Italien ändert Statistik-Methode und ist wieder Wachstums-Land

Italien ist seit heute wieder überraschend eine „Wachtums-Lokomotive“: Die Umstellung der Statistik führt dazu, dass die Schulden sinken, die Wirtschaft wächst und die Rezession von einem Tag auf den anderen verschwindet. Deutschland hat diesen Trick bereits früher angewendet - und muss nun der Welt erklären, warum das Wunder nicht von Dauer war.

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Italien steckt seit wenigen Minuten offiziell nicht mehr in der Rezession. Das nationale Statistikamt Istat stellte seine Berechnungen zur Wirtschaftsleistung um und veröffentlichte die neuen Zahlen am Mittwoch. Demnach stagnierte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Anfang 2014 und schrumpfte nicht wie ursprünglich gemeldet um 0,1 Prozent im Vergleich zum Ende 2013. Den Rückgang der Wirtschaftskraft im zweiten Quartal bezifferten die Statistiker wie bisher auf 0,2 Prozent. Dies bedeutet, dass Italien nicht mehr in einer sogenannten technischen Rezession steckt. Diese liegt im Fachjargon vor, wenn das BIP zwei Quartale in Folge sinkt.

Tatsächlich ist natürlich völlig unbestritten, dass sich die Wirtschaft in der drittgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone besorgniserregend entwickelt. Die Industriestaaten-Gruppe OECD geht davon aus, dass Italiens Wirtschaft 2014 um 0,4 Prozent schrumpft. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet minus 0,2 Prozent.

Durch eine Neuberechnung der Wirtschaftsleistung sollen Konjunkturdaten weltweit besser vergleichbar sein. Die Amerikaner haben den Trick schon vor einiger Zeit angewendet. Das Statistische Bundesamt hat für Deutschland diesen Schritt bereits vollzogen. Nach der neuen Berechnung fällt das BIP größer aus, denn das Geld, das Unternehmen in Forschung und Entwicklung stecken, wird als Investition verbucht. Bislang wurden diese Ausgaben vor allem als Vorleistungen angesehen und fielen deshalb bei der Berechnung weitgehend heraus.

Für Italien bedeutet dies, dass der Schuldenberg des Landes im Verhältnis zum BIP 2013 kleiner geworden ist. Die Defizitquote des Landes stieg im ersten Halbjahr 2014 auf 3,8 Prozent und damit über der in der EU erlaubten Grenze von drei Prozent, wie die Statistiker nun mitteilten. Die Einnahmen sanken stärker als die Ausgaben. Vor Jahresfrist hatte das Verhältnis neuer Schulden zur Wirtschaftskraft bei 3,5 Prozent gelegen.

Interessanterweise wurde die Umstellung in Deutschland von der Öffentlichkeit kaum bemerkt. Es ist der Bundesregierung gelungen, die Entwicklung positiver darzustellen als sie tatsächlich ist. Allerdings sieht man am Beispiel Deutschlands, dass solche – vollkommen legalen – Tricks nicht lange wirken: Erst diese Woche musste die Bundesregierung ihre Prognosen nach unten korrigieren.

Auch die US-Methode wurde nicht als Problem gesehen – im Gegenteil: Zahlreiche „Experten“ betonten nach der Umstellung, dass die US-Wirtschaft im Unterschied zu Europa wieder kräftig wachse.

Es wäre daher unfair, nur die Italiener zu beschimpfen. Die Methode ist Bestandteil der neuen, internationalen Berechnungsmethoden. Diese Methoden dienen dazu, die globale Wirtschaft zu harmonisieren – haben jedoch den angenehmen Nebeneffekt, dass die internationale Schulden-Industrie ihrem Geschäftsmodell für einen längeren Zeitraum nachgehen kann. 

Italien ist in diesem Fall also mitnichten das schwarze Schaf, als das es jetzt dargestellt werden könnte.

Im übrigen hat Italien als Kulturland einen unschätzbaren Wert für Europa. Daher wollen wir uns an dieser Stelle nicht mit läppischen Statistiken befassen sondern verweisen in Würdigung der italienischen Oper auf eine großartige Aufführung des „Bajazzo“ von Ruggero Leoncavallo. In der Schluss-Arie des Canio endet das Leben des traurigen Clowns mit dem programmatischen Ausruf: La commedia è finita!

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