Experten warnen vor möglicher monatelanger Blockade der Straße von Hormus
Die Straße von Hormus spielt eine zentrale Rolle für den Export von Öl und Gas aus der Golfregion. Experten zufolge könnte die strategisch wichtige Meerenge über Monate hinweg beeinträchtigt oder sogar blockiert werden, da die Gefahr von Angriffen iranischer Drohnen anhält, berichtet Reuters.
Die Passage zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman gehört zu den sensibelsten Energierouten der Welt. Jede länger anhaltende Störung des Schiffsverkehrs hätte unmittelbare Folgen für den globalen Ölhandel und internationale Lieferketten.
Irans militärische Kapazitäten im Fokus
Das britische Centre for Information Resilience schätzt, dass Iran monatlich bis zu 10.000 Drohnen produzieren kann. Wie groß der Raketenbestand des Landes tatsächlich ist, bleibt unklar. Nach Angaben des israelischen Militärs liegt er zwischen 2.500 und 6.000 Einheiten.
Experten betonen, dass die tatsächliche Größe dieser Waffenbestände ein entscheidender Faktor für den weiteren Verlauf des Konflikts sein dürfte. Je größer die verfügbaren Reserven sind, desto länger könnte Iran militärischen Druck in der Region aufrechterhalten.
„Iran wird weder leicht noch schnell nachgeben. Das Land verfügt über Mittel, um den Warenverkehr durch die Straße von Hormus gefährlich zu machen“, sagte Bob McNally, Präsident der Rapidan Energy Group, gegenüber Reuters.
Selbst wenn die USA iranische Munitionslager, Militärbasen und andere militärische Einrichtungen angreifen, die eine Bedrohung für die Meerenge darstellen, müsse Iran lediglich zeigen, dass einzelne Tanker angegriffen werden können.
Bereits wenige Vorfälle könnten ausreichen, um dauerhaft Unsicherheit im Schiffsverkehr auszulösen. Reedereien und Versicherer reagieren auf solche Risiken erfahrungsgemäß sehr sensibel und kalkulieren steigende Gefahren rasch ein.
Drohnen als zentrales Instrument der Strategie
Farzin Nadimi vom Washington Institute geht davon aus, dass Iran Angriffe vor allem mit Drohnen fortsetzen kann. Die neueste Generation dieser Systeme verfüge über eine Reichweite, mit der sich jedes Ziel an der südlichen Küste des Persischen Golfs erreichen lasse.
Nadimi weist darauf hin, dass iranische Drohnen bereits mehrfach in den Luftraum von Staaten der Golfregion eingedrungen seien. Seit Beginn der aktuellen Eskalation seien nach seinen Angaben bereits 65 Drohnen in den Luftraum der Vereinigten Arabischen Emirate eingedrungen.
Diese Vorfälle zeigen nach Einschätzung von Beobachtern, dass Iran seine Fähigkeiten auch jenseits unmittelbarer Kampfhandlungen demonstriert. Zugleich erhöht dies den Druck auf die Sicherheitsarchitektur der Golfstaaten.
Ölhändler rechnen mit weiteren Preissprüngen
Unternehmen des internationalen Rohstoffhandels bereiten sich unterdessen auf neue Preisschwankungen am Ölmarkt vor. Ein Manager des Handelsunternehmens Vitol erklärte gegenüber Reuters, dass das Risiko derzeit an den Ölmärkten unterschätzt werde.
Es gebe Befürchtungen, dass Iran zunächst ältere Raketen und Drohnen einsetzt, um gegnerische Luftverteidigungssysteme zu schwächen. Dies könnte darauf hindeuten, dass die eigentliche militärische Reaktion auf die Angriffe der USA und Israels noch bevorsteht. Eine solche Eskalation würde die Unsicherheit an den Energiemärkten weiter erhöhen. Händler beobachten die Lage deshalb sehr genau und rechnen mit neuen Ausschlägen bei den Ölpreisen.
Gefahr durch Seeminen in der Straße von Hormus
Auch maritime Sicherheitsexperten sehen zusätzliche Risiken für den Schiffsverkehr. Analysten der auf maritime Aufklärung spezialisierten Firma Dryad Global warnen, dass Iran auch Seeminen in der Straße von Hormus verlegen könnte.
Schätzungen zufolge verfügt das Land über 5.000 bis 6.000 solcher Minen. Cormac McCarry, Direktor bei Control Risks, erklärte gegenüber Reuters, dass die Beseitigung dieser Minen sehr viel Zeit in Anspruch nehmen würde. Selbst nach einem militärischen Ende der Kampfhandlungen könnte die Route daher noch längere Zeit beeinträchtigt bleiben. Für den internationalen Handel wäre dies ein erheblicher Unsicherheitsfaktor.
Angriff auf Frachtschiff und Reaktionen am Ölmarkt
Reuters berichtete zuvor, dass ein unter maltesischer Flagge fahrendes Containerschiff am Mittwoch in der Straße von Hormus von einer Rakete getroffen wurde. In der Maschinenraumsektion brach ein Feuer aus, woraufhin die Besatzung das Schiff verließ. Der Vorfall verdeutlicht nach Einschätzung von Beobachtern, wie schnell sich die Lage in der Region zuspitzen kann. Schon einzelne Angriffe können erhebliche Auswirkungen auf den Schiffsverkehr haben.
Am Ölmarkt zeigen sich unterdessen erste Gegenbewegungen. Der Preis für Brent-Rohöl, der als globaler Referenzwert gilt, fällt derzeit um 0,3 Prozent auf 81,16 Dollar pro Barrel. In den beiden vorherigen Handelssitzungen war der Preis noch um rund 12 Prozent gestiegen. Der jüngste Rückgang wird unter anderem mit einem Bericht der New York Times erklärt.
Demnach soll der iranische Geheimdienst der amerikanischen CIA Gespräche über ein mögliches Ende des Krieges vorgeschlagen haben. Laut Quellen der Zeitung zeigte sich die US-Seite daran jedoch nicht interessiert. Die iranische Regierung bestritt am Mittwoch, dass ein solcher Vorschlag gemacht worden sei. Die widersprüchlichen Signale tragen zusätzlich zur Unsicherheit an den Energiemärkten bei.
Risiken für Energiepreise und deutsche Wirtschaft
Die Entwicklungen rund um die Straße von Hormus werden auch in Deutschland aufmerksam verfolgt. Zwar bezieht Deutschland nur einen begrenzten Teil seines Öls direkt aus der Golfregion, doch die globale Preisbildung reagiert empfindlich auf Störungen dieser Route.
Sollten Angriffe oder Minen den Schiffsverkehr über längere Zeit beeinträchtigen, könnten die Energiepreise weltweit steigen. Für die energieintensive deutsche Industrie sowie für Transport und Logistik wäre eine solche Entwicklung ein zusätzlicher wirtschaftlicher Belastungsfaktor.


