Wirtschaft

Neue E-Auto-Förderung: Viele Deutsche wissen über die E-Auto-Prämie überhaupt nichts

Die neue E-Auto-Prämie soll den Kauf von Elektrofahrzeugen attraktiver machen. Doch viele Menschen wissen kaum, was dahintersteckt. Eine aktuelle Umfrage zeigt überraschende Wissenslücken und gemischte Reaktionen. Wird die Förderung wirklich wirken?
13.02.2026 07:21
Lesezeit: 5 min
Neue E-Auto-Förderung: Viele Deutsche wissen über die E-Auto-Prämie überhaupt nichts
Ein Elektroauto hängt an einer Elektro-Ladesäule: Eine YouGov-Umfrage zeigt, dass viele Deutsche die neue E-Auto-Förderung nicht kennen (Foto: dpa). Foto: Peter Kneffel

Umfrage: Jeder Dritte kennt neue E-Auto-Prämie gar nicht

Die neue E-Auto-Prämie ist in der Bevölkerung bislang noch nicht besonders bekannt. Rund jede und jeder Dritte (34 Prozent) in Deutschland hat bisher nichts von der neuen Förderung gehört. Das zeigt eine repräsentative Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur. Für die YouGov-Umfrage wurden zwischen dem 6. und 9. Februar insgesamt 2.100 Personen befragt.

Zudem fühlt sich eine Mehrheit derjenigen, die bereits von der neuen E-Auto-Prämie gehört hatten, nicht ausreichend informiert. So gaben 42 Prozent an, eher schlecht informiert zu sein. 12 Prozent fühlten sich sogar sehr schlecht informiert. Als eher gut informiert sieht sich etwa jede und jeder Dritte (32 Prozent), sehr gut informiert sind 6 Prozent.

Bewertung geht auseinander

Bei der Einschätzung der Prämie unterscheiden sich die Ansichten deutlich. Knapp jeder Fünfte bewertet sie als schlecht, jeder Vierte als mittelmäßig. Gut finden die Prämie 30 Prozent der Befragten, sehr gut jeder Zehnte.

Mehr als die Hälfte der Befragten (53 Prozent) erklärte, dass die neue E-Auto-Prämie keinen Einfluss auf Überlegungen zum Kauf oder Leasing eines E-Autos habe. Weitere 21 Prozent antworteten, dass ein E-Auto für sie grundsätzlich nicht infrage komme. Etwas wahrscheinlicher macht die neue Prämie demnach für 14 Prozent den Kauf oder das Leasing, deutlich wahrscheinlicher für 6 Prozent.

Eine Sprecherin des Bundesumweltministeriums sagte auf Anfrage: "Wir werden - insbesondere in zeitlicher Nähe zum Start der Antragstellung und dem Web-Portal - unsere Informationsangebote weiter hochfahren, aber nicht mit bezahlter Werbung." Beantragen kann man die neue E-Auto-Förderung voraussichtlich erst ab Mai, wenn das entsprechende Internet-Portal starten soll. Herstellern und Händlern stehe es frei, selbst zu informieren oder Werbung zu machen, was diese bereits täten, erklärte die Sprecherin.

E-Auto-Prämie: 1.500 bis 6.000 Euro Förderung

Das Bundesumweltministerium hatte vor gut einem Monat angekündigt, dass Privatkunden beim Kauf von reinen Elektroautos, Plug-in-Hybriden und Elektroautos mit Range Extender wieder eine staatliche Elektroauto-Förderung erhalten können. Je nach Fahrzeugart und persönlichen Umständen liegt sie zwischen 1.500 und 6.000 Euro. Allerdings gibt es Einkommensobergrenzen, bis zu denen sie ausgezahlt wird - diese liegen bei 80.000 Euro Haushaltseinkommen im Jahr, mit zwei Kindern bei 90.000 Euro.

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) hatte im Januar bei der Vorstellung prognostiziert, die neue Kaufprämie werde der deutschen und europäischen Autobranche einen Schub verleihen. Die Hälfte der Haushalte, die in den vergangenen Jahren ein Elektroauto angeschafft haben, lag nach Angaben Schneiders unter der 80.000-Euro-Grenze.

Nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes kamen vergangenes Jahr die elf am häufigsten neu zugelassenen reinen Elektroautos aus dem VW-Konzern (ISIN: DE0007664039) oder der BMW-Gruppe (ISIN: DE0005190003). Allen voran waren das der ID.7 und der ID.3 von VW. Bei Plug-in-Hybriden ist die Lage nicht ganz so eindeutig, auch hier stammen aber sieben der zehn beliebtesten Modelle von BMW, Mercedes (ISIN: DE0007100000) oder aus dem VW-Konzern.

Branchenexperte übt Kritik an Prämie für Elektroautos

Das Kundeninteresse sei kurz nach der Ankündigung der neuen Förderung sprunghaft gestiegen, bestätigten die Onlineplattformen MeinAuto .de und Carwow sowie der Präsident des Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe, Thomas Peckruhn, auf Anfrage.

Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer hatte die neue Prämie kritisiert. Insgesamt sei die Zahlung "ein steuerfinanziertes Förderprogramm", das der Markt nicht brauche. Schließlich hätten schon vor ihrer Einführung steigende Rabatte auf Elektroautos deren Absatz angetrieben.

E-Auto-Prämie sorgt für Diskussionen

Die neue E-Auto-Prämie soll den Umstieg auf Elektrofahrzeuge fördern und Privatkunden finanziell entlasten. Doch die aktuelle YouGov-Umfrage zeigt deutlich, dass viele Menschen die Förderung kaum kennen oder sich nicht ausreichend informiert fühlen. Auch bei der Bewertung gehen die Meinungen auseinander: Während einige die Prämie als wichtigen Kaufanreiz sehen, bleibt sie für viele ohne Einfluss. Gleichzeitig wird Kritik laut, ob der Markt eine solche Elektroauto-Förderung überhaupt braucht. Entscheidend wird sein, wie gut die E-Auto-Förderung kommuniziert wird.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Panorama
Panorama DWN-Wochenrückblick KW 19: Die wichtigsten Analysen der Woche
08.05.2026

Im DWN Wochenrückblick KW 19 aus dem Jahr 2026 fassen wir die zentralen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen...

DWN
Politik
Politik Russland nach Jahren im Krieg: Droht Putin der Machtverlust?
08.05.2026

Putins Krieg gegen die Ukraine zeigt wachsende Risse in Russlands Militär, Wirtschaft und Machtapparat. Wird die Schwäche des Kreml für...

DWN
Politik
Politik Drohnen in Moskau: Putin fährt Russlands jährliche Siegesparade zurück
08.05.2026

Russlands Siegesparade wird zum Gradmesser für die wachsende Verwundbarkeit des Kremls im Ukraine-Krieg. Wie stark setzen Drohnenangriffe,...

DWN
Politik
Politik Energiewende-Pläne: Umweltminister Schneider stoppt Entwurf von Reiche
07.05.2026

Im Streit um die Energiewende zeigt sich die Bundesregierung tief gespalten. Umweltminister Carsten Schneider (SPD) lehnte die Pläne von...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Wall Street gibt leicht nach, da sich die Ölpreise erholen
07.05.2026

Geopolitische Unsicherheiten und überraschende Gewinner: Erfahren Sie, welche Faktoren die Märkte aktuell in Atem halten.

DWN
Politik
Politik Friedenssignale aus Teheran: Warum Trump den Iran-Krieg kaum als Sieg verkaufen kann
07.05.2026

Die Märkte setzen auf Entspannung im Iran-Konflikt, doch Trump steht vor einer politischen Niederlage und die Zukunft der Straße von...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rohstoffmärkte unter Druck: Was den Kupferpreis jetzt bewegt
07.05.2026

Der Kupferpreis steht im Zentrum neuer Machtverschiebungen an den Rohstoffmärkten. Wie stark kann KGHM davon profitieren, wenn Geopolitik,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Effizienz-Schock bei DeepL: Kölner KI-Aushängeschild entlässt 250 Mitarbeiter
07.05.2026

Das Kölner Vorzeige-Startup DeepL galt lange als die deutsche Antwort auf das Silicon Valley. Doch trotz technischer Erfolge zieht das...