Politik

Teheran droht mit Boykott: Libanon-Konflikt belastet Friedensgespräche

Die diplomatischen Bemühungen um eine dauerhafte Belegung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran stehen vor einer Zerreißprobe. Teheran droht nun offen mit einem Abbruch der geplanten Friedensgespräche in Pakistan, sollte Israel seine massiven Angriffe im Libanon nicht einstellen. Während das Deutsche Rote Kreuz vor einer humanitären Katastrophe im libanesischen Krisengebiet warnt, verschärft US-Präsident Donald Trump den Ton und droht dem Iran bei einem Scheitern der Verhandlungen mit militärischer Vernichtung.
10.04.2026 14:15
Lesezeit: 3 min

Iranische Führung fordert Garantien für den Libanon

Kurz vor Friedensgesprächen zum Iran-Krieg macht Teheran hinter den Kulissen Druck für eine Einbeziehung des Libanon in die aktuelle Waffenruhe. Die iranische Führung fordere Garantien, dass der Libanon Thema der Verhandlungen wird, hieß es aus gut informierten Kreisen in Teheran.

Israel greift bislang weiterhin Stellungen der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon an. Diese feuerte ihrerseits am Morgen Geschosse auf Nordisrael ab. Auch deswegen blieb zunächst unklar, ob Teheran überhaupt die Verhandlungsführer zu den Gesprächen über eine dauerhafte Friedenslösung in die pakistanische Hauptstadt Islamabad schicken würde. Der iranischen Nachrichtenagentur Mehr zufolge finden keine Verhandlungen statt, solange Israel seine Angriffe auf den Libanon fortsetzt.

Scharfe Sicherheitsvorkehrungen in Islamabad

Unterdessen wurde die Sicherheit in Islamabad erhöht. Mehr als 10.000 Sicherheitskräfte, darunter Soldaten, Polizisten und paramilitärische Einheiten wurden Behördenvertretern zufolge in Islamabad stationiert. Das Regierungsviertel und die diplomatische Zone wurden abgeriegelt.

Aus Sicherheitskreisen in Pakistan hieß es, am Freitag seien Vorgespräche auf Expertenebene vorgesehen. Am Samstag sei ein Treffen der Verhandlungsführer angedacht. Die Gespräche könnten bei Bedarf demnach auch bis Sonntag andauern.

Für eine langfristige Beilegung des Konflikts müssten sich die Kriegsparteien in vielen strittigen Punkten einig werden, darunter auch Irans Atomprogramm und Teherans Entwicklung ballistischer Raketen.

DRK warnt vor humanitärer Katastrophe im Libanon

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) warnt vor einer humanitären Katastrophe im Libanon. «Zahlreiche Krankenhäuser sind aufgrund der vielen Verwundeten überfüllt und es droht ein Engpass von bestimmten Arzneimitteln und Materialien, insbesondere wenn die Angriffe anhalten sollten», sagte DRK-Präsident Hermann Gröhe der «Rheinischen Post».

In den vergangenen Tagen seien zunehmend dicht besiedelte Gebiete ohne ausreichende Vorwarnung unter Beschuss geraten, so Gröhe. Der bewaffnete Konflikt habe ein neues, nochmals verheerenderes Ausmaß erreicht.

Gröhe rief dazu auf, das humanitäre Völkerrecht einzuhalten. Gesundheitseinrichtungen und medizinisches Personal seien zu schonen und die Zivilbevölkerung zu schützen. Im aktuellen Krieg seien erneut Helfende getötet worden, unter anderem einer vom Libanesischen Roten Kreuz.

Israel und Libanon sollen verhandeln

Bei einer großangelegten Angriffswelle Israels am Mittwochnachmittag wurden in mehreren Teilen des Libanon binnen weniger Stunden nach Behördenangaben mehr als 300 Menschen getötet. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums waren darunter auch rund 30 Minderjährige und 71 Frauen. Dem israelischen Militär zufolge galt der Angriff Kommandeuren und militärischer Infrastruktur der mit dem Iran verbündeten Hisbollah-Miliz.

Die Waffenruhe im Iran gilt nach Einschätzung der israelischen Regierung nicht für die von Teheran finanzierte Hisbollah im nördlichen Nachbarland. Israel werde die Miliz weiterhin mit Härte bekämpfen und nicht aufhören, ehe es Sicherheit für die Bevölkerung im Norden Israels gebe, sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Allerdings kündigte er direkte Verhandlungen mit dem Libanon an. Diese sollen Berichten zufolge kommende Woche in Washington auf der Ebene von Botschaftern beginnen.

Wie geht es weiter mit der Straße von Hormus?

Ärger gibt es vor den Gesprächen auch um die Straße von Hormus. Nach Ansicht von US-Präsident Donald Trump hält sich der Iran bei der Öffnung der für die globale Energieversorgung bedeutenden Meerenge nicht an das Abkommen über eine zweiwöchige Waffenruhe.

Der Iran leiste hier «sehr schlechte Arbeit», die man auch als «unredlich» bezeichnen könne, schrieb Trump auf der Plattform Truth Social. «Das ist nicht die Vereinbarung, die wir getroffen haben!» Trump drohte dem Iran aber zunächst nicht unmittelbar mit Konsequenzen.

Kurz zuvor hatte Trump bereits geschrieben, es gebe Berichte, wonach Teheran Gebühren von Tankern für die Durchfahrt verlange. Er warnte: Das sollten sie besser nicht tun und falls sie es tun, sollten sie besser «jetzt damit aufhören!».

Bericht: Weiterhin kaum Schiffspassagen

Der US-Sender CBS berichtete unter Berufung auf den Informationsdienst Marine Traffic, dass in den zwei Tagen seit Ankündigung der Waffenruhe lediglich ein Dutzend Schiffe die Meerenge passiert hätte. Dabei handelt es sich um einen Bruchteil des Schiffsverkehrs vor Beginn des Iran-Kriegs.

Als Reaktion auf die amerikanisch-israelischen Angriffe blockierte der Iran Anfang März die Straße von Hormus. Der Transport von Öl- und Flüssiggas aus dem Persischen Golf durch die Meerenge in den Golf von Oman kam damit praktisch zum Erliegen, die Weltmarktpreise stiegen seither rasant an.

Schäden im Iran

Bei den israelisch-amerikanischen Angriffen im Iran sind nach Angaben des Roten Halbmonds mehr als 125.000 zivile Einrichtungen beschädigt oder zerstört worden. Darunter seien etwa 100.000 Wohnungen und mindestens 23.500 Geschäfte, sagte der Leiter der iranischen Rothalbmond-Gesellschaft, Pirhussein Koliwand, im iranischen Staatsfernsehen.

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