VW kündigt verschärften Sparkurs an

 

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21.11.2014 17:22
Volkswagen muss seine Kosten um zehn Milliarden Euro senken. Alle Marken des Autobauers sind von dem verschärften Sparkurs betroffen. So soll die Rendite der Marke Volkswagen bis 2018 auf mindestens sechs Prozentpunkte verdoppelt werden.
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Volkswagen will seine Kosten konzernweit offenbar um zehn Milliarden Euro senken. Für den Gesamtkonzern könnten sich die Effizienzmaßnahmen auf diese Summe belaufen, sagte ein VW-Manager der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. Zu dem bereits bekannten Sparprogramm bei der Hauptmarke VW von fünf Milliarden Euro dürfte demnach noch einmal die gleiche Summe bei den Pkw-Marken Audi, Porsche, Skoda, Seat und den VW-Nutzfahrzeugen hinzukommen. Alle Marken des Wolfsburger Konzerns müssten ihre Kosten mit Blick auf die hohen Investitionen zur Senkung des CO2-Ausstoßes, für die Elektromobilität und die Vernetzung der Autos zurückschrauben, sagte der Insider.

Gleichzeitig investiert Europas größter Autobauer weiter kräftig in neue Fahrzeugmodelle, die Erweiterung seiner weltweiten Produktionskapazitäten und umweltschonende Antriebe. Der Aufsichtsrat beschloss am Freitag, in den nächsten fünf Jahren 64,3 Milliarden Euro für Sachinvestitionen zu verwenden, knapp eine Milliarde mehr als im Vorjahr angekündigt. „Der hohe Innovationsdruck und die steigenden Anforderungen aus der CO2-Gesetzgebung an die Automobilindustrie erfordern auch in Zukunft hohe Entwicklungsausgaben“, sagte Konzernchef Martin Winterkorn. Der Konzern habe die finanzielle Stärke, um seine Ziele für 2018 zu erreichen. Bis dahin will VW auch bei der Profitabilität näher an Toyota heranrücken. Bei der Zahl der verkauften Autos wollen die Wolfsburger bereits in diesem Jahr die Marke von zehn Millionen knacken und zum japanischen Weltmarktführer aufschließen.

Mehr als die Hälfte der Sachinvestitionen will Volkswagen in Deutschland einsetzen. Der Betriebsrat und das Land Niedersachsen als zweigrößter Aktionär begrüßten dies. Wegen der fortschreitenden Internationalisierung des Konzerns sinkt der Anteil allerdings auf 56 Prozent. Zuletzt waren es fast 60 Prozent, die in die deutschen Standorte investiert wurden.

Winterkorn hatte im Sommer ein Sparprogramm angekündigt, um die Kosten der Marke VW um jährlich fünf Milliarden Euro zu senken. Die Einsparungen sollen schrittweise steigen. Dadurch soll die Rendite der Marke Volkswagen im operativen Geschäft bis 2018 auf mindestens sechs Prozent gehievt werden; zuletzt hatte sie bei knapp der Hälfte gelegen. Details der geplanten Schritte sind noch nicht bekannt. Es zeichnet sich eine Vielzahl an Maßnahmen ab, durch die die Wolfsburger Hauptmarke fit gemacht werden soll, die nach Winterkorns Analyse der Konkurrenz bei der Produktivität hinterherfährt.

Auch die Oberklassetochter Audi soll ihre Kosten senken. Allerdings geht es bei den etwa zwei Milliarden Euro, von denen bei Audi die Rede ist, nicht in erster Linie um die Rendite. Audi muss - wie alle Marken des Konzerns - hohe Ausgaben für neue Antriebsarten und Modelle stemmen. Die Ingolstädter haben sich vorgenommen, die direkten Rivalen BMW und Daimler in einigen Jahren abzuhängen.

Wie hoch die Einsparungen bei den anderen Marken ausfallen sollen und ob auch die Lkw-Töchter MAN und Scania davon betroffen sind, ist bislang unklar. Die Kostensenkungen sollen Basis für neue Ziele sein, die Winterkorn dem Zwölf-Markenkonzern für die Jahre nach 2018 geben will. Den „Future Tracks“ genannten Plan will der Konzernchef bei der alljährlichen Strategietagung des Managements im Dezember in Dresden verkünden.

Die Wolfsburger verfügen nach Meinung von Experten dank guter Geschäfte in China und bei den Töchtern Porsche und Audi über ausreichend finanzielle Stabilität, um die hohen Investitionen in neue Technik und Automodelle in den nächsten Jahren zu stemmen. Zuletzt hatte der Konzern im Geschäftsbereich Automobile 16,8 Milliarden Euro auf der hohen Kante.

Der neuen Investitionsplanung zufolge will der Konzern von 2015 bis 2019 einschließlich Entwicklungskosten 85,6 Milliarden Euro investieren. Allein in neue Automobile und Varianten sollen 41,3 Milliarden fließen. Dadurch soll das Angebot an Geländewagen erweitert und die Modellpalette der leichten Nutzfahrzeuge modernisiert werden.

23 Milliarden steckt Europas größter Autobauer in die Erweiterung der Kapazitäten - in Polen entsteht ein neues Werk für den Transporter Crafter und in Mexiko eine Fabrik für die Oberklassetochter Audi. Dabei sollen die Kosten auch durch die neue Baukastentechnik weiter sinken. Weitere 22 Milliarden Euro sollen die beiden Gemeinschaftsunternehmen in China investieren, wo derzeit ein Werk nach dem anderen hochgezogen wird. Im vergangenen Jahr hatte das Kontrollgremium für den Fünf-Jahres-Zeitraum von 2014 bis 2018 Ausgaben von 84,2 Milliarden Euro beschlossen.

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