Gemischtes

Durchbruch: Audi stellt Diesel aus CO2 und Wasser her

Lesezeit: 2 min
30.04.2015 11:32
Dem Autobauer Audi ist es gelungen, kohlenstoffneutrale Brennstoffe herzustellen. In einer Pilot-Fabrik werden künftig 160 Liter E-Diesel täglich produziert. Das gesamte Verfahren ist auf ökologischen Ressourcen aufgebaut.
Durchbruch: Audi stellt Diesel aus CO2 und Wasser her

Mehr zum Thema:  
Auto >
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Auto  

Ein Paradigmenwechsel zeichnet sich ab. Audi hat es erstmals geschafft, kohlenstoffneutrale Brennstoffe herzustellen.

In einer Pilot-Fabrik in Dresden wurde der Versuch durchgeführt. Das dortige Audi-Werk wird von der Technologieschmiede Sunfire geführt. Täglich sollen dort in den kommenden Monaten 160 Liter synthetischer Diesel produziert werden. Das gab Audi per Pressemeldung bekannt.

Einen prominenten ersten Testfahrer gibt es auch schon. Forschungsministerin Johanna Wanka bekommt von Audi einen A8 3.0 TDI gestellt, der die zusätzliche Beschreibung „clean diesel quattro“ trägt. Wanka zeigt sich beeindruckt von der Anlage und dem Projekt: „Wenn es uns gelingt, CO2 breit als Rohstoff einzusetzen, leisten wir einen entscheidenden Beitrag zu Klimaschutz und Ressourceneffizienz und ebnen den Weg hin zu einer Green Economy.“

Allerdings ist mit dem erfolgreichen Test in der Herstellung nur der erste Dominostein gefallen. Allein die geringe Produktionsmenge von 160 Litern pro Tag zeigt, dass es sich hierbei mehr um ein Entwicklungsprojekt handelt, als um Serienreife. Die Alchemie hat das Wunder bewirkt und quasi flüssiges Gold hergestellt. Jetzt starten längere Tests, bevor weiter geplant wird.

Audi weiß, dass sie eine kleine Revolution bewirken können und dementsprechend vorsichtig gehen sie vor. In den kommenden Monate sollen etwa 3.000 Liter produziert und zahlreiche Tests durchgeführt werden. Es gibt nämlich auch noch keine offiziellen Emissionswerte von dem sogenannten „e-diesel“.

Diese und viele weitere Informationen werden sicherlich im Laufe der Zeit veröffentlicht. Zumindest ist jetzt bereits bekannt, wie das Verfahren abläuft, mit dem der Autobauer den künstlichen Dieseltreibstoff herstellt. So liefert sciencealert.com  dazu eine passende Grafik.

Zuerst wird dabei Wasser verdampft. Der über 800 °C heiße Dampf wird dann per Elektrolyse in Wasserstoff und Sauerstoff gespaltet. Beide Verfahren – die Erwärmung und die Spaltung – sind ökologisch und nachhaltig ausgerichtet. So wird Wasser dank Wärmerückgewinnung erhitzt, die effizienter sei als herkömmlichen Methoden. Die Hochtemperaturelektrolyse dagegen kann sich an die Spitzenzeiten beim Ökostrom ausrichten und somit genau dann arbeiten, wenn die Stromnetze besonders viel Ökostrom bekommen.

Im Anschluss an die Spaltung gibt es noch zwei weitere Prozeduren bei der Entwicklung. Dabei reagiert der Wasserstoff unter Druck mit dem Kohlendioxid. Als Ergebnis gibt es laut Audi eine flüssige und langkettige Kohlenwasserstoffverbindung, die sie „Blue Crude“ nennen

Doch nicht nur das gesamte Verfahren ist auf ökologischen Ressourcen aufgebaut – auch die Effizienz kann sich sehen lassen. Von Strom aus erneuerbaren Energiequellen bis hin zum flüssigen Kohlenwasserstoff beträgt der Wirkungsgrad schier unglaubliche 70 Prozent.

Eine Raffinerie wird übrigens immer noch benötigt. Denn genau wie beim aktuellen fossilen Rohöl wird Blue Crude dort veredelt, damit als Endprodukt Audi e-diesel herauskommt. Ein spezielles Merkmal von Audis synthetischem Diesel ist das völlige Fehlen von Schwefel und Aromaten. Außerdem sei die Cetanzahl besonders hoch. Das ist generell ein Qualitätsmerkmal von leicht entzündlichem Dieselkraftstoff.

Audi selbst sieht seinen neuen e-diesel entweder als Beimischung zu gewöhnlichem Diesel oder als eigenständigen Kraftstoff. Letztlich werden auch die Produktionskosten darüber entscheiden, ob es den Ökodiesel in reiner Form zu kaufen geben wird.

Sunfire und Audi arbeiten bereits seit Mai 2012 an diesem Projekt. Im Juli 2013 wurde mit dem Bau der Anlage in Dresden begonnen. Im November 2014 startete die Versuchsreihe. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat die Arbeit zusätzlich unterstützt.

Wissenschaftler aus Japan und China haben eine ähnliche Methode entwickelt, die den Verbrennungsprozess quasi umkehrt: Statt fossile Brennstoffe wie Erdöl oder Erdgas zu CO2 zu verbrennen, ließe sich aus dem klimaschädlichen Abgas der eigentliche Brennstoff zurückgewinnen. Damit wäre es möglich, das CO2 sozusagen zu „recyceln“.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  
Auto >

DWN
Politik
Politik Baerbock über mögliche Putin-Verhaftung: „Kriegsverbrecher zur Verantwortung ziehen“
02.06.2023

Außenministerin Baerbock hat sich zu einer möglichen Verhaftung des russischen Präsidenten Putin bei einer Reise zu einem Gipfeltreffen...

DWN
Politik
Politik Chinas neuer Verteidigungsminister droht mit Eroberung Taiwans
02.06.2023

Chinas neuer Verteidigungsminister schlägt auf der jährlichen asiatischen Sicherheitskonferenz scharfe Töne gegenüber Taiwan an. Der...

DWN
Politik
Politik Der stolpernde Präsident: Biden stürzt auf Bühne bei Absolventenfeier
02.06.2023

US-Präsident Joe Biden ist bei einem Auftritt in Colorado auf offene Bühne gestürzt. Es ist nicht der erste Fall dieser Art. Die Zweifel...

DWN
Finanzen
Finanzen Opec+ und Händler liefern sich Showdown um Ölpreis
02.06.2023

Trotz wiederholter Drosselungen der Fördermenge durch die Staaten der OPEC+ fällt der Ölpreis seit etwa einem Jahr. Nun jedoch erwartet...

DWN
Politik
Politik Der Fall Lina E.: Polizei rüstet sich für „Tag X“-Demo in Leipzig
02.06.2023

Darf die linksextreme Szene am „Tag X“ in Leipzig demonstrieren oder nicht – diese Entscheidung wird vor Gericht fallen. Die...

DWN
Politik
Politik Unzufriedenheit mit der Ampel steigt: Umfrage sieht AfD gleichauf mit SPD
02.06.2023

In einer neuen Umfrage zieht die AfD mit der SPD gleich. Der CDU-Generalsekretär sieht den Grund für die jüngsten AfD-Zugewinne vor...

DWN
Politik
Politik Schulden-Drama in USA: Zahlungsausfall der Regierung im letzten Moment abgewendet
02.06.2023

Aufatmen in den USA und an den Finanzmärkten: Nach langen Verhandlungen hat der erbitterte Schuldenstreit zwischen Demokraten und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Twitters „Anti-Fake-News“-Chefin wirft das Handtuch
02.06.2023

Twitters Verantwortliche für die Moderierung der Inhalte hat ihren Job an den Nagel gehängt. Der Kurznachrichtendienst war zuvor aus den...