Dänemarks Außenminister warnt vor Trumps Unberechenbarkeit
Die dänische Delegation hat bei ihren Gesprächen in Washington nach eigener Einschätzung das Maximum erreicht. Der entscheidende Akteur ließ sich jedoch nicht überzeugen. US-Präsident Donald Trump bekräftigte erneut seinen Anspruch auf Grönland und schloss einen militärischen Zugriff ausdrücklich nicht aus.
Trump warnte, dass andernfalls Russland oder China die Kontrolle über die Insel übernehmen könnten. Die Aussagen unterstreichen, dass der Präsident das Thema als geopolitische Machtfrage betrachtet und bereit ist, bestehende Bündnislogiken infrage zu stellen.
Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen, der in Washington mit dem US-Vizepräsidenten und dem Außenminister zusammentraf, erklärte später im Trump nahen Sender Fox News, über fast alles lasse sich verhandeln. Grönland sei jedoch ein untrennbarer Bestandteil des Königreichs.
Auf die Frage von Moderator Bret Baier, ob die Vereinigten Staaten Grönland nicht einfach kaufen könnten, reagierte Rasmussen ironisch. Es gebe keine Chance, dass die USA einen skandinavischen Wohlfahrtsstaat in Grönland finanzieren würden. Handel finde zwischen Menschen statt, nicht mit Menschen selbst.
Skepsis in der US-Öffentlichkeit
Auch in den Vereinigten Staaten selbst stößt Trumps Vorstoß auf geringe Zustimmung. Laut einer aktuellen Reuters-Ipsos-Umfrage halten lediglich 17 Prozent der Amerikaner ein Vorgehen in Richtung Grönland grundsätzlich für sinnvoll.
Nur vier Prozent der Befragten würden einen militärischen Einsatz unterstützen. Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Diskrepanz zwischen der öffentlichen Meinung und der Haltung des Präsidenten. Trump wies die Umfrage jedoch zurück. In einem Interview mit Reuters bezeichnete er die Ergebnisse als Fälschung. Damit machte er deutlich, dass innenpolitischer Widerstand seine Position nicht beeinflusst.
Dreiergespräch ohne Annäherung
Das am Mittwochabend angesetzte Dreiertreffen der Außenminister von Dänemark, Grönland und den USA galt im Vorfeld als potenziell heikel. Kurzfristig übernahm Vizepräsident J. D. Vance die Gesprächsführung, was in Kopenhagen Erinnerungen an frühere diplomatische Eskalationen weckte.
Das Treffen fand schließlich hinter verschlossenen Türen statt, dauerte rund eine Stunde und endete ohne erkennbare Annäherung. Vance und US-Außenminister Marco Rubio erklärten, Trump wolle Grönland. Rasmussen und Grönlands Außenministerin Vivian Motzfeldt entgegneten, dass Zusammenarbeit willkommen sei.
An der Zugehörigkeit Grönlands zum Königreich ändere dies jedoch nichts. Eine gemeinsame Pressekonferenz fand nicht statt. Weder Vance noch Rubio äußerten sich öffentlich zu dem Treffen. Rasmussen erklärte später, über die Souveränität werde nicht verhandelt.
Keine Zusicherung zum Gewaltverzicht
Auf die Frage, ob ein militärisches Eingreifen der USA ausgeschlossen werden könne, wich Rasmussen einer klaren Antwort aus. Er könne dies nur dann ausschließen, wenn Präsident Trump selbst öffentlich genau dies erkläre.
Entscheidend sei, ob sich die maximalistischen Ambitionen der USA so umsetzen ließen, dass das Selbstbestimmungsrecht Grönlands und des Königreichs gewahrt bleibe. Eine konkrete Einigung stellte Rasmussen nicht in Aussicht. Ziel des Treffens sei es nicht gewesen, die amerikanische Seite umzustimmen. Vielmehr habe man prüfen wollen, ob es einen dritten Weg für eine gemeinsame Zusammenarbeit gebe.
Sicherheitspräsenz und Rohstoffinteressen
In sicherheitspolitischer Hinsicht verfügen die USA bereits heute über weitreichende Handlungsmöglichkeiten in Grönland. Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges waren dort mehr als 10.000 US-Soldaten stationiert, heute sind es etwas über hundert. Die Entscheidung zur Reduzierung der Truppenstärke ging vom Pentagon und dem Weißen Haus aus. Sie erfolgte nicht auf Druck aus Kopenhagen.
Der von Trump angesprochene Abbau von Bodenschätzen unterliegt hingegen der Entscheidung der grönländischen Bevölkerung. Seit Jahrzehnten entscheiden sich grönländische Politiker bewusst für den Schutz der Natur. Der mögliche wirtschaftliche Ertrag aus dem Rohstoffabbau unter extremen klimatischen Bedingungen wurde wiederholt als nachrangig eingestuft. Dieses Grundprinzip gilt weiterhin.
Erleichterung und politische Taktik in Dänemark
In Dänemark wird das Treffen überwiegend positiv bewertet. Ausschlaggebend ist vorwiegend, dass es nicht zu einer offenen Eskalation kam. Ein öffentlich ausgetragener Konflikt blieb aus. Rasmussen fasste das Ergebnis nüchtern zusammen. Man habe sich zumindest darauf verständigt, dass keine Einigkeit bestehe.
Als Konsequenz soll eine hochrangig besetzte Arbeitsgruppe eingerichtet werden, die sich in einigen Wochen treffen soll. Dänische Analysten sehen darin die Möglichkeit, den Prozess in bürokratische Bahnen zu lenken. Die Hoffnung ist, dass die US-Zwischenwahlen im November den politischen Spielraum Trumps einschränken. Bereits zuvor hatte der Präsident andere territoriale Forderungen erhoben, die später wieder aus dem Fokus verschwanden.
Wachsende Kritik im US-Kongress
Auch innerhalb der USA nimmt der politische Widerstand zu. Mehrere Kongressabgeordnete drohen mit einem Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten. Der republikanische Abgeordnete Don Bacon unterstützte im Repräsentantenhaus einen Gesetzentwurf, der den Einsatz militärischer Gewalt gegen einen NATO‑Mitgliedstaat untersagen soll. Ein gleichlautender Entwurf wurde auch im Senat eingebracht.
In Dänemark herrscht weiterhin Verwunderung über die Eskalation der Debatte. Die Zeitung Berlingske erinnerte an einen Auftritt von Senator Ted Cruz aus dem Jahr 2016. Damals warnte Cruz vor Trump und sprach ironisch von einem nuklearen Angriff auf Dänemark. Heute erklärte er gegenüber ABC News, er halte den Erwerb Grönlands für im US-Interesse, betonte jedoch, Dänemark werde nicht militärisch bedroht.
Bedeutung für Deutschland und die europäische Sicherheit
Der Streit um Grönland macht deutlich, wie fragil sicherheitspolitische Gewissheiten innerhalb der NATO geworden sind. Offene territoriale Ansprüche gegenüber Bündnispartnern stellen das Vertrauen innerhalb des Bündnisses infrage.
Für Deutschland als zentralen Akteur in Europa gewinnt damit die Frage an Gewicht, wie belastbar die transatlantische Sicherheitsordnung bleibt. Berlin hat ein unmittelbares Interesse daran, dass Konflikte dieser Art diplomatisch eingehegt werden, um eine weitere Erosion der europäischen Sicherheitsarchitektur zu verhindern.


