Finanzen

Digitalwährung: Sparkassenverband sieht digitalen Euro kritisch

Verbandspräsident Hirsch sieht hohe Kosten und keinen Nutzen für Kunden. Außerdem wirft er Fragen zu möglichen Rollenkonflikten bei der Europäischen Zentralbank auf.
21.01.2026 09:54
Lesezeit: 2 min
Digitalwährung: Sparkassenverband sieht digitalen Euro kritisch
Der digitale Euro als Antwort auf Paypal, Mastercard, Visa und Co.? (Foto: dpa) Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Rheinland-pfälzischer Sparkassenverband sieht digitalen Euro kritisch

Der rheinland-pfälzische Sparkassenverband sieht die von der Europäischen Zentralbank (EZB) geplante Einführung eines digitalen Euro als Ergänzung zum Bargeld kritisch. Die Europäische Zentralbank wolle ein Projekt durchboxen, bei dem noch viele wichtige Fragen ungeklärt seien, sagte Präsident Thomas Hirsch der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. Das sei mit immensen Kosten verbunden, der Mehrwert für Kundinnen und Kunden sei nicht erklärt.

Die EZB peilt jüngsten Aussagen zufolge einen Start eines digitalen Euro im Jahr 2029 an. Auch wenn bislang eine Einigung auf politischer Ebene in Europa noch aussteht, hatte der Rat der Zentralbank im Oktober 2025 beschlossen, die Vorbereitungen fortzusetzen. Die EZB selbst schätzt die Kosten für das gesamte Projekt bis 2029 auf rund 1,3 Milliarden Euro für das Eurosystem. Andere Schätzungen liegen Hirsch zufolge deutlich höher, hinzu komme der Aufwand für die Integration bei den einzelnen Banken.

Antwort auf Paypal, Mastercard, Visa und Co.?

Verbraucher bekämen einen digitalen Euro in einer digitalen Geldbörse, einer Wallet, gutgeschrieben und könnten in Sekundenschnelle rund um die Uhr zum Beispiel per Smartphone bezahlen. Die Euro-Notenbanken wollen mit einem digitalen Euro privaten Anbietern vor allem aus den USA wie Paypal, Mastercard und Visa, die den Markt für digitale Zahlungen in Europa dominieren, ein europäisches Angebot entgegensetzen.

Hirsch sagte, ein solches europäisches Bezahlsystem habe ein Zusammenschluss europäischer Banken, darunter die Sparkassen, mit "Wero" bereits realisiert. Der Verbandspräsident findet es darüber hinaus fraglich, ob ein digitaler Euro problemlos funktionieren würde. "Wenn alle sich bis zu 3.000 Euro von ihrem Girokonto in die Wallet laden, dann ist dieses Geld dem Kreislauf entzogen, wie als wenn sie es als Bargeld in der Hosentasche haben", sagte Hirsch. "Das heißt, das steht auch für den Bankkreislauf nicht mehr zur Verfügung." Vorab müsse sichergestellt werden, dass das Finanzsystem weiter stabil laufe.

Wird der Kontrolleur zum Mitanbieter?

Es gebe auch Überlegungen, die komplette Abwicklung über die EZB laufen zu lassen. "Das heißt, am Ende wäre die EZB nicht mehr nur Zentralbank und Bankaufsichtsbehörde, sondern auch eine Art Retailbank für den digitalen Euro", betonte Hirsch. Man müsse sich fragen, wie jemand den Bankbereich beaufsichtigen soll und gleichzeitig Mitanbieter ist. "Wie machen die das dann mit den unterschiedlichen Hüten, die sie bei der EZB gleichzeitig aufhaben sollen?", fragte Hirsch.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik SPD in der Krise: Führung bleibt – Merz bremst Reformen
23.03.2026

Die SPD kämpft nach Rückschlägen um Stabilität, während Kanzler Merz vor übereilten Entscheidungen warnt. Reformen stehen an, doch...

DWN
Politik
Politik Trump will gigantischen Milliardenbetrag für den Krieg in Iran fordern
23.03.2026

Die Kosten für den Krieg gegen Iran steigen rasant. Nun will Donald Trump weitere 200 Milliarden Dollar vom Kongress fordern. Die Debatte...

DWN
Finanzen
Finanzen Volatile Siemens Energy-Aktie: Kurssprung nach schwachem Start – was Anleger jetzt wissen müssen
23.03.2026

Ein turbulenter Handelstag bringt die Siemens Energy-Aktie erneut in den Fokus. Zwischen Kursverlusten und kräftiger Erholung schwankt der...

DWN
Politik
Politik Von der Leyen will Wege finden, Ukraine-Kredit trotz Ungarn auszuzahlen
23.03.2026

Die EU sucht nach Lösungen, um die zugesagten 90 Milliarden Euro an die Ukraine auszuzahlen, obwohl Ungarn weiterhin blockiert.

DWN
Panorama
Panorama Hybride Angriffe: Kein Strom, kein Geld, kein Arzt – was Menschen Sorgen bereitet und was hilft
23.03.2026

Eine deutliche Mehrheit der Deutschen rechnet mit schweren Krisen durch hybride Angriffe. Dennoch fühlen sich nur 15 Prozent der Haushalte...

DWN
Politik
Politik Ukraine im Schatten des Iran-Kriegs: Droht ein strategischer Nachteil?
23.03.2026

Der Ukraine-Krieg gerät zunehmend aus dem Fokus der Weltpolitik, während der Iran-Krieg neue Prioritäten setzt. Droht der Ukraine...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Kurs aktuell unter Druck: Märkte reagieren auf geopolitische Eskalation
23.03.2026

An den Märkten herrscht Alarmstimmung: Der DAX-Kurs verliert deutlich, Ölpreise steigen, selbst der Goldpreis schwächelt. Was steckt...

DWN
Finanzen
Finanzen Salzgitter-Aktie: Umsatz soll wieder wachsen – Anleger von Salzgitter-Zahlen nicht überzeugt
23.03.2026

Die jüngsten Salzgitter-Zahlen sorgen für Aufmerksamkeit an den Märkten. Der Konzern hat seinen Verlust deutlich reduziert und peilt...