Finanzen

Ölpreis aktuell: Hoher Ölpreis stärkt Russlands Kriegskasse – Brent und WTI uneinheitlich

Die Ölpreis-Entwicklung sorgt derzeit für Aufwind in Moskau. Steigende Einnahmen aus Öl und Gas könnten Russlands Staatskasse stärken und den Krieg in der Ukraine weiter finanzieren. Aber kann ein hoher Ölpreis wirklich die wachsenden Finanzprobleme des Landes lösen? Und warum zeigt sich der Ölpreis aktuell uneinheitlich?
10.03.2026 08:38
Aktualisiert: 10.03.2026 08:38
Lesezeit: 5 min

Ölpreis aktuell: Hoher Ölpreis stärkt Russland – wie stark profitiert Putin?

Wegen des Iran-Kriegs stieg der Ölpreis innerhalb weniger annähernd 60 Prozent nach oben – und rutschte wieder deutlich ab. Zeitweise notierte der Ölpreis bei knapp 120 US-Dollar pro Barrel und war damit auf den höchsten Stand seit Sommer 2022 gestiegen. Am Dienstag hingegen zeigt sich der Ölpreis aktuell wieder deutlich unterhalb der psychologisch wichtigen Marke. Während der WTI-Ölpreis rund eine halbe Stunde vor Börsenstart in Frankfurt mehr als 8 Prozent schwächer tendiert bei 87,10 Dollar, legt der Brent-Ölpreis über drei Prozent zu und klettert auf über 92,70 US-Dollar.

Bereits am Montag hatte im Handelsverlauf eine Gegenbewegung eingesetzt. Diese hatte sich dann am Abend nach Äußerungen des US-Präsidenten Donald Trump beschleunigt. Trump hat ein schnelles Ende des Kriegs im Nahen Osten in Aussicht gestellt. Der US-Sender CBS News hatte ihn mit den Worten zitiert: "Ich denke, der Krieg ist so gut wie beendet." Marktbeobachter sehen in den Äußerungen von Trump eine neue Bereitschaft des Weißen Hauses, öffentlich zu signalisieren, dass Schritte zur Beendigung des Kriegs möglich seien. Allerdings machte der Präsident keine konkreten Angaben. Zudem nannte er keine weiteren Details zum Plan, Tanker durch die Straße von Hormus am Persischen Golf zu eskortieren.

Der Transport von Energierohstoffen aus den Förderregionen am Persischen Golf durch die wichtige Straße von Hormus ist durch den Krieg praktisch zum Erliegen gekommen. Die Energiemärkte sind durch den Krieg im Nahen Osten stark beeinträchtigt.

Hoher Ölpreis stärkt Russlands Kriegskasse

Trotz dieser Achterbahnfahrt liegt der Ölpreis aktuell weiter deutlich über dem Niveau der vergangenen Monate. Noch Ende Februar notierte WTI um 65 Dollar pro Barrel, Brent um 70 Dollar. Der hohe Ölpreis sorgt in der Rohstoffnation Russland für gute Laune. Durch die aktuelle Ölpreis-Entwicklung könnten Einnahmen steigen, der Krieg gegen die Ukraine weiter finanziert und ein großes Haushaltsloch zumindest teilweise geschlossen werden. Doch neben der Freude über den steigenden Öl-Preis gibt es auch vorsichtige Stimmen.

Je länger der Konflikt im Nahen Osten anhält, desto stärker klettert der Ölpreis – und mit ihm die Stimmung in Russland. Noch vor Kurzem meldeten Moskaus Finanzbehörden ein Rekorddefizit im Haushalt. Nun aber können sich einige in Moskau wegen erwarteter Milliarden-Mehreinnahmen durch einen Ölpreis von mehr als 100 US-Dollar je Fass (159 Liter) kaum vor Begeisterung halten. Die Rohstoffmacht nutzt den hohen Öl-Preis auch, um ihren Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren. Was dieser steigende Ölpreis für Kremlchef Wladimir Putin bedeutet – dazu Fragen und Antworten.

Wie profitiert Russland vom aktuell hohen Ölpreis?

Putin betonte zwar bei einer Sitzung über die Folgen des Krieges im Nahen Osten für den Ölpreis, dass er nur von einem vorübergehenden Anstieg der Ölpreis-Entwicklung ausgehe. Gleichzeitig ordnete er an, dass russische Exporteure die derzeit hohe Nachfrage nutzen sollten, um sich dauerhaft auf stabilen Märkten zu etablieren.

Russland beliefere weiterhin verlässliche Partner in Osteuropa – Ungarn und die Slowakei – sowie Staaten in Asien, sagte Putin. Zu Lieferungen in andere europäische Länder sei er jedoch nur bereit, wenn politische Faktoren keine Rolle spielten und eine verlässliche und stabile Kooperation garantiert werde. Putins Sonderbeauftragter im Kreml für internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit, Kirill Dmitrijew, warnte zuvor, dass die "Eurobürokraten" sonst für ihre Fehler und die russophobe Politik einen hohen Preis bezahlen müssten. Sie sollten Russland wieder als Energielieferanten akzeptieren.

Wie abhängig ist Russland vom Ölpreis?

Traditionell tragen Einnahmen aus dem Verkauf von Öl und Gas entscheidend zur Finanzierung des russischen Haushalts bei. Im vergangenen Jahr lag ihr Anteil bei rund 23 Prozent; diese Quote sinkt jedoch seit Jahren – zuletzt vor allem wegen des Exportrückgangs infolge der Sanktionen. Russland kalkuliert in seinem Haushalt für dieses Jahr mit einem durchschnittlichen Ölpreis von 59 US-Dollar (etwa 51 Euro) pro Barrel. Weil zu Beginn des Jahres die Preise unter diesem Niveau lagen, vergrößerte sich das ohnehin erwartete Haushaltsdefizit zusätzlich.

Nun steigen jedoch die Preise – und damit auch die Hoffnung auf Entlastung im Etat. Wegen der Situation im Nahen Osten prüfen die USA sogar mögliche Sanktionslockerungen. Dadurch könnte Russland wieder deutlich mehr Energie verkaufen – und zwar zu höheren Preisen. Allerdings ist auch klar, dass das Land generell mit erheblichen Rabatten verkauft, etwa an seine wichtigsten Abnehmer China und Indien, da viele andere Staaten wegen der Sanktionen als Käufer weggefallen sind.

Mit welchen Mehreinnahmen kann Russland rechnen?

"Öl über US-Dollar 100 - und die Stimme Russlands in der Weltwirtschaft und Geopolitik wird noch lauter", jubelt der Kremlbeamte Kirill Dmitrijew in sozialen Netzwerken. "Russland ist ein systemrelevanter Energielieferant, ohne den weder globale Stabilität noch ein nachhaltiges Modell für weltweites Wachstum möglich sind", erklärt er weiter. Dmitrijew spekuliert sogar über einen möglichen Ölpreis von 200 US-Dollar pro Fass. "Da die Öl- und Gasinfrastruktur im Nahen Osten angegriffen wird und die Förderung begrenzt ist, wird die Energiekrise leider viel tiefer und länger sein, als viele erwarten", meint er.

Experten gehen davon aus, dass der Staat bei einem durchschnittlichen Preis für Urals-Öl von 70 Dollar pro Barrel zusätzliche Einnahmen von etwa 2 Billionen Rubel erzielen könnte, berichtet die kremlnahe Zeitung "Iswestija". Zum Vergleich: 2025 flossen 8,5 Billionen Rubel (92,4 Milliarden Euro) aus dem Verkauf von Öl und Gas in den Staatshaushalt. Klar bleibt jedoch, dass Sanktionen wie der Preisdeckel im Westen auf russisches Öl sowie Maßnahmen gegen Moskaus Schattenflotte weiterhin wirken.

Was bedeutet das für Moskaus teuren Krieg gegen die Ukraine?

Wenn der Ölpreis über längere Zeit hoch bleibt, erhält Russland zusätzlichen finanziellen Spielraum – auch für militärische Projekte und seinen seit gut vier Jahren andauernden Angriffskrieg gegen die Ukraine. In Moskau ist zudem die Schadenfreude groß, weil in der EU auch für die westliche Rüstungsindustrie wichtige Energiekosten deutlich steigen. Russland fordert daher, dass die EU keine Waffen mehr an die Ukraine liefert – und der Krieg dadurch endet.

Eigentlich wollte die EU mit Sanktionen gegen russisches Öl und Gas der Energiegroßmacht den Geldfluss für den Krieg gegen die Ukraine stoppen. Dieses Ziel verfolgte einst auch US-Präsident Donald Trump. Nun droht Kremlchef Putin sogar damit, dem von der EU beschlossenen Totalembargo gegen russisches Gas zuvorzukommen – und seine Rohstoffe auf andere, "verlässlichere Märkte" umzuleiten. Dadurch könnte der Ölpreis erneut steigen.

Werden nun alle finanziellen Probleme Russlands gelöst?

Nein. Die erwarteten zusätzlichen Einnahmen reichen nicht aus, um das Haushaltsdefizit vollständig auszugleichen, berichtet "Iswestija" unter Berufung auf Energie- und Finanzexperten. Demnach müssten auch die Ölpreise, damit sie tatsächlich eine positive Wirkung auf den Haushalt haben, mindestens drei bis sechs Monate auf dem aktuellen Niveau bleiben.

Zuletzt veröffentlichte das russische Finanzministerium ein konsolidiertes Defizit für das vergangene Haushaltsjahr von beispiellosen 8,3 Billionen Rubel (rund 90 Milliarden Euro). Auch in diesem Jahr wird erneut ein hohes Defizit erwartet. Bereits im Januar entstand eine Haushaltslücke von 1,7 Billionen Rubel – 252 Milliarden Rubel mehr als im gleichen Monat des Vorjahres.

Ein weiteres Problem für den russischen Haushalt ist der relativ starke Rubel. Für Dollareinnahmen wurde im Haushalt ein durchschnittlicher Umrechnungskurs von 92,2 Rubel je US-Dollar angesetzt. Tatsächlich liegt der Kurs jedoch bei unter 80 Rubel je US-Dollar, wodurch weniger Geld in die Staatskasse fließt. Gleichzeitig steigen die staatlichen Ausgaben, weshalb die Behörden zunehmend Sparmaßnahmen vorschlagen, etwa bei Infrastrukturprojekten. In der Hauptstadt Moskau ordnete Bürgermeister Sergej Sobjanin sogar einen Personalabbau von 15 Prozent an.

Der hohe Ölpreis nutzt Russland

Der steigende Ölpreis verschafft Russland kurzfristig spürbare finanzielle Entlastung. Höhere Einnahmen aus Energieexporten könnten das Haushaltsdefizit verringern und zusätzliche Mittel für den Staat bereitstellen. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung, wie stark Russlands Wirtschaft weiterhin vom Öl-Preis abhängt. Sanktionen, Preisrabatte für wichtige Abnehmer und Währungseffekte begrenzen jedoch den tatsächlichen Nutzen der Ölpreis-Entwicklung. Selbst bei dauerhaft hohen Preisen bleiben strukturelle Probleme im russischen Haushalt bestehen. Der Ölpreis kann Moskau deshalb zwar Zeit und Spielraum verschaffen – eine nachhaltige Lösung für die wirtschaftlichen Herausforderungen Russlands ist er jedoch nicht.

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