Politik

Razzia in der Türkei: Gülen-Chefredakteur verhaftet

Lesezeit: 1 min
15.12.2014 00:37
Die türkische Polizei hat den Chefredakteur der Zeitung Zaman und hochrangige Polizisten festgenommen. Es wurden Haftbefehle gegen insgesamt 32 Personen erlassen. Die Festgenommenen sollen Anhänger des islamischen Predigers Fethullah Gülen und seiner Organisation sein.
Razzia in der Türkei: Gülen-Chefredakteur verhaftet

Benachrichtigung über neue Artikel:  

Rund ein Jahr nach Korruptionsvorwürfen gegen Vertraute des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan haben Sicherheitskräfte dutzende Journalisten und angebliche Regierungsgegner bei der Polizei festgenommen. Darunter seien unter anderem der Chefredakteur der Zeitung «Zaman», Ekrem Dumanlı, und der ehemalige Leiter der Istanbuler Anti-Terror-Einheit, berichtete die Nachrichtenagentur DHA am Sonntag. Insgesamt seien 32 Haftbefehle erlassen und 24 der Verdächtigen festgenommen worden, meldete der Sender CNN Türk. Die Zeitung «Zaman» und der Medienkonzern Samanyolu stehen dem mit Erdoğan verfeindeten islamischen Prediger Fethullah Gülen nahe.

Nach Angaben von Dumanlıs Anwalt wird dem Chefredakteur vorgeworfen, eine «Organisationsstruktur» mit dem Ziel aufgebaut zu haben, die Souveränität der türkischen Regierung auszuhebeln. Sicherheitskräfte hatten am Morgen das Redaktionsgebäude der Zeitung durchsucht. Demonstranten verhinderten jedoch die Festnahme Dumanlıs.

Nachmittags rückte die Polizei erneut an und führte Dumanli unter lautstarkem Protest ab, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. «Man kann die freie Presse nicht zum Schweigen bringen», skandierten die Unterstützer. Wie bei früheren Razzien hatte der mysteriöse Twitter-Nutzer «Fuat Avni» zuvor vor dem Einsatz gewarnt.

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu äußerte sich zunächst nicht zu den Razzien. Auf einer Veranstaltung der islamisch-konservativen Regierungspartei in der osttürkischen Provinz Elazig sprach er am Sonntag lediglich von einem «Tag der Prüfung». Jeder werde für sein Verhalten zahlen, sagte Davutoglu. Oppositionsführer Kemal Kılıçdaroğlu kritisierte die Verhaftungen und bezeichnete sie als «Putsch».

Grünen-Parteichef Cem Özdemir schrieb in einer am Sonntag verbreiteten Erklärung, die Durchsuchungen seien ein «weiteres Alarmsignal» dafür, dass sich die Türkei von Europa und der Demokratie entferne.

Auch die Europäische Union hat die jüngsten Razzien in der Türkei gegen Medieneinrichtungen ungewöhnlich scharf kritisiert. Das Vorgehen sei mit dem Recht auf Pressefreiheit nicht vereinbar und laufe den europäischen Werten zuwider, teilten die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini und Erweiterungskommissar Johannes Hahn in einer gemeinsamen Erklärung am Sonntagabend mit.

Staatspräsident Erdoğan wirft seinem einstigen Verbündeten Gülen vor, Polizei und Justiz unterwandert zu haben und die Regierung stürzen zu wollen. Auch hinter den im Dezember 2013 bekannt gewordenen Korruptionsvorwürfen gegen Ministersöhne der AKP-Regierung vermutet er die Gülen-Bewegung. Die Ermittlungen wegen Korruption sind inzwischen eingestellt worden. In einem am Wochenende in der «Süddeutschen Zeitung» veröffentlichten Interview warnte der in den USA lebende Gülen vor einer «Hexenjagd» in der Türkei.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..



DWN
Finanzen
Finanzen Ausweg aus der Krise durch alternative Bezahlplattform

Das Vertrauen in die Banken und die Politik schwindet zusehends. Die aktuell schwierige wirtschaftliche Lage, welche aufgrund der Covid-19...

DWN
Deutschland
Deutschland Mediziner warnen vor Corona-Alarmismus - "unverantwortlich"

Während manche Ärzte vor möglichen Versorgungsengpässen warnen, kritisieren andere Ärzte, der Corona-Alarmismus sei nicht durch die...

DWN
Finanzen
Finanzen China und Indien forcieren Gold-Importe

Die chinesische Zentralbank hat die Höchstgrenzen für Gold-Importe für April und Mai deutlich angehoben.

DWN
Politik
Politik Paukenschlag durch Lafontaine: Die Grünen sind US-gesteuert und Baerbock befürwortet Einkreisung Russlands

Der Linkspolitiker Oskar Lafontaine kritisiert Annalena Baerbock scharf. Sie sei als Kanzlerkandidatin eine „führende Vertreterin der...

DWN
Politik
Politik Super League und „Great Reset“: Ein Schlag gegen den Mittelstand im europäischen Fußball

Die Gründung einer Super League im europäischen Fußball harmoniert mit der „Great Reset“-Initiative. Die Reichen und Mächtigen...

DWN
Finanzen
Finanzen Mario Draghi will einen EU-Austritt Italiens mit allen Mitteln verhindern

Italiens Technokraten-Premier Mario Draghi hat einen schweren Stand. In Italien werfen ihm die „Italexit“-Befürworter vor, er sei in...

DWN
Deutschland
Deutschland Reiner Fuellmich: Streitwert von Corona-Sammelklagen könnte in die Billionen gehen

Der Rechtsanwalt Reiner Fuellmich geht mit Hilfe internationaler Kollegen rechtlich gegen die Corona-Maßnahmen vor und hat angekündigt,...

DWN
Finanzen
Finanzen So profitieren Sie von Bitcoin, ohne die Kryptowährung kaufen zu müssen

Bitcoin hat seit Beginn des Jahres eine beispiellose Ralley hingelegt. Doch die Kryptowährung ist extrem schwankungsanfällig und manchem...

DWN
Politik
Politik Mehr als 500.000 Ost-Ukrainer erhalten russische Staatsbürgerschaft

In der Ost-Ukraine wurden mehr als 500.000 Einwohner durch Russland eingebürgert. Zuvor hatten die örtlichen Behörden der...