Finanzen

Saudi-Arabien öffnet Aktien-Markt für Ausländer

Lesezeit: 2 min
06.07.2015 09:41
Saudi-Arabien öffnet seine Börse für Anleger aus dem Westen. Zahlreiche Investoren haben vor, in saudi-arabische Aktien zu investieren. Bisher war es Ausländern nicht gestattet, in dem arabischen Land Wertpapiere zu kaufen.
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Für viele Investoren ist die geplante Öffnung des saudi-arabischen Aktienmarkts für Ausländer das Ereignis des Jahres. Trotz politischer und finanzieller Risiken scharren sie mit den Füßen, um ihr Geld in dem ölreichen Königreich anzulegen. „Jeder will mit Saudi-Arabien sein Glück versuchen“, sagt Nick Smythie, Chef-Anlagestratege des Vermögensberaters Emerging Global Advisors. „Es ist der größte Markt des Nahen Ostens und bietet Anlagemöglichkeiten nicht nur im Energiesektor, sondern auch bei Infrastruktur-, Finanz- und anderen Werten.“ Auch Michael Daoud, Chef für das Geschäft mit Nahost-Aktien beim Brokerhaus Auerbach Grayson, sieht mehr Chancen als Risiken: der jüngste Verfall des Ölpreises werde die Anleger auf längere Sicht wohl nicht verschrecken.

Mit einer Marktkapitalisierung von etwa 528 Milliarden Dollar sind saudi-arabische Unternehmen teurer als alle anderen im Nahen Osten zusammengerechnet. Damit liegt die Börse in der Hauptstadt Riad auf Augenhöhe mit den Aktienmärkten Brasiliens und Russlands. Im saudi-arabischen Leitindex finden sich der weltgrößte Chemiekonzern Saudi Basic Industries und Saudi Telecom, der größte Telekom-Anbieter der Region. Mit Marktkapitalisierungen von gut 76 und mehr als 36 Milliarden Dollar liegen sie auf dem Niveau von Allianz und Linde. Bislang können ausländische Anleger diese Papiere nicht direkt kaufen oder verkaufen. Sie müssen auf börsennotierte Fonds (ETFs) oder Derivate ausweichen. Ab dem 15. Juni lockert die Börsenaufsicht CMA ihre Regeln. Den bis dato bekannten Plänen zufolge wird die Höchstgrenze für die Beteiligung eines einzelnen ausländischen Anlegers an einem heimischen Unternehmen auf fünf Prozent begrenzt. Maximal 20 Prozent des Grundkapitals der Firmen und zehn Prozent der Marktkapitalisierung der gesamten saudi-arabischen Börse dürfen in ausländischer Hand liegen.

Bekannt geben wollen die Behörden die neuen Regeln am 4. Mai. Viele Investoren hatten auf einen früheren Termin gehofft, damit der global wichtige Index-Anbieter MSCI vor der für den 12. Mai geplanten Neuordnung seiner Indizes und einer möglichen Aufnahme saudi-arabischer Werte mehr Zeit für eine Prüfung der Vorschriften erhält. Die Aufnahme in einen wichtigen Index lenkt zusätzliche Aufmerksamkeit auf ein Unternehmen. Außerdem müssen Fonds, die auf diesem Index basieren, die entsprechende Aktie kaufen.

Die Prüfung einer Aufnahme in die MSCI-Indizes könne bis zu zwei Jahre dauern, betont Pawlo Taranenko, Leitender Analyst des Index-Anbieters. Seine Experten haben die Aufnahme von Saudi-Arabien - immerhin größtes Förderland im Öl-Kartell Opec - in den Schwellenländerindex durchgerechnet. Danach hätten die Firmen des islamischen Königreichs eine Gewichtung von 1,5 bis zwei Prozent. Saudi-Arabien läge vor Polen und auf dem Niveau der Türkei. Die Gewichtung eines Landes in dem Index hängt nicht allein von der Marktkapitalisierung der jeweiligen Unternehmen ab, sondern auch von anderen Faktoren wie etwa dem Zugang für ausländische Investoren.

Die Experten der HSBC halten nach der Öffnung des Marktes einen Zufluss von bis zu 24 Milliarden Dollar in die Börse Riad für möglich. Bei Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten hatten sich Anleger bereits Monate vor deren Aufnahme in den MSCI-Schwellenländerindex mit Papieren eingedeckt.

Für George Birch Reynardson von Somerset Capital Management ist ein saudi-arabisches Kursfeuerwerk aber alles andere als ausgemachte Sache. Aus seiner Sicht sind viele Aktien dort bereits jetzt teuer. „Vor allem im Konsumbereich, aber es gibt auch gute Chancen, zum Beispiel in der Baubranche.“ Außerdem sei der Handels an der Börse Riad organisatorisch schwierig, betont Reynardson. Solange sich daran nichts ändere, würden sich viele Investoren zurückhalten. Bislang sind Anleger verpflichtet, Kauf und Verkauf einer Aktie über denselben Broker abzuwickeln. Außerdem muss das Geschäft am selben Tag abgerechnet werden - für Investoren aus anderen Zeitzonen eventuell ein Problem.

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