Technologie

Innovation an der Börse: Laser-Technologie beschleunigt Hochfrequenz-Handel

Lesezeit: 2 min
03.03.2015 23:20
Eine neue Laservorrichtung zwischen der Börse in New York und dem NASDAQ beschleunigt den Hochfrequenzhandel um wenige Nanosekunden. Dadurch steigen die Erträge der Trader durch den beschleunigten Datenverkehr um Millionen von Dollar. Die Technik überträgt bis zu zwei Gigabyte pro Sekunde und kann zwischen zwei Funktürmen störungsfrei eine Distanz von 10 Kilometern überbrücken.
Innovation an der Börse: Laser-Technologie beschleunigt Hochfrequenz-Handel

Mehr zum Thema:  
Börse >
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Börse  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Ein Funkturm auf dem MacArthur Boulevard in Mahwah im US-Bundesstaat Newark ist der wichtigste Turm der Welt. Denn er ist mit einem neuen Lasermodul ausgestattet und verbindet die Börse in New York (New York Stock Exchange, NYSE) mit dem NASDAQ (National Association of Securities Dealers Automated Quotations) in einer noch nie dagewesenen Bandbreite und Geschwindigkeit. Ohne diesen Turm wäre der Börsenhandel in New York sofort lahmgelegt.

Bislang funktioniert der Datenverkehr über Mikrowellen. Die Übertragung ermöglicht die Abwicklung von tausenden von Trades. Doch die Mikrowellentechnik wird in den nächsten Jahren von einer Lasertechnik abgelöst. Die Firma Anova hat sich auf die Erstellung von Netzwerken spezialisiert, die den Hochfrequenzhandel zwischen der NYSE und dem NASDAQ noch beschleunigen soll. Dabei ist die Lasertechnologie nur um wenige Nanosekunden schneller als die Datenübertragung mit Mikrowellen. Doch bereits diese Differenz genügt, um die Erträge der Börsenhändler deutlich zu steigern.

Schnelle Datenübertragung funktioniert auf drei unterschiedlichen Wegen: Einmal über Glasfaserkabel, die Kupferkabel aufgrund ihrer größeren Bandbreite und besserer Übertragung auf größerer Distanz abgelöst haben. Die zweite Möglichkeit ist die Mikrowellen-Technik. Die Bandbreite ist nicht viel besser als bei Glasfaserkabeln, doch sie sind sehr zielgerichtet, nicht so oft überlastet und in der Hinsicht schneller als die Übertragung mit Glasfasern.

Die neueste Methode, mit Netzwerken aus Lasern, bringt alle Vorteile der Mikrowellenübertragung mit, hat darüber hinaus aber noch eine weitaus höhere Bandbreite. Außerdem können Laser widrigen Wetterbedingungen standhalten.

Bereits im vergangenen Jahr hat Anova ein Laser-Netzwerk zwischen der Börse in Frankfurt und der London Stock Exchange erstellt. Der Folgeauftrag in New York lässt darauf schließen, dass die Technik zum neuen Standard im Hochfrequenzhandel wird.

Das Netzwerk basiert auf Militärtechnologie der US-Streitkräfte. Die US-Firma AOptix hat damit die Kommunikation von Flugobjekten zu Bodenstützpunkten verbessert. Die Reichweite der Lasertechnik überschreitet zehn Kilometer. Mit mehreren Funktürmen, die Sichtkontakt zueinander haben, können so Netzwerke entstehen, die über eine beliebig große Reichweite riesige Datenpakete mit einer Geschwindigkeit von zwei Gigabyte pro Sekunde verschicken.

Die Kosten für solch ein Netzwerk gehen in die Millionen, sind jedoch im Vergleich zu einem Netzwerk aus Glasfasern zu vernachlässigen: Das Glasfasernetz zwischen London und Tokio kostete ungefähr 1,5 Milliarden US-Dollar, berichtet der der Technologie Blog Extreme Tech.

Handelsplätze, die mit einem Lasernetzwerk mit anderen Börsen verbunden sind, können die Finanzgeschäfte schneller abwickeln und setzen Börsen damit auf der ganzen Welt unter Druck. Denn je schneller der Handel abgewickelt wird, desto mehr können die Börsen-Akteure verdienen und desto mehr wird über die Lasernetzwerke abgewickelt.

Mit realen wirtschaftlichen Entwicklungen hat die Finanz- und Börsenwelt nichts mehr zu tun. „Die Geschwindigkeit macht die Märkte effizient“, sagt Peter Nabicht, ehemaliger Hochfrequenzhändler und nun Berater bei Modern Markets Initiative.

Börsen auf der ganzen Welt sind an der neuen Lasertechnologie interessiert. Die noch 2013 als brandneu gefeierte Mikrowellen-Netzwerke gehören damit bald schon der Vergangenheit an.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  
Börse >

DWN
Finanzen
Finanzen Bargeld boomt: Die Federal Reserve überschwemmt die Welt mit Dollar-Banknoten

Die Nachfrage nach Dollar-Banknoten zieht derzeit weltweit spürbar an – ein Beleg für die Flucht der Bürger in den sicheren Hafen...

DWN
Politik
Politik Italien: Ein Land kann seinen größten Trumpf nicht nutzen

In der elften Folge der großen geopolitischen DWN-Serie zeigt Moritz Enders auf, warum Italien sein Potential als Regionalmacht nicht...

DWN
Politik
Politik Südostasiens Drahtseilakt zwischen den Giganten: Wo führt China, wo die USA? - Teil 2

Wie tief und verlässlich die bilateralen Beziehungen der Vereinigten Staaten und Chinas zu ihren Partnern in Südostasien sind, lässt...

DWN
Finanzen
Finanzen Es ist noch nicht zu spät: Warum Immobilien auf dem Land eine Chance sind

Trotz der sinkenden Lebensqualität in den Städten infolge von Corona kann das Statistische Bundesamt noch immer keine Flucht aufs Land...

DWN
Politik
Politik Die Politik beschließt Corona-Maßnahmen nach dem Mephisto-Prinzip

DWN-Kolumnist Christian Kreiß wendet zur Beurteilung der Corona-Maßnahmen ein neues Verfahren an. Die Ergebnisse sind verblüffend.

DWN
Politik
Politik „Trump ist der Anführer der konservativen Bewegung“

Der republikanische Kongressabgeordnete Jim Jordan sieht den früheren US-Präsidenten Donald Trump auch nach dessen Wahlniederlage an der...

DWN
Politik
Politik Sozialismus, Rassenhass, Korruption: Südafrika steht am Abgrund

Fast 25 Jahre hat Sebastiaan Biehl in Südafrika gelebt. Im großen DWN-Interview erläutert der Politikwissenschaftler und Journalist, wie...

DWN
Politik
Politik Nordspanien: Impfverweigerern drohen bis zu 60.000 Euro Strafe

Die Regionalregierung von Galicien plant, ein Gesetz zu verabschieden, wonach Impfverweigerer in Bezug auf die aktuelle Corona-Impfung und...

DWN
Politik
Politik Der Konzern-Sozialismus kommt: „Great Reset“ ist das Todesurteil für den deutschen Mittelstand

Die Ziele im Rahmen des „Great Reset“ und der Pandemie bedrohen vor allem den deutschen Mittelstand. Über 99 Prozent aller Unternehmen...

DWN
Politik
Politik Ägypten: Die Tage des Merkel-Schützlings al-Sisi sind gezählt

Es gibt ernsthafte Hinweise dafür, dass der ägyptische Präsident Abdul Fattah al-Sisi bald gestürzt werden könnte. Internationale...

DWN
Politik
Politik Armin Laschet meint: Jens Spahn macht einen guten Job

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet meint, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn im Verlauf der Pandemie einen guten Job machen. Zuvor...

DWN
Politik
Politik Corona-Kontrolle in Stuttgart: Hunderte Jugendliche mit verbalen Attacken, Flaschenwürfen und Sprechchören gegen Polizei

Zu einem größeren Polizeieinsatz kam es am Samstagabend in der Stuttgarter Innenstadt. Mehrere Hundert, überwiegend junge Menschen,...

DWN
Politik
Politik Weltwirtschaftsforum feiert Lockdown auf Twitter – und zieht Tweet nach Protesten wieder zurück

Das Weltwirtschaftsforum hat die Lockdown-Politik in einem Tweet hochgelobt, um nach Tausenden von Protesten den Tweet zurückzuziehen....

DWN
Politik
Politik Anti-Lockdown-Proteste in Irland eskalieren – Dominoeffekt in Europa?

Hunderte Menschen haben am Samstag in der irischen Hauptstadt Dublin gegen die Lockdown-Maßnahmen in dem Land demonstriert. Die Situation...