Politik

Rasmussen: Nato muss in Osteuropa schnell eingreifen können

Nato-Generalsekretär Rasmussen will beim Gipfel in Wales die Schaffung einer Nato-geführten 4000 Mann starken schnellen Eingreiftruppe beschließen lassen. Neue Stützpunkte sollen dafür in Polen, dem Baltikum und Rumänien entstehen. Kurz zuvor hatten sieben Nato-Mitgliedern ein ähnliches Projekt unter britischer Führung mit 10.000 Mann beschlossen.
03.09.2014 01:57
Lesezeit: 1 min

Eine neue schnelle Eingreiftruppe soll künftig die Speerspitze der Nato- Aufrüstungs-Bestrebungen gegen Russland bilden. Die Maßnahme soll die bisherige 14.000-Mann starke Eingreiftruppe erweitern und fitter, schneller und flexibler machen.

Nato-Generalsekretär Rasmussen sagte in Brüssel, die Truppe werde binnen kürzester Zeit einsatzbereit sein, um „wo immer nötig mit Unterstützung aus der Luft, zu Wasser und mit Spezialkräften zu reagieren“. Sie werde die Größe und Formation einer Brigade von 4000 Soldaten haben und per Rotationsprinzip aus den Nato-Mitgliedsstaaten rekrutiert.

Die Truppe bildet die Speerspitze eines Bereitschafts-Aktionsplans, der auf dem jährlichen Nato-Gipfel in Wales am Freitag vorgestellt werden soll. Teil des Plans sind auch Stützpunkte auf Nato-Territorium mit entsprechende Experten für Versorgung, Kommando, Kontrolle und Logistik, die es der Truppe ermöglichen wenn nötig „leicht zu reisen und hart zuzuschlagen.“

Im polnischen Stettin soll zudem ein neues Kommando-Zentrum entstehen, vier weitere Stützpunkte seien in den baltischen Staaten und Rumänien geplant. Auch weitere Waffen sollen in Osteuropa und den in Stellung gebracht werden, Militär-Übungen sollen regelmäßiger und in größerem Umfang stattfinden.

Dies bedeute Rasmussen zufolge eine stärkere Präsenz der Nato im Osten, „solange wie nötig.“

Der Nato-Generalsekretär will zudem die millitärischen Beziehungen zu Georgien stärken, die Nato-Mission in Tiflis ausweiten und ein militärisches Trainings-Zentrums gründen.

Der Allianz ist bewusst, dass Putin die Ausweitungspläne als Agression verstehen dürfte: Die Russland-Nato-Gründung-Akte über gegenseitige Beziehungen verbietet jede neue „dauerhafte Stationierung substantieller Streitkräfte“ im Osten durch die Nato. Mehrere Mitgliedsländer, darunter Polen und das Baltikum, haben wegen der Beschränkungen zur Truppenaufstockung in den ehemaligen Ostblockländern jüngst sogar die Auflösung des Nato-Russland-Vertrags gefordert. Die Nato stufe Russland inzwischen ohnehin als „Bedrohung für die euroatlantische Sicherheit“ ein. Die Nato versichert jedoch, Juristen hätten die neuesten Pläne so entworfen, dass sie mit der Vereinbarung von 1997 übereinstimmen.

Die juristische Umgehung dieses Vertrags könnte auch der Grund sein, weshalb ein weiteres Aufrüstungsprojekt von sieben Nato-Mitgliedsländern offiziell nicht Nato-geführt heißt: Großbritannien leitet das Projekt zur Schaffung einer neuen Sieben-Nationen-Erkundungstruppe. Zehntausend Soldaten sollen der neuen multilateralen Armee angehören und regelmäßig gemeinsam üben.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Fossiles Heizen: Explodieren die Preise 2027?
30.08.2025

Seit Jahren herrscht ein Kampf in Europa: Wie kann man die klimaschädlichsten Aspekte des Gebäudesektors in Angriff nehmen und...

DWN
Finanzen
Finanzen Wird die Grundsteuer erhöht? Zu viele Ausgaben, zu wenig Einnahmen - deutsche Kommunen vorm finanziellen Kollaps
30.08.2025

Fast neun von zehn Städten und Gemeinden in Deutschland droht in absehbarer Zeit die Pleite, wie der Stadt Moers in NRW. Die Kommunen...

DWN
Technologie
Technologie Atomkraftwerke in Deutschland: Rückbau "läuft auf Hochtouren"
30.08.2025

Seit dem endgültigen Atomausstieg läuft in Deutschland der Rückbau von Kernkraftwerken. Doch wie weit ist dieser Prozess tatsächlich?...

DWN
Finanzen
Finanzen Erneuerbare Energien-ETF: Vergleich – wie Anleger am besten vom globalen Energieumbruch profitieren können
30.08.2025

Der weltweite Energieumbruch verändert Märkte, Technologien und Kapitalströme – und die globale Energiewende ist längst Realität....

DWN
Technologie
Technologie Europas Energie aus dem All: Die Sonne könnte 80 Prozent liefern
30.08.2025

Forscher sehen eine radikale Lösung für Europas Energiekrise: Solarkraftwerke im All sollen bis 2050 vier Fünftel des Bedarfs decken –...

DWN
Technologie
Technologie Retro-Revival: Warum die Kassette ein Comeback erlebt
30.08.2025

Retro ist wieder in – und die Musikkassette steht dabei im Mittelpunkt. Einst totgeglaubt, erlebt sie heute ein überraschendes Comeback....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Zu viele Tools, zu wenig Schutz: Wie Unternehmen ihre Cyberabwehr selbst sabotieren
30.08.2025

Je mehr Sicherheitslösungen, desto sicherer? Das Gegenteil ist der Fall: Tool-Wildwuchs, inkompatible Systeme und überforderte Teams...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschland rüstet auf: Digitale Waagen gegen Brummi-Sünder
30.08.2025

Überladene Lkw ruinieren Straßen und bedrohen die Sicherheit. Deutschland setzt jetzt auf digitale Hightech-Waagen – und erklärt den...