Finanzen

Wirtschaft in Euro-Zone schwächelt: Dax im Minus

Lesezeit: 2 min
23.09.2014 16:07
Schwache Konjunkturdaten haben die Aktienkurse in der Euro-Zone sinken lassen. Der Dax und der EuroStoxx50 gaben jeweils um rund 1,4 Prozent nach. Zudem drückte ein neues US-Gesetz gegen Steuerflucht die Aktien der Pharma-Unternehmen ins Minus.
Wirtschaft in Euro-Zone schwächelt: Dax im Minus

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Angesichts der schwächelnden Wirtschaft in der Euro-Zone haben die Anleger am Dienstag einen Bogen um Aktien gemacht. Dax und EuroStoxx50 gaben jeweils rund 1,4 Prozent auf 9612 beziehungsweise 3200 Zähler nach. Die konjunkturellen Sorgen in der Euro-Zone seien zuletzt nicht kleiner geworden, sagte ein Börsianer. Der Markit-Einkaufsmanagerindex für die gesamte Privatwirtschaft sackte im September überraschend um 0,2 auf 52,3 Punkte und fiel damit auf den tiefsten Stand seit neun Monaten.

Auch die neuesten Konjunkturdaten aus China überzeugten die Investoren nicht. Die Industrie nahm im September zwar wieder Fahrt auf. Gleichzeitig fiel jedoch die Beschäftigung in der Branche auf den niedrigsten Stand seit fünfeinhalb Jahren. „Die aktuelle Lage der chinesischen Wirtschaft ist in Anbetracht der widrigen weltwirtschaftlichen Bedingungen akzeptabel“, sagte Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank Gruppe. „Klar ist aber auch, ohne die staatlichen Investitionsimpulse und Kreditlockerungen sähe die Situation wesentlich trüber aus.“

An der Wall Street bahnte sich eine schwächere Eröffnung an. Für Unruhe sorgte eine Ausweitung der US-Luftangriffe gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS). In der Nacht zum Dienstag hatten die USA und einige arabische Staaten die IS in Syrien angegriffen. Bislang waren die Angriffe auf den Irak begrenzt.

Unter den Einzelwerten sorgten Analystenkommentare für Bewegung. Eine Herunterstufung der UBS drückte BMW 2,7 Prozent ins Minus - die Experten hatten die Titel auf „Neutral“ von „Buy“gesetzt. Die Analysten halten den Münchener Konzern zwar für den am besten geführten Autobauer in Europa. Allerdings bemängelten sie die nachlassende Gewinndynamik bei den Bayern.

Noch stärker ins Minus rutschten Continental, die sich um mehr als vier Prozent auf 152,75 Euro verbilligten. Hier hatten die UBS-Analysten das Kursziel auf 165 von 170 Euro gesenkt. Auch die skeptischen Töne des Reifenherstellers Michelin trugen nicht gerade zur Stimmungsaufhellung in der Branche bei. Finanzchef Marc Henry sagte der Zeitung Les Echos, es werde schwieriger, das Absatzziel in diesem Jahr zu erreichen. Michelin rutschten an der Pariser Börse um bis zu 3,6 Prozent auf ein Neun-Monats-Tief von 75,01 Euro. Die Aktien des italienisches Reifenherstellers Pirelli gaben 1,9 Prozent nach.

Auf der Gewinnerseite bauten Merck-Aktien ihren 4,4-prozentigen Kursgewinn vom Vortag aus und legten in der Spitze 1,6 Prozent auf 73,80 Euro zu. Der Pharma- und Chemiekonzern hatte am Montag mitgeteilt, für 13,1 Milliarden Euro den US-Laborausrüster Sigma-Aldrich zu kaufen. Die Deutsche Bank erhöhte das Kursziel für Merck auf 85 von 79 Euro.

Viele andere Pharmawerte dies- und jenseits des Atlantik gingen dagegen auf Talfahrt: Sie litten unter einer US-Initiative zur Bekämpfung von Steuerflucht. An der Londoner Börse brachen AstraZeneca und Shire um jeweils 5,5 Prozent ein. Im vorbörslichen US-Geschäft notierten Pfizer, Mylan, Abbott und AbbVie zwischen 1,5 und 3,8 Prozent niedriger.

Das neue US-Gesetz richtet sich gegen die Praxis, durch die Übernahme einer ausländischen Firma den Steuersitz in einen Staat mit geringeren Unternehmensabgaben zu verlegen. Das sofort geltende Maßnahmenpaket trifft vor allem jene Firmen, die entsprechende Deals angestoßen, aber noch nicht abgeschlossen haben. Damit steht unter anderem die 55 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Shire durch AbbVie auf der Kippe, ebenso könnte es Pfizer davon abhalten, seine jüngst abgewiesene Kauf-Offerte von 118 Milliarden Dollar für AstraZeneca nachzubessern.


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Die Bahn kommt: Bund und Länder einig über Sanierungskosten und Ertüchtigung
14.06.2024

Vor lauter Hiobsbotschaften von der Bahn gehen manchmal die wirklich wichtigen Nachrichten unter. Bund und Länder haben sich diese Woche...

DWN
Politik
Politik Die DWN-Chefredaktion kommentiert: Warum Deutschland bei Abschiebungen Zeit verschwendet
14.06.2024

Liebe Leserinnen und Leser, jede Woche gibt es ein Thema, das uns in der DWN-Redaktion besonders beschäftigt und das wir oft auch...

DWN
Immobilien
Immobilien ZIA-Immobilientag 2024: Krise in der Baubranche „ist noch gar nicht richtig angekommen“
14.06.2024

Beim jährlichen „Tag der Immobilienwirtschaft“ des Spitzenverbands der deutschen Immobilienwirtschaft (ZIA) diese Woche war ein...

DWN
Politik
Politik Waffenruhe Ukraine: Putin nennt Verzicht auf NATO-Mitgliedschaft als Bedingung
14.06.2024

Russlands Präsident Wladimir Putin bietet eine Waffenruhe in der Ukraine an, stellt dafür aber klare Bedingungen auf: Die Ukraine muss...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft EU-Strafzölle treffen auch Tesla: Warnung vor Preiserhöhungen
14.06.2024

Obwohl Tesla eine Fabrik in Grünheide hat, importiert das Unternehmen den Bestseller Model 3 aus Shanghai nach Deutschland. Jetzt...

DWN
Politik
Politik Krieg in Nahost: Bidens Friedensplan erhält Unterstützung von den G7
14.06.2024

Im Bemühen, einen Weg aus dem Gaza-Krieg zwischen Israel und der islamistischen Hamas zu finden, hat sich auch die G7-Gruppe der...

DWN
Politik
Politik Ostseerat in Finnland: Baerbock fordert Einheit gegen Russlands Nadelstiche
14.06.2024

Russland strebt durch gezielte Provokationen wie Sabotage, GPS-Störungen und die Verbreitung von Desinformation im Ostseeraum an,...

DWN
Politik
Politik Schuldenerlass: Bundesregierung verzichtete seit 2000 auf knapp 16 Milliarden Euro an Auslands-Forderungen
14.06.2024

Deutschland geht etwas leichtfertig mit Forderungen an andere Länder um, wie kumulierte Schuldenerlässe von 16 Milliarden Euro innerhalb...