Politik

Portugal: Premier Coelho rechnet mit weiterem Hilfspaket

Lesezeit: 1 min
18.04.2012 22:57
Im September 2013 will Portugal an die Kapitalmärkte zurückkehren. Die Regierung setzte bereits etliche Reformen um, doch die Refinanzierungskosten sind weiter extrem hoch. Der portugiesische Premier schließt deshalb ein weiteres Rettungspaket nicht aus.
Portugal: Premier Coelho rechnet mit weiterem Hilfspaket

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

„Ich bin zuversichtlich bezüglich des Reformplans, den wir eingeführt haben, und hinsichtlich unserer Fähigkeit, wieder rechtzeitig an die Märkte zurückzukehren, wenn wir alles umsetzen“, schreibt der portugiesischen Premier Pedro Passos Coelho in der FT. Doch wirklich zuversichtlich ist er in seinen Äußerungen nicht: „Allerdings ist es wichtig zu sagen, auch wenn es kontrovers klingen mag, dass es in einer Zeit der Unsicherheit keine Garantien gibt“, fährt er fort. „Es gibt so viele Faktoren, die außerhalb unserer Kontrolle liegen, die niemand mit Sicherheit vorhersagen kann.“

Zwar sei die portugiesische Regierung der „Erfüllung unserer Verpflichtungen“ verbunden, „aber während wir optimistisch sind, müssen wir auch realistisch und pragmatisch sein“, erklärt Pedro Passos Coelho. Ein weiteres Rettungspaket kann und will der portugiesische Premierminister also nicht ausschließen. Die portugiesische Regierung akzeptiere, „dass wir eventuell auf das Engagement unserer internationalen Partner angewiesen sind, um den Umfang der weiteren Unterstützung auszuweiten“, wenn Umstände, die außerhalb der Kontrolle der portugiesischen Regierung liegen, eintreten würden.

Die geplanten Reformen sieht Pedro Passos Coelho nicht als „auferlegte Verpflichtung“, fährt er fort. Auch ohne das unter das Bailout fallende Programm, müsste Portugal dringenden Reformen durchführen. Die bisherigen Fortschritte sieht er in der erfolgreichen Privatisierung von staatlichen und teilstaatlichen Unternehmen und den begonnen Arbeitsmarktreformen. Dies belebe den Handel und fördere die ausländischen Direktinvestitionen. „Sie werden auch unsere Wirtschaft effizienter und flexibler machen.“

Zwar sei man sich bewusste, dass Sparprogramme sich auf lange Sicht negativ auf das Wachstum auswirken können (der IWF mahnte dies bereits an – hier), aber man habe ein „ausgewogenes Maßnahmenpaket“. Und schließlich seien die Haushalts- und Zahlungsbilanzen die Voraussetzung für nachhaltiges Wachstum“, zeigt sich Pedro Passos Coelho überzeugt.

Sieht man sich die aktuellen Zahlen an, ist eine Rückkehr Portugals an die Kapitalmärkte angesichts der aktuellen Zinssätze in weiter Ferne. Im September 2013 muss das Land Kredite im Umfang von 9 Milliarden Euro zurückzahlen. Zehnjährige Anleihen werden derzeit zwischen 11,7 und 12,7 Prozent gehandelt, das ist fast doppelt so viel wie bei spanischen Anleihen derselben Kategorie. Und schaut man sich Irland an, als Land das ebenfalls Geld vom EFSF bezieht, so liegen hier die Zinssätze bei „nur“ 6,9 Prozent.

Mehr zum Thema

IWF: In Europa droht Kreditklemme für den Mittelstand

100 Milliarden Euro weg: Massive Kapitalflucht aus europäischen Bonds

Sarkozy: Ohne stärkere Rolle der EZB wird Europa sterben

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Das ist die offizielle Webseite der „Great Reset“-Initiative des Weltwirtschaftsforums

Das Weltwirtschaftsforum verfügt über eine Webseite zur „Great Reset“-Initiative. In diesem Artikel erhalten Sie weiterführende...

DWN
Politik
Politik Zweiter Platz mit 19 Prozent: Großer Erfolg für Marine Le Pen bei Regionalwahlen

Bei den französischen Regionalwahlen hat der Rassemblement National 19 Prozent der Stimmen eingefahren. Damit landet Marine Le Pens Partei...

DWN
Politik
Politik Kokain-Pandemie: Konsum des weißen Pulvers nimmt unter Deutschen deutlich zu

Seit Beginn der Corona-Pandemie hat der Kokain-Konsum unter den Deutschen deutlich zugenommen. Deutschland verkommt zu einer Republik von...

DWN
Finanzen
Finanzen Der Weltraum wird privat und eröffnet Anlegern neue Chancen

Privatunternehmen drängen in den Kosmos. Prominente Vorreiter wie SpaceX und Blue Origin bringen Satelliten ins All, versorgen die...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Kreiß zeigt auf: Dem Finanzsystem droht massive Gefahr - von überraschender Seite

Eine bestimmte Gruppe von Akteuren auf dem internationalen Schulden- und Anleihe-Markt hat massive Probleme - die eine weltweite Finanz-...

DWN
Politik
Politik Das große DWN-Interview: "Genscher hat die ehemaligen Diplomaten der DDR gedemütigt"

Klaus Freiherr von der Ropp war Teil des außenpolitischen Sicherheitsapparats der Bundesrepublik während des Kalten Krieges. Im Gespräch...

DWN
Politik
Politik Verfehlte Strategie: Die Nato geht gegen Russland vor - während China sich anschickt, die Welt zu beherrschen

Die große Grundsatz-Analyse von DWN-Kolumnist Ronald Barazon: Die Nato positioniert sich gegen Russland, ganz so, als sei der Kalte Krieg...

DWN
Politik
Politik Die Schweiz: Ihr Franken und ihre kluge Diplomatie schützen das kleine Land im Herzen Europas

In Folge 17 der großen geopolitischen DWN-Serie analysiert Moritz Enders ein kleines Land im Herzen Europas, das seine Sicherheit und...