Finanzen

Tui-Aktie: Verhaltene Börsenreaktion nach starken Tui-Zahlen und stabiler Prognose – die Gründe

Starke Zahlen, sinkender Kurs: Der Reisekonzern Tui startet operativ so erfolgreich wie lange nicht. Hotels und Kreuzfahrten liefern Rekorde, die Prognose steht. Doch warum reagiert die Börse verhalten – und was bedeutet das jetzt für die Tui-Aktie?
10.02.2026 08:18
Lesezeit: 3 min
Tui-Aktie: Verhaltene Börsenreaktion nach starken Tui-Zahlen und stabiler Prognose – die Gründe
Eine Maschine der Fluggesellschaft Tui startet auf dem Flughafen Stuttgart: Die Tui-Aktie reagiert verhalten auf starke Tui-Zahlen (Foto: dpa). Foto: Bernd Weißbrod

Tui-Aktie: Verhaltene Börsenreaktion trotz eines Rekordstarts ins Winterhalbjahr

Der Reisekonzern Tui ist so gut wie noch nie in ein Winterhalbjahr gestartet. Die aktuellen Tui-Zahlen zeigen ein deutlich verbessertes operatives Geschäft, vor allem dank Hotels und Kreuzfahrten. Dennoch reagiert der Tui-Aktienkurs zunächst schwach. Was steckt hinter dem starken Jahresauftakt – und was bedeutet das für die Tui-Aktie?

Für das erste Geschäftsquartal bis Ende Dezember legt der Reisekonzern überzeugende Zahlen vor. Im traditionell reiseschwachen und früher häufig defizitären Quartal stieg der bereinigte operative Gewinn (bereinigtes EBIT) um gut die Hälfte auf gut 77 Millionen Euro. Damit verzeichnet Tui den besten Start in ein Geschäftsjahr seit der Fusion mit TUI Travel im Jahr 2014. Unter dem Strich entfiel auf die Aktionäre zwar weiterhin ein Verlust von knapp 44 Millionen Euro, dieser lag jedoch rund halb so hoch wie im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stagnierte bei knapp 4,9 Milliarden Euro, wechselkursbereinigt entspricht das einem kleinen Plus von 1,3 Prozent. Trotz der stabilen Erlöse zeigt sich die operative Stärke des Reisekonzerns deutlich.

Tui-Zahlen übertreffen Analystenerwartungen

Mit einem bereinigten EBIT von 77,1 Millionen Euro übertraf Tui die Erwartungen der Analysten klar. Im Konsens waren lediglich 63 Millionen Euro prognostiziert worden. Auch beim Umsatz lag der tatsächliche Wert mit rund 4,9 Milliarden Euro leicht über der Schätzung von 4,88 Milliarden Euro.

Konzernchef Sebastian Ebel äußerte sich sehr zufrieden mit dem Jahresauftakt. Die Buchungen für die Wintersaison 2025/26 sowie für den Sommer 2026 entsprächen den Erwartungen, die Nachfrage bleibe robust. Die Reiselust der Kunden sei trotz gestiegener Lebenshaltungskosten ungebrochen, erklärte der Vorstandschef.

Kreuzfahrten als Wachstumstreiber

Besonders stark entwickelte sich erneut das Kreuzfahrtgeschäft. Das bereinigte EBIT des Segments verbesserte sich um 70,8 Prozent auf einen Rekordwert von 82,3 Millionen Euro. Die verfügbaren Passagiertage stiegen um 16 Prozent auf 3,0 Millionen, unter anderem durch die Aufnahme der Mein Schiff Relax in die Flotte. Trotz der Kapazitätserweiterung konnte Tui die Auslastung steigern – ein klares Zeichen für die hohe Nachfrage.

Auch der Hotelbereich erzielte operativ ein besseres Ergebnis als im Vorjahresrekordquartal. Belastet wurde das Segment Hotels & Resorts allerdings durch zwei Sondereffekte: Der Hurrikan auf Jamaika im Oktober führte zur temporären Schließung mehrerer Hotels und kostete rund 10 Millionen Euro. Zudem entfiel ein positiver Bewertungseffekt aus dem Vorjahr in Höhe von 15 Millionen Euro. Dennoch lag das bereinigte EBIT bei 131,0 Millionen Euro.

Märkte und Airlines bleiben Herausforderung

Im Segment Märkte und Airlines verbesserte sich das bereinigte EBIT um 7,9 Prozent auf minus 115,3 Millionen Euro. Das wettbewerbsintensive Umfeld und der Hurrikan-Effekt von 6 Millionen Euro belasteten weiterhin. Die Flugauslastung blieb jedoch mit 86 Prozent auf hohem Niveau. Tui setzt hier verstärkt auf eine Reduzierung der Risikokapazität sowie auf dynamische Produkte und den App-Vertrieb.

Finanzielle Basis gestärkt und neue Dividendenpolitik

Die Nettoverschuldung sank zum 31. Dezember 2025 um 500 Millionen Euro auf 3,6 Milliarden Euro. Verantwortlich dafür waren ein höherer operativer Cashflow und günstige Währungseffekte. Zudem zahlte Tui Schiffs- und Flugzeugfinanzierungen vorzeitig zurück und begab im Sommer 2025 einen Schuldschein über 295,5 Millionen Euro.

Auf dieser Basis kündigt der Reisekonzern eine neue Dividendenpolitik an. Für das Geschäftsjahr 2025 soll eine Starter-Dividende von 0,10 Euro je Aktie gezahlt werden. Ab 2026 ist eine Ausschüttungsquote von 10 bis 20 Prozent des bereinigten Ergebnisses je Aktie vorgesehen.

Tui-Aktie reagiert verhalten

Trotz der starken Tui-Zahlen zeigt sich die Tui-Aktie am Dienstag zunächst schwach. Im vorbörslichen Tradegate-Handel verliert der Tui-Aktienkurs zeitweise annähernd 2,35 Prozent auf 9,22 Euro. Anleger hatten sich offenbar mehr erhofft, obwohl der Reisekonzern seine Prognose bestätigte: Für das Gesamtjahr 2025/26 erwartet Tui weiterhin einen währungsbereinigten Umsatzanstieg von zwei bis vier Prozent sowie ein Wachstum des bereinigten EBIT um sieben bis zehn Prozent. Für die Tui-Aktie bleibt entscheidend, ob der Reisekonzern die operative Stärke in nachhaltige Gewinne und eine weitere Reduzierung der Schulden ummünzen kann.

Die aktuellen Tui-Zahlen zeigen eindrucksvoll, wie stark sich der Reisekonzern operativ stabilisiert hat. Besonders Hotels und Kreuzfahrten liefern verlässliche Ergebnisbeiträge, während die Nettoverschuldung spürbar sinkt und erstmals wieder eine Dividende in Aussicht steht. Die bestätigte Prognose unterstreicht das Managementvertrauen in die Nachfrage. Dass der Tui-Aktienkurs dennoch nachgibt, dürfte weniger an den Zahlen selbst liegen als an hohen Markterwartungen und kurzfristigen Gewinnmitnahmen. Für Anleger bleibt entscheidend, ob Tui die operative Stärke dauerhaft in steigende Gewinne und weitere Entschuldung übersetzen kann.

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