Politik

Sinkender Ölpreis signalisiert tiefe Krise der Weltwirtschaft

Lesezeit: 2 min
16.09.2014 00:39
Der Ölpreis ist mit 97 Dollar pro Barrel so niedrig wie seit über zwei Jahren nicht mehr. Denn die globale Nachfrage nach Öl ist anhaltend schwach. Daher hat Saudi-Arabien seine Öl-Exporte bereits deutlich reduziert. Die Internationale Energieagentur glaubt nicht mehr an eine wirtschaftliche Erholung und erwartet auch für 2015 eine geringere Öl-Nachfrage.

Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die globale Nachfrage nach Öl geht zurück. Der Ölpreis ist in der vergangenen Woche erstmals seit anderthalb Jahren unter die Marke von 100 Dollar gefallen. Am Montag lag der Preis für ein Barrel Brent Crude Rohöl bei 97 Dollar pro Barrel – so niedrig wie zuletzt im Juli 2012. Ursache für die schwache Öl-Nachfrage ist die weltweite wirtschaftliche Krise.

Die globale Öl-Nachfrage ist nach Angaben der Internationale Energieagentur (IEA) im zweiten Quartal nur um 500.000 Barrel Rohöl pro Tag gestiegen. Dieser Anstieg bei der Öl-Nachfrage ist so gering wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr, berichtet die Financial Times. In dem Monatsbericht der IEA heißt es:

„Während das unaufhaltsame Wachstum beim unkonventionellen Vorrat in Nordamerika viel Aufmerksamkeit erhalten hat, ist vielleicht der Gegenwind bei der Nachfrage allgemein weniger bemerkt worden. Die jüngste Abkühlung beim Nachfrage-Wachstum ist in Tat außergewöhnlich.

Wegen der schwachen Wirtschaftsprognosen für Europa und China hat die IEA ihre globale Nachfrageprognose für 2014 und 2015 nun nach unten korrigiert. Sie erwartet für 2014 eine globale Nachfrage von nur noch 92,6 Millionen Barrel pro Tag – ein Plus von 900.000 Barrel pro Tag zum Vorjahr. Für 2015 erwartet die Organisation eine globale Nachfrage von 93,8 Millionen Barrel pro Tag – ein Plus von 1,2 Millionen Barrel pro Tag.

„Öl ist ein führender Indikator, daher ist die wirtschaftliche Erholung vielleicht schwächer, als wir denken“, sagte Antoine Halff, Autor des IEA-Berichts. Außerdem sehe man in den Zahlen strukturelle Veränderungen im Verbraucherverhalten und einen Wechsel zu effizienteren Technologien.

In den vergangenen Wochen lagen an den Terminbörsen die Preise für eine spätere Lieferung höher als der aktuelle Spotpreis. Die ist ein Anreiz für die Marktteilnehmer, Vorräte anzulegen für den Fall, dass es zu Versorgungsunterbrechungen kommt, so die in Paris ansässige Organisation.

„Offensichtlich stärkt die Preisstruktur den weiteren Aufbau [von Vorräten]. Vor dem Hintergrund der unberechenbaren Situation im Mittleren Osten und in Nordafrika ist dies eine Wohltat für die globale Energiesicherheit.“

Trotz der anhaltenden Konflikte in Ländern wie dem Irak und Libyen ist die globale Versorgung mit Öl anhaltend stark. Die wichtigsten irakischen Ölfelder liegen im Südwesten des Landes und somit außerhalb der Reichweite des Islamischen Staats. Libyen konnte seine Fördermenge trotz des Bürgerkriegs im Land sogar massiv steigern. Hinzu kommt der Fracking-Boom in Nordamerika.

Doch wegen der schwachen Öl-Nachfrage rechnet die IEA mit niedrigeren Fördermengen als bisher. Sie senkte ihre Prognose auch für die Ölproduktion der Opec-Staaten um 200.000 Barrel pro Tag auf 30,6 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 2014 und um 300.000 Barrel pro Tag auf 29,6 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 2015.

Saudi-Arabien, der größte Ölproduzent der Opec, senkte seine Lieferungen im August um 330.000 Barrel pro Tag auf 9,68 Millionen Barrel pro Tag „als Antwort auf die geringe Nachfrage der Kunden“, so die IEA.

Aufgrund des erheblichen Preisrückgangs seit Mitte Juni erwarten einige Marktteilnehmer, dass Saudi-Arabien seine Produktion weiter senkt, um den Ölpreis zu stabilisieren. In den letzten vier Monaten sind die saudischen Ölexporte möglicherweise bereits auf 7 Millionen Barrel pro Tag gefallen – den niedrigsten Stand seit September 2011.

Auch die OECD senkte am Montag ihre globalen Wachstums-Erwartungen. In der Eurozone erwartet sie für dieses Jahr einen Anstieg des BIP um nur noch 0,8 Prozent. Ihre letzte Prognose im Mai lag noch bei 1,2 Prozent, berichtet Bloomberg. Auch für die USA korrigierte die in Paris ansässige Organisation ihre Erwartung nach unten, von 2,5 Prozent auf nur noch 2,1 Prozent.

„Der Optimismus der Finanzmärkte scheint der Verstärkung verschiedener bedeutender Risiken zu widersprechen“, so die OECD. Die größten Sorgen bereite das anhaltend langsame Wachstum in der Eurozone.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..



DWN
Politik
Politik Der Konzern-Sozialismus kommt: „Great Reset“ ist das Todesurteil für den deutschen Mittelstand

Die Ziele im Rahmen des „Great Reset“ und der Pandemie bedrohen vor allem den deutschen Mittelstand. Über 99 Prozent aller Unternehmen...

DWN
Politik
Politik Von Diktatoren umzingelt: Wann zerbricht in Europa die Demokratie?

In Europas Peripherie herrschen Diktatoren: Aber auch auf unserem so stabil scheinenden Kontinent steht die Demokratie im Feuer, schreibt...

DWN
Finanzen
Finanzen Vermeiden Sie diese 7 Fehler beim Aktienkauf

Fehler kosten an der Börse oftmals viel Geld. Privatanleger, die zum ersten Mal mit Aktien handeln, treten meistens in dieselben...

DWN
Politik
Politik Die Feinde von Byzanz: Putin vergleicht NATO und USA mit Kreuzfahrern

Russlands Präsident Putin hat angesichts der jüngsten Spannungen mit der NATO einen historischen Vergleich gezogen. Es dürfe niemals...

DWN
Finanzen
Finanzen Europa nach Corona: Werden die hohen Schulden eine nachhaltige Erholung bremsen?

Kann Europas Wirtschaft trotz der hohen Schuldenbelastung nach Corona wieder durchstarten? Der Chefvolkswirt der IKB Bank, Klaus Bauknecht,...

DWN
Finanzen
Finanzen In der Eurozone zirkulierende Geldmenge steigt weiter rasant an

Die in der Eurozone zirkulierende Geldmenge steigt weiter stark an. Offenbar decken sich die Bürger insbesondere mit Bargeld und schnell...

DWN
Deutschland
Deutschland Bundesbehörde behauptet nun: Vogelgrippe in Norddeutschland konnte sich durch Menschen verbreiten

Dem Friedrich-Loeffler-Institut zufolge, das eine selbstständige Bundesoberbehörde des Bundesministeriums für Ernährung und...

DWN
Finanzen
Finanzen Erster Euro-Zentralbankchef fordert offen noch stärkere Anleihekäufe durch die EZB

Griechenlands Notenbankchef Yannis Stournaras wagt sich aus der Deckung. Er fordert von der EZB ein noch stärkeres Gelddrucken, um den...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Großkonzerne verdrängen mit E-Autos und Vernetzung die kleinen Werkstätten

Zu den Verlierern von E-Mobilität und Digitalisierung gehören auch die freien Werkstätten. Die Autohersteller und ihre...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Das Ringen um die wichtigste Region der Welt - Teil 1

In Südostasien treffen geopolitische, wirtschaftliche und militärische Strategien von Amerikanern und Chinesen direkt aufeinander. Die...

DWN
Deutschland
Deutschland Reiseveranstalter sehen nur eine Rettung: Den digitalen Impfpass

Die deutsche Reisebranche will im Sommer endlich wieder höhere Umsätze machen. Sie setzt dabei auf den digitalen Impfpass, den alle...

DWN
Politik
Politik Lecker Essen und Geld-Spenden: Spahn beim Dinner während der Corona-Einschränkungen

Am 20. Oktober 2020 nahm Jens Spahn an einem Dinner mit mehreren Gästen teil, bei dem nach „BILD“-Informationen Geld-Spenden für ihn...

DWN
Politik
Politik Great Reset: Ansichten von SPD-Chefin Esken decken sich mit der Agenda des Weltwirtschaftsforums

Fleischverzicht, eine drastische Reduzierung von Flügen und weitere Maßnahmen sollen laut SPD-Chefin Saskia Esken gut sein, um das Klima...

DWN
Deutschland
Deutschland Bundesregierung schwört Bevölkerung auf fortgesetzten Lockdown ein

Die Mehrheit der Deutschen plädiert für Lockerungen, doch die Bundesregierung und ihre Experten halten dagegen und schließen ein...