachfrage ausmachen. Diese Konzentration erhöht das Risiko sinkender Vorräte in anderen Regionen erheblich.

Auch die Preisdifferenz zwischen den Kassapreisen in London und den dreimonatigen Terminkontrakten signalisiert ein anhaltendes kurzfristiges Angebotsdefizit. UBS-Analysten gehen davon aus, dass der globale Markt für raffiniertes Kupfer im Jahr 2025 zwar insgesamt im Überschuss blieb, dass jedoch US-Zölle die Metallströme und Lagerbestände verzerrten und die Kupferimporte in die USA spürbar ansteigen ließen.

Deutschlands Industrie im Sog globaler Rohstoffpreise

Für Deutschland als exportorientierte Industrienation mit starkem Fokus auf Elektrotechnik, Maschinenbau und Elektromobilität haben steigende Kupferpreise direkte Folgen. Höhere Rohstoffkosten erhöhen den Druck auf industrielle Wertschöpfungsketten und können Margen sowie Investitionspläne belasten.

Zugleich unterstreicht die Entwicklung die strategische Bedeutung einer gesicherten Rohstoffversorgung für die deutsche Wirtschaft. Mit Blick auf Energiewende, Netzausbau und die Produktion von Elektrofahrzeugen gewinnt die Frage an Gewicht, wie stabil und bezahlbar der Zugang zu Kupfer und anderen Metallen in den kommenden Jahren bleibt.

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